Gleichberechtigung: Das kannst du hier & jetzt tun

Foto: Sage McAvoy
Nicht jede*r hat das Privileg Tag ein, Tag aus in einer Redaktion sitzen zu können, die von einer Frau geleitet und von zehn weiteren Frauen und zwei Männern betreut wird. Was ich damit sagen will: Bei Refinery29 haben wir das Glück über viele unserer Gedanken, Meinungen und Ängste einigermaßen offen reden zu können. Wir sind unterschiedlich genug, um uns beizeiten noch den Spiegel vorzuhalten, und doch alle soweit in die gleiche Richtung gepohlt, als dass nicht täglich eine fundamental wichtige Grundsatzdiskussion ausbrechen müsste. Das sieht in vielen anderen, vor allem größeren und älteren Unternehmen, aber auch in zahlreichen Start-ups noch immer ganz anders aus.
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Doch auch abseits der Arbeitswelt sind Frauen ebenso wie viele Minderheiten benachteiligt. Ob im Gesundheitswesen – etwa durch Gesetze wie dem Paragrafen 218 und 219 im Grundgesetz – oder im privaten Bereich, wo Frauen nach wie vor 60% mehr unbezahlte Arbeit leisten als Männer, die Ungleichheit bleibt weiterhin bestehen. Das hat im vergangenen Jahr nicht nur die Debatte um #MeToo einmal mehr verdeutlicht, sondern auch die Diskussionen um Abtreibungen oder um den Großteil der Frauen, die im prekär bezahlten Pflegesektor tätig sind.
Erst letztes Jahr wurde durch den Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums bekannt, dass es noch 200 Jahre dauern würde, den Gender Pay Gap zu schließen, wenn die Entwicklungen weiterhin so verlaufen wie bisher. Das ist nicht nur erschreckend, sondern geradezu alarmierend.
Allgemein gilt: Sei proaktiv. Warte nicht, dass Veränderungen von sich aus passieren oder von anderen forciert werden, sondern nimm es selbst in die Hand. Fünf Wege, wie du das tun kannst, habe ich hier gelistet.

Organisationen unterstützen, die Frauen fördern

Es gibt unzählige Organisationen, die sich der Förderung und Unterstützung von Frauen widmen, darunter viele deutsche, aber auch internationale. Eine davon ist beispielsweise der Fördert Frau e.V. in Potsdam, der Frauen und Mädchen im Beruf, aber auch in der Findung eines Jobs sowie in Kultur und Kunst fördert und ihnen Mittel zur Verfügung stellt. Bundesweit engagiert sich außerdem PinkStinks mit Events und wirksamen PR-Aktionen für mehr Vielfalt und weniger Geschlechterstereotype im Alltag, etwa in Form von rosafarbenen Produkten für Mädchen und blauen für Jungen. Ein paar weitere Stiftungen und Organisationen, die sich für die Förderung von Frauen und Mädchen einsetzen: die Maecenia Stiftung zur Förderung von Frauen in Wissenschaft und Kunst, die filia Frauenstiftung zur Förderung von Mädchen und Frauen weltweit durch Projekte im Bildungs- und anderen Bereichen oder Terre des Femmes, die sich mit Projekten zu Themen von Genitalverstümmelung bis Gender Pay Gap weltweit für Frauen- und Menschenrechte einsetzen. Eine wirklich umfangreiche Liste mit Organisationen, die sich feministisch engagieren, findest du hier.
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Auf Defizite aufmerksam machen

