Eine Hebamme verrät, wieso du dich noch vor der Zeugung um eine kümmern solltest

Foto: Eylul Aslan
Maria beginnt unser Gespräch im Rahmen eines Paneltalks unter dem Motto #CoolMomsDontJudge der Firma Löwenzahn Organics direkt mit einer schockierenden Nachricht: „Bevor du über das Schwangerwerden nachdenkst, brauchst du eine Hebamme, denn es herrscht akute Knappheit in meinem schönen Berufsfeld, selbst bei sinkender Geburtenrate.“ Sie sagt das so abgebrüht, weil Maria diese Unterhaltung bereits oft geführt hat und mit Sicherheit auch in der Zukunft noch oft führen werden muss. „Mich rufen regelmäßig Frauen mit positiven Schwangerschaftstests an, sobald sie ihrer*m Partner*in die frohe Botschaft überbracht haben, doch das ist leider schon viel zu spät.“ Besonders in Hamburg haben werdende Mütter große Schwierigkeiten an eine Geburtshelferin zu gelangen. 2016 lag der Hebammen-Anteil in Krankenhäusern laut des Statistischen Bundesamtes dort bei nur 2,6 Prozent, der Bundesdurchschnitt bei immerhin 16 Prozent.
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Hebammen braucht das Land!

Eine von Marias Kolleginnen hat versucht für dieses Problem einen Lösungsansatz anzubieten und den Zeug-o-Maten kreiert. Frei nach dem Motto: Du weißt nicht, wann du schwanger werden willst? Wir sagen dir, wann du garantiert keine Hebamme bekommst! Gibt man seine fruchtbaren Tage und das Bundesland ein, spuckt das System einem neben des errechneten Geburtstermins des geplanten Nachwuchses aus, wie problematisch es zu der Zeit sein wird, eine Hebamme zu finden. Nach kurzem Herumprobieren muss ich ernüchtert feststellen, dass ich hier in Berlin in diesem Jahr eigentlich gar nicht mehr über eine Familienerweiterung nachdenken sollte. Erst für den 19. Dezember gibt es immerhin oranges Licht und den Hinweis: „Besser geht’s aktuell nicht. Kein Feiertag und keine Ferien am errechneten Geburtstermin. Natürlich kann es auch zu ‚günstigen‘ Zeiten zu schlimmen Engpässen kommen.“
Von schlimmen Engpässen spricht auch Maria, die ihr Arbeitspensum seit der Geburt ihres eigenen zweiten Kindes herunterschrauben musste. Besonders bei einer Entbindung über Weihnachten oder während der Ferienzeit muss man damit rechnen, keinen Geburtsvorbereitungskurs belegen zu können. „Oftmals kommen Betroffene ins Krankenhaus, weil sie denken, die Geburt stünde an und werden dann wieder nach Hause geschickt, weil sie gar keine richtigen Wehen hatten. Dieser Mangel an Information, Vorbereitung und Fachkräften in den Krankenhäusern macht viele werdende Eltern nervös, was wiederum die Wunschkaiserschnitt-Rate in die Höhe treibt. Leider gehen die Probleme nach der Entbindung weiter: Immer weniger Frauen stillen, weil sie nicht wissen wie.“

Wie wird man eigentlich Hebamme?

Dabei ist der Beruf der Hebamme ein so schöner, wie mir Maria immer wieder vorschwärmt. „Wenn ich eine Geburt glatt läuft und ich danach in die glücklichen Gesichter der frisch gebackenen Eltern schaue, muss ich immer mitweinen.“ Freudentränen – wer kann schon von sich behaupten diese regelmäßig im Job vergießen zu dürfen.
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Will man in Deutschland Hebamme werden, geht das noch über die reguläre, dreijährige Ausbildung an einer Schule, die an eine Klinik angeschlossen ist. Von Anatomie über Chemie, Physik und Erziehungswissenschaft werden vielerlei Theoriefelder gelehrt und die Praxis im Operationssaal und am Wochenbett kommt selbstverständlich auch nicht zu kurz.
„Noch, weil die Ausbildung in den kommenden Jahren bundesweit auf einen Fachhochschul-Studiengang umgestellt werden soll. Heißt: Die Ausbildung wird für weniger Schulabgänger*innen zugänglich. Was das Resultat sein wird, kann sich ja jede*r denken.“ Panik ist eine Emotion, die Maria in ihrem Beruf mit aller Kraft versucht vor ihren Patientinnen zu verstecken. Ich kann sie beim Aussprechen dieses Satzes jedoch in ihrem Gesicht sehen. Noch weniger Kolleginnen möchte sie nicht und auch ein paar neue Kollegen wären schön! Männliche Hebammen heißen übrigens Entbindungspfleger. „Persönlich kenne ich leider keinen“, so Maria. Kein Wunder, denn laut aktueller Auskunft des Statistischem Bundesamts waren 2016 nur vier der insgesamt 9.301 festangestellten Kräfte nicht weiblich.
Übrigens verdient man selbst als angehende Hebamme gar nicht schlecht. Im ersten Ausbildungsjahr sind je nach Bundesland um die 700 Euro, im dritten Jahr bis zu 850 Euro pro Monat drin. Eine weitaus bessere Überzeugungsarbeit leistet Maria, die ihren vielseitigen und flexibel auslegbaren Job über alles liebt: „Man hilft Menschen in einer sehr emotionalen und unvergesslichen Zeit in ihrem Leben und für mich kann es keinen schöneren Grund geben, morgens aufzustehen.“
Weitere spannende Fakten rund ums Muttersein und Tools für einen gegenseitig respektablen Umgang unter Moms werden findest du auf Löwenzahn Organics.
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