Safety first: Meine Erfahrungen mit Kupferball und Gynefix-Kupferkette

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Illustration: Anna Sudit
Kupferball, Kupferkette oder Gynefix, Kupferspirale – in Sachen natürliche Verhütung kommt man um das Metall nicht herum. Denn im Gegensatz zur Hormonspirale funktionieren Gynefix und Co. ganz hormonfrei, und das auch noch für bis zu fünf Jahre. Wenn man mich fragt, ist die Verhütung mit Kupfer die unkomplizierteste und bequemste Variante, weshalb ich schon seit Jahren großer Verfechter dieser Methode bin. Nachdem ich bis letzten Herbst fünf Jahre lang die Kupferkette Gynefix hatte, ließ ich meinen Körper erstmal durchatmen und widmete mich der natürlichen Verhütung mit NFP und Persona, was ich euch hier schon genauer erzählt habe. Mittlerweile habe ich mir wieder den Kupferball einsetzen lassen – was die Gründe dafür waren, wie meine Erfahrungen mit Kupferball & Gynefix sind und wie das Ganze eigentlich funktioniert, möchte ich euch heute erzählen.
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Kupferball & Gynefix – wie funktioniert’s?
Nachdem ich nur mit Kupferball und Gynefix Erfahrungen habe, beschränke ich mich hier auf diese beiden Varianten, natürlich gibt es auch noch diverse Varianten der Kupferspirale und Co. Grundsätzlich funktioniert alles auf dieselbe Art und Weise: zum einen bildet das sogenannte Intrauterinpessar, was die Bezeichnung für all diese Varianten ist, einen Fremdkörper in der Gebärmutter, der schon an sich eine Befruchtung erschwert. Die Reaktion des Kupfers mit der Gebärmutterschleimhaut erzeugt außerdem Leukozyten und Prostaglandinen, die sowohl in der Gebärmutter als auch in den Eileitern die Spermienbewegung reduzieren. Der Kupferketten-Pearlindex liegt bei 0,1-0,5, zum noch neueren Kupferball habe ich dazu noch keine offiziellen Infos gefunden.
Die beiden Verhütungsmittel unterscheiden sich nur minimal: Die Kupferkette ist ein Faden mit mehreren Kupferperlen, der in der oberen Gebärmutterwand verankert wird. Die Kupferkette wird dabei in den oberen Gebärmuttermuskel hineingeschoben, der kleine Knoten, der sich am Fadenende befindet, wird dann innerhalb der nächsten 7 Tage vom Muskelgewebe umschlossen und verankert sich von selbst – so viel zum Thema der Verankerung, die so vielen Bauchweh bereitet. Der Kupferball dagegen ist ein Draht mit Kupferperlen, der sich beim Einlegen zu einem 3D-Ball formt und ohne Verankerung in der Gebärmutter sitzt. Beide Varianten kommen ohne Plastik oder Ecken und Kanten aus.
Wieso nun doch wieder Kupferball?
Nach wie vor bin ich 100% von der Sicherheit von NFP in Kombination mit Persona überzeugt. Der Grund, warum ich mir doch noch mal eine Kupfervariante habe einsetzen lassen, ist schlicht und einfach Bequemlichkeit. Solange es noch keine Temperatur-Wearables gibt, muss man für NFP jeden Morgen messen, was mit einem Kupfer-Verhütungsmittel wegfällt. Nach dem Einsetzen muss man fünf Jahre lang an absolut gar nichts mehr denken, solange man über die gesundheitliche Verfassung seines Sexualpartners Bescheid weiß – bei wechselnden Sexualpartnern ist zusätzliche Verhütung natürlich Pflicht. Will man schon früher Kinder bekommen, kann man sich Kupferball oder Kupferkette jederzeit entfernen lassen, der normale Zyklus wird davon nicht beeinflusst.
Weil ich gerne noch ein paar Jährchen warten möchte, habe ich beschlossen, mich nochmal zurückzulehnen und an gar nichts mehr denken zu müssen. Eine bequemere Verhütungsmethode gibt es tatsächlich nicht.
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Bilder via www.kupferspirale.info & www.verhueten-gynefix.de
Sitz von Kupferball und Kupferspirale
Meine Erfahrungen mit Gynefix & Kupferball
So schön das alles klingt – natürlich hat auch diese Verhütungsmethode einen Haken. Der ist allerdings klein und überschaubar: Das Einsetzen ist nicht gerade angenehm. Vor dem Einsetzen nimmt man eine Tablette, die den Muttermund ein kleines Stück öffnet, was mit leicht wehenartigen Schmerzen verbunden ist. Beim ersten Mal vor knapp sechs Jahren war das Ganze für mich kein Problem, diesmal fand das Einsetzen allerdings während der Periode statt (der beste Zeitpunkt für die perfekte Platzierung, damals war ich nur zu ungeduldig). Wenn zu den Periodenschmerzen noch leichte Wehen dazukommen, ist das nicht gerade der beste Tag der Welt. In der Badewanne und mit einer Schmerztablette habe ich aber auch das überstanden.