Wenn du etwas siehst, das deine inneren Alarmglocken läuten lässt, sag etwas. Die Zeiten, in denen sich ein Blatt vor den Mund genommen und Ungerechtigkeit geschluckt wurde, sind vorbei. Das heißt nicht, dass du gleich morgen früh anfangen sollst mit allen zu streiten, die nicht deiner Meinung sind. Aber wenn du bemerkst, dass Unrecht passiert, dann sprich es an. Der erste Schritt ist immer schwierig und grundlegende Veränderung zu erreichen ist ein langwieriger Prozess. Aber nur wenn jede*r von uns einen kleinen Teil beisteuert, kann das irgendwann passieren. Erkläre deinen Freund*innen, warum du als Frau nicht möchtest, dass man dich ständig zum Lächeln auffordert. Bitte deine*n Chef*in darum, dich nicht kleinzumachen oder zu unterbrechen. Mach dein Umfeld darauf aufmerksam, inklusive Sprache zu verwenden und Worte wie etwa „behindert“ nicht als Beleidigung zu nutzen. Befasse dich mit Themen, die dich womöglich nicht selbst betreffen, wie etwa Behinderung, kulturelle Aneignung oder geschlechtliche und sexuelle Identitäten. Trete in Kontakt mit Menschen, die dir bisher fremd waren, ganz egal ob diese Menschen nun aus einem anderen Kulturkreis kommen oder einfach einen anderen Lebensstil führen.

Parteimitglied werden

Jede Partei, unabhängig ob links oder rechts von der politischen Mitte, hat eine Abteilung für Frauen und relevante Themen, Anliegen und ihre Stellung in der Gesellschaft. Engagiere dich, bringe dich proaktiv ein und gestalte den Diskurs mit, um die Veränderung zu schaffen, die du dir wünschst.

Frauen einstellen & Transparenz praktizieren

Wenn du in einer leitenden Position bist, kannst du dafür sorgen, dass eure Stellen möglichst geschlechtergerecht ausgeschrieben und vielfältig besetzt werden. Achte hierbei vor allem auf Inklusion von Frauen und Minderheiten. Das kann zugegebenermaßen stellenweise schwierig sein, da in zahlreichen Berufsfeldern noch immer wenig Frauen tätig sind. Aber seid euch sicher: Sie sind da. Manchmal muss man nur etwas gründlicher und länger suchen, aber wie sagt der Volksmund so schön: Gut Ding will Weile haben.
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Wer für Personal zuständig ist, kann außerdem dafür sorgen, dass eine möglichst große Lohntransparenz herrscht. Ja, wir Deutschen reden nicht allzu gerne über Geld und solche Themen sollten nach Wunsch auch weiterhin möglichst diskret behandelt werden. Allerdings sollte ein Unternehmen, nur weil es beispielsweise kleiner als ein 200-Mitarbeiter*innen-Konzern ist und somit nicht dem Entgelttransparenzgesetz unterliegt, sich nicht unnötig darauf ausruhen, keine Angaben machen zu müssen. Langfristig betrachtet kommen nämlich alle besser weg, wenn Wissen und Ressourcen geteilt werden.

Diskutieren

Es geht nichts über ein gutes, altes Streitgespräch. Dabei muss gar nicht dogmatisch vorgegangen werden, denn es gilt nach wie vor Meinungsfreiheit. Allerdings bringt schon die Auseinandersetzung mit einem Thema im Gespräch viele Vorteile. So nimmst du unter Umständen einfach mal eine andere Perspektive ein und betrachtest Dinge aus einem dir fremden Blickwinkel, der aber durch ein intensives Gespräch und gute Argumente vielleicht irgendwann gar nicht mehr so fremd ist. In diesem Zusammenhang ein eigentlich noch viel wichtigerer Punkt: zuhören. Man kann es gar nicht oft genug sagen (und sich auch selbst nicht oft genug erinnern): Z U H Ö R E N. Denn jede*r von uns hat etwas zu sagen und deshalb verdient es auch jede*r, gehört zu werden. Dabei geht es nicht darum aufzuwiegen, wessen Meinung wichtiger ist oder wem es vermeintlich schlechter geht, sondern darum, längst überfälligen Themen und marginalisierten Personen Gehör zu verschaffen und eine Plattform zu bieten. Nur so lassen sich beispielsweise Vorurteile abbauen und langfristige Veränderungen erzielen.
Doch auch über eine argumentative Diskussion hinaus, kannst du in Gesprächen viel verändern. Du kannst beispielsweise Ideen weitergeben und Vorschläge machen. Stell' dich jungen Frauen oder marginalisierten Personen als Mentor*in zur Seite und erzähle deinen Mitmenschen etwa von Initiativen wie „Frauen iD“, einem Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und dem Paritätischen Bildungswerk Bundesverband e.V., das geflüchtete Frauen mit finanziellen Zuschüssen unterstützt.
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