Freitags kommt Frau P. - Ein unvergessliches Stück Vergangenheit

FOTO: Philip Nürnberger
Hier gibt’s jede Woche Highlife in Tüten.
Wer ist Frau P.? Die Berliner Autorin treibt es gern bunt, bekennt immer F­arbe und wird (was sie selbst ärgert) immer noch rot. Sie ist laut, ihr Rostkehlchen-Lachen (lieblich ist anders…) unüberhörbar. Sie hasst Langeweile, Ja-Sager und Männer ohne Eier. Dafür liebt sie Rührei mit Speck.


Nostalgie, die

…vom Unbehagen an der Gegenwart ausgelöste, von unbestimmter Sehnsucht erfüllte Gestimmtheit, die sich in der Rückwendung zu einer vergangenen, in der Vorstellung verklärten Zeit äußert, deren Mode, Kunst, Musik o.ä. man wieder belebt.
So schreibt es der Duden.

Die Vergangenheit. Immer holt sie einen wieder ein, immer wieder schleicht sie sich wieder an. Mal heimlich, mal herbeigesehnt. Ganz egal, wie alt man ist. Das „Weißt du noch?“ trägt die Vergangenheit in die Gegenwart. Eine Melodie, ein Foto, ein Ort, ein Geruch… Das sind die Auslöser für unser ganz persönliches Kopfkino. Immer sinnlich, aber nie sinnlos.

FILM AB!

„RIECHST DU ES AUCH? WIE DAMALS…“

„HÖRST DU ES AUCH? WIE DAMALS…“

„SIEHST DU ES AUCH? WIE DAMALS…“

„FÜHLST DU ES AUCH? WIE DAMALS…“

Die Vergangenheit – sie duftet, sie klingt, sie blickt uns an, sie ist spürbar. Und immer trifft sie uns mitten ins Herz. Weil es schön war. Weil es weh tat. Weil wir wieder so sein wollen. Weil wir all das nicht vergessen können – oder nicht vergessen wollen.
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You look like a movie, You look like a song, My God, this reminds me Of when we were young.

Adele ("When we were young", 2015)
Seid ihr auch Nostalgiker? Dieses unsägliche Wort, das fast so klingt wie Allergiker, aber etwas Schönes auslöst – Erinnerungen. Ich bin und bleibe eine Verfechterin davon, im Hier und Jetzt zu leben. Aber was ist daran falsch zurückzublicken? Denn wir wären ohne unsere Vergangenheit nicht genau dort, wo wir heute stehen (oder wackeln). Weil uns alle vergangenen Erlebnisse und Erfahrungen geformt haben. Im positiven wie im negativen Sinne. „Ich habe so viele Fehler in meinem Leben gemacht“, hat mir einmal Robbie Williams in einem Interview anvertraut. „Aber ich bereue nichts, ich blicke nicht zurück.“

No regrets, they don't work. No regrets, they only hurt.

Robbie Williams („No regrets", 1998)
Manchmal wird unsere Gegenwart aber auch zu unserer nicht erfüllten Vergangenheit. „Ich fühle mich hier wie das Kind, das damals nie verreisen konnte und es jetzt nachholt“, brach es aus meiner Mutter auf unserer Italienreise raus. Ich habe sie die ganze Zeit beobachtet: wie sie wie ein kleines Mädchen mit ganz großen Augen den alten Gutshof, die sogenannte Masseria, mitten in Apulien bestaunte. Wie sie sich wie ein kleines Kind von der italienischen Mamma bekochen ließ. Sie reiste in ihren Gedanken als Zehnjährige durch diesen Ort, der sie wegen der Einrichtung und Herzlichkeit an früher erinnern ließ. Wodurch die Geschichten ihrer eigenen Kindheit und ihrer längst verstorbenen Eltern wach wurden. Sie erzählte von damals, nahm uns zusammen mit auf eine Reise. In die Zeit von früher. Wo nicht unbedingt alles besser war, so wie wir es gern mal im Rückblick verklären. Man wünscht sich „die gute alte Zeit“ oft zurück und schwelgt.

Do you remember chalk hearts melting on a playground wall. Do you remember dawn escapes from moon washed college halls. Do you remember the cherry blossom in the market square. Do you remember I thought it was confetti in our hair.

Marillion („Kayleigh", 1985)
Blickt gern zurück, auch gern nach vorn! Teilt es – mit euren Liebsten. Lasst sie in die Loge für euer privates Kopfkino. Aber ich rate euch: Dreht zusammen euren eigenen Film – im Hier und Jetzt. Schafft unvergessliche Momente. Das verbindet. Und wird damit auch ein unvergessliches Stück Vergangenheit.
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