Beim Einsetzen an sich muss man dann die Zähne zusammenbeißen. Es sind zwei kurze Stiche, die man spürt, die danach gefolgt werden können von den typischen Periodenschmerzen, da die Gebärmutter gereizt wurde. In meiner Recherche unter Bekannten habe ich aber auch schon von Praxen gehört, die das Einsetzen unter Narkose machen oder die Gebärmutter mit einer Spritze betäuben – ich habe es jetzt zwei Mal ohne Betäubung hinter mich gebracht und lebe immer noch. Es gibt natürlich Schöneres, für die fünf Jahre Ruhe finde ich den Deal aber ziemlich gut.
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Nach dem Einsetzen gönnt man seinem Geschlechtstrakt eine Woche komplette Ruhe, das heißt weder Tampons, noch irgendetwas anderes sollten in die Nähe kommen. In dieser ersten Woche gewöhnt sich der Körper an den Fremdkörper, was Periodenbauchschmerzen zur Folge haben kann. Ab dem achten Tag war bei mir aber alles seelenruhig und ich hatte diesmal bei der Kontrolluntersuchung nach fünf Wochen schon fast Angst, das Teil verloren zu haben, so wenig habe ich noch davon mitbekommen. Wer ohnehin schon unter einer starken und schmerzhaften Periode leidet, sollte sich eher nicht für die Kupfervarianten entscheiden, denn sie können die Periode verstärken. Da ich allgemein nie große Periodenprobleme hatte, hat sich auch hier für mich kaum etwas verändert. Sowohl bei der Kupferkette als auch beim Kupferball hatte ich im ersten halben Jahr ab und zu leichte Zwischenblutungen, nach spätestens einem halben Jahr hatte sich der Körper aber endgültig daran gewöhnt und alles war wie zuvor.
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Risiken und Nebenwirkungen
Damit wären wir auch schon bei den negativen Begleiterscheinungen des Ganzen: Die Periode kann durch den Fremdkörper stärker werden als gewohnt, und auch die Periodenschmerzen können sich vorübergehend stärker anfühlen. Allerdings ist das alles fast nie von Dauer, sondern nur in den ersten Monaten der Fall. Und, der wichtigste Punkt: Oft lassen sich Frauen die Kupferkette oder den Kupferball einsetzen, nachdem sie die Pille oder ein anderes hormonelles Verhütungsmittel abgesetzt haben. Die Umstellung der Periode mit mehr Schmerzen oder längeren Blutungen wäre dabei meist ohne Kupfer-Verhütungsmittel ähnlich, denn die „Periode“ unter hormonellen Verhütungsmitteln ist bekanntlich nur eine Hormonentzugsblutung und keine tatsächliche Periode, und damit auch oft weniger intensiv.
Zu den Blutungsverstärkungen durch die Kupferkette oder den Kupferball gibt es leider keine allgemeinen Prognosen, sondern es kommt ganz auf den Individualzustand und auch den Zufall an. Meiner Erfahrung nach gewöhnt sich der Körper allerdings tatsächlich im Laufe der ersten Monate an den Fremdkörper und alles pendelt sich wieder auf Normalniveau ein – sowohl mit der Gynefix, als auch mit dem Kupferball habe ich nach ein paar Monaten gar keinen Unterschied mehr festgestellt. Wer allerdings ohnehin schon arg mit seiner Periode zu kämpfen hat, sollte sich das Risiko genau überlegen.
Unabhängig von der Ausgangslage können außerdem Entzündungen oder Verletzungen auftreten. Dieses Risiko ist bei den viel kleineren und flexibleren neuen Modellen wie Kupferball oder Kupferkette jedoch geringer als bei klassischen Spiralen, weshalb die neuen Modelle auch vor Schwangerschaften und selbst im Teenageralter eingesetzt werden. Ein kleines Risiko besteht natürlich, weshalb man seinen Körper vor allem in den Wochen nach dem Einsetzen genau beobachten und die richtige Lage lieber einmal zu häufig als einmal zu wenig überprüfen lassen sollte.
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Zum Thema Kupfer im Körper gibt es unterschiedliche Meinungen – während einige schädliche Absonderungen befürchten, ist die Menge, die durch Kupferspirale und Co. an den Körper abgegeben wird, weitaus geringer als die, die man mit der Nahrung aufnimmt. In 40 Jahren Erfahrung mit Kupferverhütungsmethoden konnten noch keine schädlichen Folgen festgestellt, allerdings auch keine widerlegt werden.
Kupferball und Menstruationstasse?
Eine etwas seltsame Vorstellung war es für mich, zusätzlich Menstruationstassen zu verwenden, da sie ja ein Vakuum und Unterdruck bilden. Sowohl Frauenärzte als auch diverse Online-Recherchen betonen allerdings, dass hier absolut nichts passieren kann, da das Verhütungsmittel tiefer sitzt, als die Menstruationstasse je sitzen kann. Bei Unsicherheiten lässt man seinen Körper aber am besten erstmal ein paar Monate eingrooven, bis man dann unverkrampfter mit der Situation umgehen kann, und fragt natürlich im allerbesten Fall auch noch mal selbst den Arzt!
Und jetzt seid ihr dran – wie steht ihr zu den Kupferverhütungsmitteln? Habt ihr schon davon gehört, könnt ihr sie empfehlen oder ratet ihr ganz und gar davon ab? Ich freue mich auf eure Meinungen!
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