Was gegen hormonell bedingte Akne hilft, damit deine Haut nicht mehr verrückt spielt

Foto: Sophia Giesecke
Nimmst du die Pille? Auf diese Frage antworten die meisten Frauen in ihren Zwanzigern mit einem eindeutigen „Ja“. Verständlich, denn die Pille erleichtert uns viele Dinge. Die Einnahme ist unkompliziert und bringt zudem ein paar sehr angenehme Nebeneffekte mit sich. Doch welchen Hormoncocktail Frauen täglich zu sich nehmen & welche Neben- und Nachwirkungen auftreten können, das wird häufig zu wenig oder gar nicht thematisiert. Wir finden, es fehlt eine angemessene Informationspolitik! Diese Kluft wollen wir schließen und läuten nach ausgiebiger Recherche und Gesprächen mit Expert*innen die Themenwoche „BitterSweet“ rund um die Antibabypille ein, um dich umfassend und differenziert zu informieren.
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Akne zu haben kann sich manchmal anfühlen wie ein Kampf gegen Windmühlen – man kann ihn nicht gewinnen. Wer sich mit Pickeln am Kinn herumschlägt, unreine Haut an den Wangen hat oder eine Stirn voller Mitesser sein Eigen nennt, der*die weiß, wie machtlos man sich manchmal gegenüber dieser Hautkrankheit fühlt.
Oft sind Hormone die Ursache für Akne. Anders als bei anderen Ursachen für Akne, ranken sich, wenn es um hormonell bedingte Akne geht, eine Menge Mythen und Legenden um das Thema. Da es auf diesem Gebiet so wenig brauchbare Informationen gibt, einige Sachen deshalb vorweg: Du musst nicht damit leben. Es gibt einige gute Gründe, wegen denen man keine Medikamente in Pillenform zu sich nehmen möchte, aber manchmal reicht es nicht, Cremes und Gels aus der Drogerie zu verwenden, um der Akne Herr zu werden.
Ich weiß, wovon ich spreche. Als Teenager hatte ich immer mal wieder Akne, aber mit 25 wurde es dann richtig schlimm. Grund dafür war das Polyzystische Ovar-Syndrom (PCOS), eine Hormonstörung unter der schätzungsweise vier bis zwölf Prozent der europäischen Frauen im gebärfähigen Alter in Europa leiden. Nach der Diagnose mit PCOS folgten unzählige Termine bei meinem Hausarzt. Ich war so naiv zu glauben, dass er derjenige sei, der mir dabei helfen könnte, meinen Hormonhaushalt in den Griff zu kriegen. Als das nicht passierte, machte ich einen Termin bei einer Dermatologin aus. Was soll ich sagen? Meine Haut sah noch nie besser aus. Mir haben Medikamente und eine komplett neue Hautpflegeroutine geholfen, aber es gibt auch andere Behandlungsformen, die man ausprobieren sollte, wenn man unter hormoneller Akne leidet.
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Wir haben zwei Experten auf diesem Gebiet um Rat gebeten. Dr. Anjali Mahto ist Hautärztin und hat das Buch The Skincare Bible: Your No-Nonsense Guide to Great Skin (gerade leider nur auf Englisch verfügbar) geschrieben. Dr. Justine Kluk ist eine renommierte Dermatologin aus London und hat sich auf Akne spezialisiert.

Was genau ist hormonell bedingte Akne?

Dr. Mahto erklärt: „So gut wie alle Akneformen sind hormonell bedingt. Hautprobleme treten im Verlauf des Lebens häufig dann auf, wenn eine hormonelle Veränderung im Körper stattfindet. Das ist in der Pubertät der Fall, während der Schwangerschaft und in den Wechseljahren. In diesen Phasen können Hormone zu ziemlich schlimmen Hautproblemen führen.“
Photographed by Ana Larruy

Um welche Hormone handelt es sich hierbei?

„Hormone sind chemische Botenstoffe, die den Körper dazu veranlassen, verschiedene Funktionen auszuführen.“, sagt Dr. Mahto. Dr. Kluk führt das weiter aus: „Es gibt Hormone, die als Androgene bekannt sind. Das sind männliche Sexualhormone, die insbesondere in den Hoden und Nebennieren, aber auch zu geringen Teilen in den Eierstöcken gebildet werden. Eine gewisse Menge an Androgenen ist auch bei Frauen ganz normal. Wenn sich der Anteil aber erhöht (zum Beispiel bei PCOS), kann das Hautveränderungen zur Folge haben. Beispielsweise bei Testosteron, das die Talgproduktion ankurbelt und dazu führt, dass die Haut dicker wird. Das Resultat können verstopfte Poren sein, die sich zu Pickeln entwickeln.“
Das ist außerdem der Grund, wieso viele um ihre Periode herum mehr Pickel haben als sonst. Dr. Mahto sagt: „Zwei Drittel aller Frauen mit Akne berichten, dass sich ihre Haut etwa eine Woche vor Beginn ihrer Periode verschlechtert. Das liegt daran, dass zu diesem Zeitpunkt des Zyklus die weiblichen Hormone im Körper auf ihrem Tiefstand sind, wohingegen die Konzentration der männlichen Hormone höher ist.“ Viele verbinden hormonell bedingte Akne mit roten, entzündeten Pickeln. Dr. Kluk sieht in ihrer Praxis jedoch alle möglichen Formen von Akne, die durch Hormone ausgelöst wurde. „Hormonelle Akne beschreibt nicht, wie die Akne aussieht, sondern, was die Ursache dieser Hautkrankheit ist. Mitesser, entzündete Pickel und eitrige Bläschen können alle Anzeichen für die hormonell bedingte Akne sein. Trotzdem gibt es ein Muster. Meistens tritt sie in der unteren Gesichtshälfte, im Nacken, auf der Brust und auf dem oberen Rücken auf.“
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Foto: Ana Larruy

Kann PCOS der Grund für hormonell bedingte Akne sein?

