Die ehrliche Antwort auf die Pony-Frage lautet ganz klar „Nein, du wirst es bereuen“

In regelmäßigen Abständen treibt mich akute Langeweile auf dem Kopf zu der Idee, mir doch mal wieder einen Pony schneiden zu lassen. Die Stirngardine zierte meine komplette Kindheit über meinen Kopf und meine Omi sagte damals schon immer, dass ich ihn doch bitte beiseite machen solle, damit man mein schönes Stirnchen sieht. Wie Omis immer auf solche Sprüche kommen, habe ich mich damals schon gefragt. Aber Fakt war: Mich gab es nur mit Pony. Damals schon stand er meistens in alle Richtungen, teilte sich an den unpassendsten Stellen und war denkbar schlecht geeignet für die zig sportlichen Aktivitäten, denen ich nachging.
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In meiner Indiephase war mein dichter Pony mein ganzer Stolz und irgendwie bekam ich es dann auch erstaunlich gut hin, ihn zu frisieren (Glätteisen, ahoi!). Im Nachhinein betrachtet ähnelt mein Erscheinen erschreckend dem eines Shetland-Ponys, aber damals sind schließlich irgendwie alle so herum gelaufen, von daher hat es gepasst. Ich glaube, der Wunsch nach einem ponyloses Dasein begann etwa zur Mitte meines Studiums. Nach einer Bingewatching-Session von Grey's Anatomy, einer Menge Weißwein mit anschließender Übernachtung bei meiner Freundin Lena berichtete selbige mir nämlich am nächsten Morgen, dass ich im Schlaf von einem Mittelscheitel gesprochen hätte. Der Wunsch hatte sich also in meinem tiefsten Ich verankert und so ließ ich wachsen.
Ein Mal noch wurde ich rückfällig und auch dieses Mal verfluchte ich mein kurzes Vorderhaar nicht nur jeden Tag, sondern jede Sekunde, zubbelte mit allerlei Haarspangen die Fusseln nach hinten und war Dauergenervt. Ich hätte mir meinen Emotionalen Status-Quo damals konservieren und in einem Einmachglas gut sichtbar in die Küche stellen sollen, denn nach (rückblickend) vielen glücklichen Jahren mit endlich wieder langer Mähne war es vor einem Monat wieder da. Ich scrollte mich durch Bilder von Jeanne Damas, aus Recherchezwecken, legte sie mir in einen Ordner und landete schließlich bei Brigitte Bardot. Die Ikonen der Sechziger mit ihren vollen Mähnen und diesem nonchalanten, langen Pony. Lässig zur Seite fallend, ein wenig stufig geschnitten, so mühelos! Sollte ich?
Ich kaute etwa eine Woche auf dem Gedanken herum, bevor ich, ganz Frau der Tat, den nächsten Friseurtermin nutze, um mein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Bewaffnet mit Screenshots fuchtelte ich mit meinem iPhone vor meinem Friseur herum und lamentierte darüber, wie satt ich diesen meinen nicht vorhandenen Haarschnitt hatte, der doch nur traurig und müde herunterhing. Mein Friseur wiederum, ganz Mann der Tat, griff zu Schere und Kamm und waltete seines Amtes. Und, was soll ich sagen? Das waren nicht Brigitte Bardot oder Jeanne Damas, die mich da aus dem Spiegel anlächelten, es war das gute, alte Shetland-Pony. Zirka fünf Wochen ist das nun her. Ich habe alle meine Haarspangen wieder aus der Versenkung hervorgeholt und stecke mir seitdem mein Vorderhaar zur Seite, als wäre es eine Schande. Ich hätte es besser wissen sollen. Ich bin selbst Schuld. Kein Stylingprodukt, keine Föntechnik, keine Bürste vermag dieses Haardesaster zu meiner Zufriedenheit zu legen.
Dieser Artikel soll eine Warnung sein. An mich, aber auch an alle, die mit dem Gedanken spielen, sich mal wieder einen Pony schneiden zu lassen: Lasst es sein. Wenn ihr bis heute nicht dauernd einen Pony hattet, hat es einen guten Grund: Es war einfach nicht das wirklich Richtige. Sonst hättet ihr ihn noch. Glaubt mir. Ihr werdet es bereuen, so wie ich es nun wieder bereue, obwohl ich es mit mittlerweile 30 Jahren doch inzwischen besser hätte wissen sollen. Begegnet der Langeweile auf dem Kopf lieber mit leichten Stufen oder gut gemachten Strähnen oder sucht euch ein neues Hobby, das euch vom eurem Haupt ablenkt. Druckt diesen Artikel aus und klebt ihn neben euren Spiegel und genießt eure langweiligen, langen Haare.
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