Freitags kommt Frau P. – Schenkt euch (W)einen ein!

Hier gibt’s jede Woche Highlife in Tüten.

Wer ist Frau P.? Die Berliner Autorin treibt es gern bunt, bekennt immer Farbe und wird (was sie selbst ärgert) immer noch rot. Sie ist laut, ihr Rostkehlchen-Lachen (lieblich ist anders…) unüberhörbar. Sie hasst Langeweile, Ja-Sager und Männer ohne Eier. Dafür liebt sie Rührei mit Speck.

„Wenn du dich deiner Tränen schämst, sage einfach, es ist der Schweiß deines Herzens!“ – dieser Satz von Slam-Poetin Zoe Hagen beim BZ-Kulturpreis am Dienstagabend traf mich. Mitten in meine Mitte. So schön, so wahr, so anders.

Es gibt viele Menschen, die sich nicht trauen zu weinen, weil sie sich ihrer Tränen schämen. Bei mir könnte es manchmal eher so sein, dass sich andere schämen, weil ich weine. Denn wenn mein Herz schwitzt, dann mit geballter Kraft – und das kann auf mein Umfeld manchmal ganz schön beängstigend wirken. Na, weil ich sonst immer so fröhlich und lustig bin. Ich lebe meine Gefühle immer sehr stark aus: das Lachen genauso wie das Weinen. Genauso übrigens auch (eher rar gesäte) Wutanfälle. Wenn mich jemand zur Weißglut treibt, bekomme ich schlagartig einen knallroten Kopf – und spätestens dann sollte er oder sie wissen: ALARMA! Mit der Tomate ist nicht gut Kirschen essen!

Es gibt Menschen, die sind in solchen Situationen mit mir überfordert. Gut, vor allem Männer. Wenn ich plötzlich weich und ruhig bin, erfülle ich nicht ihre Erwartungshaltung an mich. Weil sie doch das wilde lustige Ding bestellt haben, die Lachbombe, den Sonnenschein, den Halligalli-Magneten (oder wie ich auch immer genannt werde). Sie wissen dann gar nichts mit mir anzufangen, auf ihrer Stirn steht: „Wo ist denn die Power-Frau, kann jemand bitte das kleine Mädchen abholen? Sofort!“ In meiner letzten Beziehung hat der Mann mir allen Ernstes einen Strick daraus gedreht, weil ich auch mal in den Seilen hing. Aber kein Mensch auf dieser Welt kann (und vor allem will) doch immer Miss-1000-Volt sein. Soll meinen Ex doch auf der Stelle der Schlag treffen! Uiuiui, da ist aber eine geladen…
I am what I am
I am my own special creation
So come take a look
Give me the hook or the ovation
(Shirley Bassey, „I am what I am“)


Wer mich kennt, weiß, worauf er sich einlässt. 100 Prozent Gefühle, 100 Prozent Echtheit. Kein Pokerface. Eher Jokerface – wie letztes Wochenende, weil mein Augen-Make-up vom Weinen so verwischt war. Mein Herz hatte gewaltig geschwitzt. Mitten im Kino, mitten ins Herz. Ich konnte allen Ernstes kaum noch an mich halten. Meine Cousine Nina (die eigentlich gar nicht meine Cousine ist, sondern das Patenkind meiner Mutter, wir das nur der Einfachheit halber sagen, dabei sind wir wie Schwestern – versteht Ihr?) war genauso jaulig. Am Ende mussten wir tränenverschmiert über uns zwei Heulsusen lachen, was dann wahrscheinlich noch skurriler auf unser Umfeld wirkte.

Ich habe lange nicht mehr so sehr weinen müssen wie bei „La La Land“. Zu recht geht dieses kalifornische Märchen mit 14 Nominierungen für den Oscar ins Rennen. Ich war so unglaublich verzaubert von der Geschichte und habe so sehr mitgefühlt mit Emma Stone und Ryan Gosling, spätestens bei ihrer herzzerreißenden Audition konnte ich nicht mehr an mich halten.


Here's to the ones who dream
Foolish as they may seem
Here's to the hearts that ache
Here's to the mess we make
(„The Fools Who Dream“, Emma Stone in „La La Land“)



Klar, das ist irgendwie schon unangenehm, natürlich. Schließlich bin ich ja nicht abgebrüht, erst recht nicht, wenn mir die Suppe runterläuft. Hätte ich mir den Film Zuhause auf dem Sofa angesehen, hätte ich wahrscheinlich lauthals geschluchzt und meinen Gefühlen hemmungslos freien Lauf gelassen. So wie meine zwei Freunde und ich erst letztes Jahr, als wir „Wie ein einziger Tag“ zusammen gesehen haben. Unfassbar kitschig, unfassbar schön. Ich hab das Drama 2004 zum ersten Mal nachts in Las Vegas gesehen. Weil ich nicht schlafen konnte, weil mein Herz sich so sehr nach ihm, meiner großen Liebe, sehnte. Dem ich nach unserer dramatischen Trennung die Nacht vor meinem Abflug wieder verfallen war. Tagsdrauf hatte ich vor meinem Interview mit Elton John im Caesar’s Palace vom Heulen so dicke Augen wie Horst Tappert.

So hat jeder seinen (Tränen-)Sack zu tragen… Aber man muss alles positiv sehen: Die Präsidentensuite in dem Mega-Luxushotel war Gott sei Dank so unfassbar groß, dass auf dem ewig langen Weg bis zu Sir Elton meine Äuglein wieder abgeschwollen waren. Also Augen zu und durch – schenkt Euch mal (W)einen ein!








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