„Das Polyzystische Ovar-Syndrom ist eine weit verbreitete Hormonstörung unter Frauen im gebärfähigen Alter. Eine der möglichen Symptome kann Akne sein. 19 bis 37 Prozent der Frauen, die unter mäßiger bis starker Akne leiden, haben auch andere PCOS-Symptome“, erklärt Dr. Kluk. Und wann sollte man überprüfen lassen, ob das so ist? „Wer im Erwachsenenalter immer noch oder wieder von Akne betroffen ist und bei wem eine konventionelle Behandlung nicht anschlägt, der sollte aufmerksam sein, ob er auch andere Symptome des Polyzystischen Ovar-Syndroms an sich entdeckt. Dazu gehören eine unregelmäßige oder sogar ausbleibende Periode, Eierstockzysten, die bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt werden können und ein erhöhter Androgenspiegel, der zu erhöhter Talgproduktion, vermehrter Körperbehaarung und dünner werdendem Kopfhaar führt.“

Wie behandelt man hormonell bedingte Akne?

Jetzt, wo wir wissen wie hormonell bedingte Akne entsteht, können wir uns darum kümmern, wie man am besten mit ihr umgeht.

Die Pille

Dr. Mahto sagt: „Für Frauen mit hormonell bedingter Akne, die verhüten möchten, bietet sich die Pille an. Das in den Kombinationspräparaten enthaltene Östrogen reduziert die Androgenproduktion und das wiederum sorgt für eine geringere Talgbildung. Bis man Resultate sieht, kann es Auswertungen zufolge bis zu drei Monaten dauern.“ Wenn du denkst, dass die Pille eine gute Option für dich sein könnte, solltest du einen Termin bei deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt vereinbaren. Sie oder er kann dir helfen, das richtige Präparat zu finden.

Spironolacton

Spironolacton ist ein Wirkstoff, der in Pillenform eingenommen werden kann. Er kann von Dermatolog*innen zur Aknebehandlung bei Frauen eingesetzt werden. Viele Hautärzte verschreiben dieses Medikament aber eher ungern, da es eigentlich zur Therapie von Herzinsuffizienz und Leberzirrhose zugelassen worden ist. Daneben wirkt Spironolacton als Androgenblocker, heißt, dass es die Produktion männlicher Hormone verlangsamt. Dr. Mahto erklärt: „Spironolacton kann bei der Therapie von PCOS eingesetzt werden. Es sollte aber unbedingt durch einen Spezialisten verschrieben werden, der Erfahrungen mit diesem Medikament hat.“ Du solltest also einen Termin bei einer Dermatologin oder einem Dermatologen vereinbaren, um mit ihr/ihm darüber zu sprechen, ob diese Behandlungsform für dich geeignet ist. Das hängt vor allem von deiner medizinischen Vorgeschichte und deinem Lebensstil ab.
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Isotretinoin (13-cis-Retinsäure)

Isotretinoin wird zur Aknebehandlung eingesetzt, insbesondere in schweren Fällen und nachdem andere Therapien keinen Erfolg gezeigt haben. Sowohl in Tablettenform als auch in Cremes und Gels ist Isotretinoin erhältlich. Der Wirkstoff gilt jedoch als umstritten, Grund hierfür sind die starken Nebenwirkungen, die auftreten können. Trockene Haut, Entzündungen, Hautschuppungen, Rötungen und Hautausschlag sowie Leberfunktionsstörungen und Kopfschmerzen sind nur einige davon. Deswegen sollte die Therapie unter strikter Beaufsichtigung eines Dermatologen durchgeführt werden. Und was bewirkt dieser Wirkstoff? Er hemmt die Talgbildung und begünstigt die Erneuerung der Haut, sodass die Poren nicht so schnell verstopfen.

Retinol

Retinol (Vitamin A) kennen wir aus der Anti-Aging-Pflege. Doch auch bei Akne kann es helfen. Präparate auf Vitamin A-Basis sorgen dafür, dass Poren nicht so schnell verstopfen. Aber auch hier gibt es Nebenwirkungen. „Bei der Erstanwendung kann es zu Hautirritationen und Rötungen kommen.“, erklärt Dr. Mahto. „Deswegen empfehle ich in der Regel, die Behandlung schrittweise aufzubauen.“ Man sollte Cremes oder Seren mit Retinol also nur zwei oder drei Mal pro Woche anwenden, und zwischen den Anwendungen Pausen einlegen. Da Retinoide die Haut außerdem lichtempfindlich machen, sollten sie nur abends aufgetragen werden. Da sich die Haut nachts außerdem besser regeneriert, macht es eh mehr Sinn, die Cremes oder Seren zu dieser Tageszeit aufzutragen.

Glycolsäure

Glycolsäurepeelings lösen die oberste Hautschicht auf und sorgen so dafür, dass der Talg abfließen kann und die Poren nicht verstopfen. Bei regelmäßiger Anwendung hilft das Peeling außerdem, den dunklen Flecken, die nach Pickeln oft zurückbleiben, vorzubeugen.

Salicylsäure

Wie Glycolsäurepeelings entfernen auch Peelings mit Salycylsäure abgestorbene Hautschüppchen. Darüber hinaus dringt die Salycylsäure tiefer in die Poren ein und löst Talk. Gerade bei Mitessern ist das ein sehr wirksamer Effekt.
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