Zum 1. Mal alleine wohnen: 7 Lifehacks für einen leichten Abschied vom Hotel Mama

Foto: Meg ODonnell, Erica Gannett
Wie schreibe ich ein gutes Bewerbungsschreiben? Was muss ich beachten, wenn ich neben dem Studium noch arbeite? Und wie hole ich das meiste aus meinem klitzekleinen WG-Zimmer raus? In unserer #EndlichErwachsen-Themenwoche pünktlich zum Semester- & Bewerbungsstart untersuchen wir alle Aspekte des Erwachsenwerdens und sprechen über das, was wir in der Schule nie fürs Leben gelernt haben – aber gerne gewusst hätten.
Das Nötigste für die ersten zwei Wochen, also ausreichend Kleidung, Schuhe, die Kulturtasche und die wichtigsten Unterlagen inklusive Life-Gadgets, ist in zwei XXL-Koffern verpackt. Der Rest meines Lebens stapelt sich vor meinen Augen in diversen Kartons und Tüten, allesamt (selbstverständlich) detailgenau beschriftet? Von wegen. Zu lesen ist: „Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche, Kleiderschrank“. In dem Moment wusste ich, dass ich mich noch viele Tage mit meiner genialen „Ich erinnere mich an alles“-Beschriftung herumärgern werde. Man vergisst es mit dem ersten Feststreichen des Paketbandes. Nun ja, ein Trugschluss.
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Ebenso, wie zu denken, man habe das Leben mit dem Schritt heraus aus dem Elternhaus voll im Griff. Ein Gefühl von erhabener Selbstständigkeit macht sich breit und demzufolge auch die nötige Motivation das Leben wirklich als Grown-up gleich auf die richtige Art zu starten.

Checkliste für die erste eigene Wohnung

Das Bett war bestellt, die Matratze vorübergehend perfekt auf dem Fußboden platziert und die ersten wenigen Möbel aufgebaut. Die Kartons, deren Inhalt aus Mangel an Möbeln noch nicht ihren Platz einnehmen konnten, wurden organisatorisch in eine der vier Ecken meines Zimmers verfrachtet. So schnell würden sie diese Ecke auch nicht verlassen. Denn was mit einem Auszug auch einhergeht, ist die Erkenntnis, dass Geld stets schneller geht, als es kommt. Vier Wochen werden zu einer halben Ewigkeit. Vor allem dann, wenn ungeplante Kosten anfallen, zu denen es während eines Umzugs definitiv immer kommt.
Meine ziemlich zerknitterte und immer wieder korrigierte To-do-Liste war bereits zwei Seiten lang und ich erst eine Nacht in meiner ersten eigenen Wohnung. Für den nächsten Tag standen die allbekannten Aufgaben an: Ummelden, einen Internetanschluss anmelden und einen Nachsendeantrag stellen. Der Nachsendeantrag war ein Tipp meines Bruders. Denn bevor alle wichtigen Instanzen wie etwa der Krankenversicherung, dem Mobilfunkanbieter und all die anderen die Nachricht meiner Adressänderung erreicht, ist die Postumleitung die schnellste und einfachste Übergangslösung.

Basics und kein Übermaß

Zwischen Übergangslösungen und einer Form von Alltag hieß es, das Leben in den Griff zu bekommen, aber zunächst erst einmal den Kühlschrank aufzufüllen. Das assoziiere ich nämlich mit Zuhause. Wer kennt es nicht: Man kommt heim und der erste Gang führt direkt zum Kühlschrank, nachschauen, was man für den kleinen Snack so da hat. Also kaufte ich alles ein, das mir in den Sinn kam. Der Kühlschrank war voll, aber vier Tage später war es der Mülleimer auch. Warum? Weil ich mehr als die Hälfte der eingekauften Lebensmittel nicht gegessen habe, sei es aus Zeitmangel oder aus purer Faulheit zu kochen. Denn ich war ständig unterwegs, in der Uni oder bei der Arbeit oder auch einfach mit Freunden, und daher war ein Großteil meiner Einkäufe überflüssig.
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Was zu allererst mühsam und umständlich erscheint, ist im Endeffekt wirklich praktisch: Mit Basics eindecken und immer nur das kaufen, was du am selben Tag auch zubereiten willst. Erstens spart es Geld und zweitens hat man meist mehrere Tage was von dem Essen. Und natürlich wirft man weniger weg.

Tipp 1: Nur das Einkaufen, was du am selben Tag zubereiten möchtest. Spart Geld und ist weniger verschwenderisch.

Vor allem ist mir mit dem Vorkochen auch klar geworden, was man neben Fertigpizzen auch sonst noch alles einfrieren kann. Brot zum Beispiel! So hatte ich für den Nothunger auch immer noch etwas zu essen in petto.

Tipp 2: Wollpullover mit einer Textilbürste ausbürsten, damit sich die Öle der Wolle freisetzen. Anschließend lüften – wirkt selbstreinigend.

