Angst vor dem Sommer: Warum ich auch bei Hitze so wenig nackte Haut zeige wie möglich

Photo: Patricia Peerenbooms / EyeEm.
Letzte Woche wachte ich auf und sah einen kleinen roten Blutfleck auf meinem Laken. Unter dem Nagel meines Mittelfingers der linken Hand war getrocknetes Blut. Ich hatte mir im Schlaf meine rechte Hand aufgekratzt.
Ich leide unter Ekzemen, seit ich ein Baby bin. Als ich jung war bin ich von einem zum nächsten Arzt gegangen und habe die verschiedensten Cremes und Salben durchprobiert, aber nichts half. Ich habe es gehasst, mich jeden Tag eincremen zu müssen und um ehrlich zu ein, war ich darin auch nicht gut. Meine Ärztin meinte immer, dass es besser wird, wenn ich erwachsen bin. Aber bis jetzt hat sich leider nicht viel verändert.
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Ich bekomme Flecken an den Händen, Kniekehlen, Ellbogen und manchmal auch an anderen, noch prominenteren Stellen wie dem Gesicht.
Das ist der Grund dafür, warum ich vor dem Sommer Angst habe. Nicht falsch verstehen: Ich liebe die Sonne, den blauen Himmel und das Gefühl von Frühling in der Luft. Aber ich hasse Hitze. Ich hasse es, entweder meine Sommerklamotten anziehen und alles zeigen zu müssen oder wie ein altes Auto in der Sonne zu überhitzen.
Ich habe Komplexe, die viele Frauen haben, die in einer patriarchalen Gesellschaft mit bestimmten Schönheitsidealen aufgewachsen sind. Sind meine Oberschenkel zu dick? Oder mein Bauch? Glänzen meine Haare genug? Aber noch mehr als all diese Punkte belastet mich mein Ekzem.

An besonders schlimmen Tagen ist meine Haut schuppig, rot und nässt oder blutet. Sie tut so sehr weh, dass ich meine Finger kaum bewegen kann.

An besonders schlimmen Tagen ist meine Haut schuppig, rot und nässt oder blutet. Sie tut so sehr weh, dass ich meine Finger kaum bewegen kann. Sie ist hässlich. Das Letzte, was ich dann tun möchte, ist in ein Top und Shorts zu schlüpfen und mich in der Sonne zu aalen. Ich verstecke meine Hände unter dem Tisch oder in meinen Taschen. So lange es temperaturmäßig irgendwie geht, trage ich schwarze Strumpfhosen. Ansonsten ziehe ich locker fallende Röcke an, die über mein Knie reichen.
Ich habe viele Mittel ausprobiert wie Kokosöl, E45, Nivea, Hydrocortison-Salben, steroidhaltige Cremes. Ich habe meine Ernährung umgestellt – aber nicht für lang, weil ich keinen Unterschied feststellen konnte. Eine Creme, die manchmal ganz gut wirkt, ist Aveeno. Und im Moment teste ich auch die Feuchtigkeitscreme von Child’s Farm, die online gerade richtig gefeiert wird. Ich trage die Creme richtig dick auf und ziehe dann Baumwollhandschuhe darüber, bevor ich ins Bett gehe.
Ich sehne mich so nach glatter, seidiger Haut, so wie sie die Frauen in der Werbung haben. Ich würde meine Nägel gern länger wachsen lassen, ohne Angst haben zu müssen, mir die Haut im Schlaf aufzukratzen. Ich möchte eine kurze Hose tragen und mir keine Gedanken darüber machen, ob die Leute meine entzündeten Knie sehen und sich fragen, was mit meiner Haut nicht stimmt. Wenn ich die Hand meines Freundes länger als zehn Sekunden halte, wird meine Handfläche feucht und alles fängt an zu brennen. Ich würde sie so gerne einmal länger als zehn Sekunden halten.
Ich gebe die Hoffnung noch nicht auf und werde auch in Zukunft neue Cremes ausprobieren und andere Ärzt*innen konsultieren. Falls ich irgendwann ein Mittel gefunden habe, das mir wirklich hilft, bin ich die erste, die bei zweistelligen Temperaturen mit kurzen Hosen, gemachten Nägeln und einem Lächeln auf den Lippen durch die Straßen stolziert.
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