Ein Phänomen, das wir alle kennen: Wie entsteht ein Déjà-vu?

Vermutlich kennt jede*r von uns folgendes Phänomen: Wir durchleben eine eigentlich unbekannte Situation, haben aber plötzlich das Gefühl, dass wir diesen Moment schon einmal genau so erlebt haben. So spontan wie dieses Gefühl auftritt, so schnell ist es meistens auch wieder verschwunden. Kurze Momente dieser Art hinterlassen einerseits ein merkwürdiges Gefühl von Vertrautheit, andererseits sind wir uns aber darüber bewusst, dass sich ein und dieselbe Begebenheit in der Regel nicht exakt wiederholt. Im Fachjargon wird in solchen Fällen deshalb von einem Déjà-vu gesprochen. Der Begriff stammt aus dem Französischen, bedeutet auf Deutsch so viel wie „bereits gesehen“ und umschreibt eben genau die oben beschriebenen seltsamen Augenblicke, in denen uns eine eigentlich unbekannte Situationen bereits vertraut vorkommt.
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Doch warum wir überhaupt Déjà-vus haben und was tatsächlich dahinter steckt, darüber herrscht auch in der Wissenschaft noch immer keine Eindeutigkeit. Es kursieren allerdings mehrere Theorien, die mit unterschiedlichen Erklärungsansätzen versuchen das Phänomen Déjà-vu zu ergründen. Wir stellen euch drei der am häufigsten zitierten Theorien vor:

Die Umwelttheorie

Die sogenannte Umwelttheorie basiert im Wesentlichen auf der Annahme, dass ein Déjà-vu über Assoziationen und Erinnerungen hervorgerufen wird. Zum Beispiel dann, wenn du einen Ort besuchst, der einer dir bereits bekannten Umgebung ähnelt. Die scheinbar gleichen Strukturen, in denen du dich gerade befindest, lösen fälschlicherweise ein Gefühl des Wiedererkennens und der Vertrautheit aus. Vergleichbares kann passieren, wenn du vor einiger Zeit einen Film geschaut hast und anschließend eines der Motive wiedererkennst, obwohl du vielleicht noch niemals an diesem Ort warst. Ebenfalls denkbar: Du entdeckst einen dir bekannten Gegenstand oder eine dir vertraute Situation in einem neuen Kontext wieder, kannst die Verbindung aber nicht sofort herstellen.

Die Wahrnehmungstheorie

Die Wahrnehmungstheorie geht davon aus, dass du Dinge und Situationen zunächst unbewusst wahrnimmst oder registrierst, sie aber erst dann in dein Gedächtnis gelangen, wenn dir etwas Ähnliches in der Gegenwart passiert. Die zweite, bewusste Wahrnehmung erscheint dir deshalb häufig vertraut. Gründe für dieses Phänomen können laut Forscher*innen oftmals Stress oder auch schlechte Konzentration sein.

Die Gedächtnistäuschung

Eine weitere Erklärung, die Neurolog*innen anführen, ist, dass unser Gedächtnis ganz einfach getäuscht wird. Die Gehirnstruktur des Hippocampus ist grundsätzlich dafür verantwortlich, dass ein Sinneseindruck als bekannt oder eben unbekannt wahrgenommen wird. Wird eine Situation im Hippocampus als bereits bekannt eingeordnet, setzt in dem Gehirnareal des Parahippocampus das Gefühl von Vertrautheit ein. Wenn nun aber der Hippocampus für einen kurzen Moment aussetzt, sprich nicht funktioniert, wird uns dennoch ein Vertrautheitsgefühl aus der Region des Parahippocampus gesendet – auch wenn es in diesem Moment eigentlich völlig fehl am Platz ist, da uns gar kein passendes, bekanntes Bild im Hippocampus dazu geliefert werden kann. Unser Gehirn wird nach dieser Theorie, die derzeit übrigens als am wahrscheinlichsten eingeordnet wird, letztendlich nur getäuscht.
Das Gegenteil eines Déjà-vus ist übrigens ein Jamais-vu. Bei diesem Erlebnis wird ein eigentlich bekannter Ort, Person oder Gegenstand als völlig unbekannt oder fremd wahrgenommen. Auch bei diesem Phänomen ist eine Täuschung des Gehirns für die Gefühlsirritation verantwortlich. Ein Déjà-vu kann im Prinzip immer und überall eintreten, niemand ist davor gefeit. Nachweislich treten diese Phänomene aber besonders häufig dann auf, wenn Menschen müde, erschöpft oder einfach nicht mehr aufnahmefähig sind.
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