Global Citizen: Wie man soziales Engagement in Festivaltickets umsetzt

Dieses Jahr wird es zum ersten Mal ein Global Citizen Festival in Hamburg geben, bei dem sich Musiker und Politiker die Bühne teilen, um gemeinsam für eine bessere Welt zu kämpfen: Am 6. Juli werden in der Barclaycard Arena Hamburg unter anderem Herbert Grönemeyer, Coldplay, The Chainsmokers und Ellie Goulding auftreten, um pünktlich zum G-20-Gipfel Aufmerksamkeit auf die zu lenken, die von Armut und Benachteiligung betroffen sind. Und darauf, dass wir alle mitmachen können und sollten, wenn es um die Gestaltung der Zukunft geht.
Global Citizen beschreibt sich selbst als globale Bewegung, die Millionen von Menschen vereint, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen: extreme Armut auf der Welt bis 2030 zu beenden. Die Online-Aktionen der Plattformen umfassen Aufgaben wie zum Beispiel das Unterzeichnen einer Petition, damit die G20-Staats- und Regierungschefs sich stärker für die Prävention von Pandemien einsetzen, das Versenden einer E-Mail an Politiker, damit diese ihr Versprechen einlösen und Hunger und Mangelernährung bekämpfen, bis hin zum Hinterlassen einer Sprachnachricht an Regierungsvertreter, damit sie mehr Gelder in globale Bildung investieren. Hat man alle Kampagnen-Aktionen erfolgreich abgeschlossen, erhält man die Möglichkeit, an der Verlosung eines Ticketpaars zum Global Citizen Festival Hamburg teilzunehmen. In den kommenden 16 Wochen wird Global Citizen insgesamt rund 9000 Tickets zur Verfügung stellen.
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Wir haben mit Carolin Albrecht, Head of Advocacy and Campaigns von Global Citizen über das Konzept, sich durch Engagement Konzerttickets zu verdienen, gesprochen:
Was liebst du an deinem Job?
Mein Job macht unglaublich viel Spaß und es bleibt immer spannend. Ein „normaler“ Tag kann für mich zum Beispiel daraus bestehen morgens einen Abgeordneten zu treffen, nachmittags ein Venue mit unseren Partnern aus der Musikindustrie zu besichtigen und abends mit Aktivisten zu sprechen, die sich in Tanzania für ein Ende der Kinderehen einsetzen. Was ich am meisten an meinem Job schätze ist, dass wir mit unserer Arbeit wirklich etwas bewegen. Letztes Jahr habe ich an einer Kampagne gearbeitet, die die britische Regierung davon überzeugen konnte, mehr Gelder in die Bildung von Mädchen weltweit zu investieren. Dank dieses Erfolgs können nun über 1 Million Mädchen in Afghanistan, Süd Sudan und vielen anderen Ländern zur Schule gehen. Dazu etwas beigetragen zu haben, ist schon ein sehr besonderes Gefühl.
Werden junge Menschen nur noch durch kostenlose Konzertkarten dazu motiviert, aktiv zu werden und etwas Gutes für die Allgemeinheit zu tun?
Gegenfrage: Wieso soll Gutes tun eigentlich keinen Spaß machen dürfen? Mir gefällt eigentlich schon der Begriff „Gutes tun“ nicht. Das hört sich nach Wohltätigkeit an – hier geht es aber um Gerechtigkeit. Uns Millennials wird ja gerne Politikverdrossenheit vorgeworfen. Das sollte aber nicht mit Desinteresse gleich gesetzt werden. Viele können sich nicht mit den versteiften Formen des traditionellen politischen Diskurses identifizieren oder haben das Gefühl, dass Ihre Stimme nicht gehört wird. Wir holen die Leute da ab wo sie sind – online, wir begeistern sie durch die Musik für politische Themen und wir geben ihnen durch die Kampagnen-Aktionen eine Stimme. Beim Konzert können die Menschen dann nicht nur ihre Lieblingsstars sehen, sondern auch die Resultate ihrer Aktionen. Das motiviert dann auch, weiter aktiv zu bleiben und sich zu engagieren.
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Wie kommt Global Citizen in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern an?
Ob in Buenos Aires, Lagos, Mumbai oder New York, wir stellen immer wieder fest, dass die Idee des Global Citizens überall bei jungen Menschen ankommt. Unsere junge, vernetzte Generation ist sich den globalen Herausforderungen wie zum Beispiel dem Klimawandel oder der Flüchtlingskrise sehr bewusst und ist enorm motiviert, einen positiven Beitrag zu leisten, um eine gerechtere Welt für alle zu gestalten. Wir wissen, dass sich solche Herausforderungen nur gemeinsam lösen lassen. Das ist hier in Deutschland nicht anders. Allein in den ersten 24 Stunden nach unserem Festival Launch, haben sich über 10,000 neueGlobal Citizens in Deutschland bei uns angemeldet und sind sofort aktiv geworden.
Wie bringt man weltbekannte Künstler wie Ellie Goulding oder Coldplay dazu, ohne Gage aufzutreten?
Wir müssen eigentlich niemanden dazu überreden, ohne Gage aufzutreten. Künstler wie Ellie Goulding oder Chris Martin von Coldplay sind begeistert von unserer Arbeit und wollen auch ihren Beitrag leisten. Wir sind ihnen sehr dankbar für ihre Unterstützung und dafür, dass sie ihre Rolle in der Öffentlichkeit nutzen, um eine Vielzahl von Menschen mit unserer Botschaft zu erreichen - dass wir uns gemeinsam für eine bessere und gerechtere Welt für alle einsetzen müssen. Nicht umsonst wird Musik häufig als die universelle Sprache bezeichnet. Gerade in einer sich immer stärker polarisierenden Gesellschaft kann Musik Brücken bauen und Menschen zusammenbringen.
Was genau möchte „Global Citizen“ mit dem Festival in Hamburg erreichen?
Die zeitliche Nähe unseres Festivals zum G20-Gipfel ist natürlich gewollt. Wenn die zwanzig mächtigsten Staats- und Regierungschefs der Welt sich in Hamburg zusammenfinden, wollen wir sie an ihr Versprechen erinnern, sich für die Ärmsten der Armen einzusetzen und hierfür konkrete Maßnahmen zu finden. Zum Beispiel fordern wir von ihnen weitere Investitionen in die Bildung von Kindern in humanitären Notsituationen und politische sowie finanzielle Unterstützung zur Bewältigung der globalen Flüchtlingskrise. Aber auch für Themen wie die Stärkung von Frauen in Entwicklungsländern machen wir uns stark und pochen der Führungsspitze auf die Finger. Wir alle wissen, dass solche Forderungen nicht unbedingt ganz oben auf der Prioritätenliste der G20-Staaten stehen. Es kostet daher Überzeugungskraft von Menschen aus Deutschland und weltweit, um einzelne Regierungschefs dazu zu bewegen, sich dafür einzusetzen und konkrete Verpflichtungen zur Erreichung solcher Ziele einzugehen.
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