Frisch gewaschen

Ich habe sehr früh angefangen, meine Wäsche selbst zu waschen und wusste über die Basics Bescheid: Nach Farben trennen, Handtücher und Bettwäsche (und ehrlich gesagt auch Socken) bei mindestens 60 Grad waschen etc. Aber schon nach wenigen Wochen machte ich Verluste: eingelaufene Wollpullover und kaputter Stretch diverser Jeans. Deshalb mussten die Haushaltstipps von Oma her:

Tipp 3: Jeans lieber einmal weniger waschen und stattdessen auf die Heizung legen. Die Hitze zersetzt die Geruchsmoleküle.

Ich stellte fest, dass meine Kleidung anschließend wirklich geruchsneutral war. Wenn es ein nicht so hartnäckiger Geruch ist, eignet sich das Lüften von Kleidung auch. Für hartnäckige Flecken lohnt sich tatsächlich auch die Handwäsche! So kann man sich sicher sein, dass der Schleudergang die Kleidung nicht ruiniert.

Die volle Ladung

Irgendwann habe ich auch aufgehört, nur wegen einem meiner Lieblingsteile eine halbleere Waschmaschine anzuwerfen. Da passt mehr rein, als man denkt! Und ich habe wirklich lange unterschätzt, wie viele Dinge Strom fressen. Und wie viel ich verschwende. Das geht bei dem Smartphone-Ladekabel los, das ich ständig in der Steckdose stecken ließ, und hört bei dem Fernseher und der Waschmaschine auf. Dinge, die ständig auf Stand-by weiterlaufen und Strom fressen. Bedanken tun wir uns dann beim Erhalt der Jahresabrechnung, wenn wir plötzlich 200 € nachzahlen müssen und zusätzlich der monatliche Beitrag hochgestuft wird.
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Tipp 4: Steckdosenleisten nutzen, um dem Stand-by-Strom-fressen ein Ende zu setzen

Mit dem so simplen Power-Button haben die Steckdosenleisten mir das mühsame Stecker-rausziehen erspart. Und die Jahresendabrechnung brachte mir sogar ein unerwartetes Plus. Das Geld landete dann dank geradezu unmenschlicher Willenskraft im Sparschwein statt in einer Gin-Tonic-Investition.

Das goldene Sparschwein

Und ich weiß, Sparschweine sind wirklich oldschool. Aber ich habe ehrlich gesagt nie wirklich gut mit Geld umgehen können. Deshalb musste Geld, das nicht einkalkuliert wurde, aus meinem Blickfeld verschwinden. Und da erfüllen altbewährte Sparschweine eben ihren Zweck. Das funktioniert auch super mit Kleingeld, das das Portemonnaie unnötig schwer und dick macht. Irgendwann hat man dann zwar ein 20 kg schweres Sparschwein, aber auch ein schönes Sümmchen, über das sich das Bankkonto freut.

Tipp 5: Das Sparschwein mit Kleingeld & unerwarteten Rückzahlungen füttern

Nach nur zwei Monaten hatte ich über 200 Euro zusammen und mein Leben ganz eindeutig im Griff – zumindest in meinen Träumen. Bei den kleinsten Problemen in der Wohnung, sei es die Heizung, das Internet oder mit Dingen wie der Krankenversicherung, Handyrechnung, Universitätsunterlagen und all diesen Dingen, musste ich ständig etliche E-Mails und Briefe durchsuchen, um die richtigen Ansprechpartner zu finden. Nach unendlichen Phasen der Zeitverschwendung, schnappte ich mir schließlich eines dieser Notizbücher (die man interessanterweise immer sammelt, nie benutzt aber auch nie entsorgt) und fing an, klassisch alle wichtigen Nummern und E-Mailadressen zu notieren.

Tipp 6: Telefon- & E-Mail-Listen wieder zum Leben erwecken!

Damit hatt es sich natürlich noch nicht getan: Weiter ging es mit Ordnern. Die erfüllen wirklich ihren Zweck. Für den Anfang tun es zwei Ordner und Trennblätter. Geordnet habe ich meine Unterlagen nach allgemeinen Rechnungen, Krankenversicherung, Internet, Bewerbungsunterlagen, Persönlichem, Strom, Abrechnungen, Miete etc. Als diese Feinarbeit einmal gemacht war, fühlte ich mich tatsächlich wie die Königin der Welt.
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Tipp 7: Ordner für alle wichtigen Unterlagen & Briefe anlegen

Doch bis ich daraus wirklich eine Routine für den Alltag entwickelt habe, hat es gedauert. Ich habe mit hohen Nachzahlungen büßen müssen, habe viel Zeit vergeudet und musste mich von einigen lieb gewonnenen Kleidungsstücken verabschieden. Aber die Wunden sind geheilt, neue Wollpullover noch am Leben und das Leben mit Mitte 20 halbwegs stabil.
So funktioniert's mit dem Erwachsenwerden noch besser: