Ellen von Unwerth über Grumpy Cat, Selfies und Wohlfühlen vor der Kamera

Kate Moss, Keira Knightley, Lana Del Rey, Natalie Portman, Claudia Schiffer; Ellen von Unwerth hatte schon viele starke Persönlichkeiten vor der Kamera. Für den neuen Opel-Kalender für 2017 hat sie nun ein ganz besonderes Trio inszeniert. Im Mittelpunkt der 12 Motive stehen nämlich Autos, Georgia May Jagger und Grumpy Cat. Nachdem Designer Karl Lagerfeld in der vergangenen Ausgabe seine geliebte Choupette mit dem Opel Corsa vor der Kamera hatte und das Jahr zuvor Bryan Adams den Opel Adam fotografierte, ist nun erneut ein Kätzchen der Co-Star des Kalenders. Mit 8,7 Millionen Facebook-Likes macht das herrlich grimmig drein schauende Tier Rolling Stone-Tochter und Model Georgia fast ein wenig Konkurrenz, doch Von Unwerth weiß natürlich genau, wie sie das Trio in Szene setzen muss.

An der Shooting-Location in den Filmstudios Babelsberg haben wir die berühmte Fotografin getroffen und mit ihr u.a. über ihre starken Motive, ihre Verhältnis zu Social Media und das Wohlfühlen vor der Kamera gesprochen.

Was ist das Besondere bei der Arbeit am Kalender?

Ich liebe Autos. Die Idee der Maschine, das Abenteuer, die Fahrt selbst. Die Katze ist daneben der Begleiter, mit dem Georgia spielt. Durch sie wird das Bild nur noch aufregender.

Warum arbeitest du so gerne mit Georgia zusammen?
Erstmal ist sie natürlich die Tochter von Mick Jagger. Sie ist quasi Rock’N’Roll Royalty. Sie hat aber auch ein sehr besonderes Gesicht. Sie weiß einfach, wie sie sich bewegen muss. Sie ist außerdem eine wirkliche Persönlichkeit und nicht “nur” ein Model. Sie ist einfach einzigartig.
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Ich möchte Frauen selbstbewusst aber auch ein wenig dreist und sexuell zeigen.



Was ist die Geschichte hinter dem Kalender?
Es ist eine Märchengeschichte. Georgia bewegt sich durch die vier Jahreszeiten. Erst als Sommergöttin, als Eisprinzessin, als Herbsthexe usw. Dabei zeigt sie sich aber immer auf eine sexy Art und Weise. Und Grumpy Cat ist sozusagen der „verwunschene Prinz".
Sie arbeiten schon sehr lang in der Modebranche. Hat sich die Sichtweise auf den weiblichen Körper ihrer Meinung in dieser Zeit geändert?
Naja, die Mode ändert sich ja sowieso ständig. Früher waren die Models weiblicher, jetzt sind sie dünner und jünger. Aber das wird sich auch wieder ändern. Das sieht man jetzt schon an Mädchen wie Gigi Hadid.

Ist das etwas, das sie begrüßen? In ihren Arbeiten zeigen sie ein sehr vielfältiges Frauenbild.
Ich halte mich weniger an die Mode. Mir geht es eher um Persönlichkeiten. Da ist es egal, ob sie ganz dünn oder androgyn sind, oder ob sie rund und weiblich sind. Es kommt immer auf die Geschichte an, die ich mit einem Bild erzählen will. Ich finde es wichtig, dass Menschen genau so existieren können, wie sie eben sind. Ich habe zum Beispiel gerade mit Ashley Graham zusammengearbeitet, die ja eher rund ist. Sie ist ein ganz tolles Model. Ich liebe einfach Persönlichkeiten und Frauen mit „Umpf".

Sie stellen Frauen generell oft sehr sexy dar. Gleichzeitig sehen wir sie aber auch immer selbstbewusst und ausdrucksstark. Senden sie damit bewusst eine Message?
Ja, ich möchte Frauen selbstbewusst aber auch ein wenig dreist und sexuell zeigen. Ich finde es schön, Frauen so zu sehen und glaube, dass sie sich auch selbst so sehen wollen. Ich stelle Frauen aber nicht als Objekt dar. Ich möchte sie auf ein Podest heben.
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Wie gelingt es ihnen, dass ein Model sich vor der Kamera wohl fühlt?
Ich glaube, das ist eine Persönlichkeitssache. Man muss auf einer Wellenlänge sein, wenn man zusammenarbeitet. Ich will immer, dass die Atmosphäre entspannt ist. Deswegen läuft meistens Musik am Set.

Was zum Beispiel?
Ach, alles mögliche. Von “Ich küss ihre Hand, Madame” bis hin zu Snoop Dog, House oder Funk. Ich lasse mich auch auf die Wünsche des Models ein. Wenn das ganze Set tanzt sind alle entspannt und ich mache was ich will.

Früher hat man zu mir gesagt: schau dich nicht so häufig im Spiegel an, dabei geht deine Persönlichkeit verloren



Inwiefern beeinflussen Social Media und die Möglichkeit der ständigen Selbstinszenierung das Bild von Frauen?
Einerseits ist das durchaus viel Narzissmus dabei, andererseits kann es auch das Selbstbewusstsein stärken, da sich jede Frau so zeigen kann, wie sie sich selbst schön findet. So sieht man Frauen auch in einem neuen Kontext. Ich habe da eine geteilte Meinung.

Auf ihrem Instagram findet man nicht unbedingt Selfies. Wieso?

Ach, da geniere ich mich ein wenig. Manchmal mache ich zwar ein Selfie, zum Beispiel mit Georgia oder mit Grumpy Cat, Freunden, interessanten Leuten, oder an interessanten Orten. Aber ich fotografiere mich nicht gerne selbst. Das ist auch nicht gesund. Ich finde es viel schöner andere Leute zu fotografieren und darüber zu kommunizieren. Das ist mir viel wichtiger, als sich selbst quasi ständig im Spiegel anzusehen. Früher hat man zu mir gesagt: schau dich nicht so häufig im Spiegel an, dabei geht deine Persönlichkeit verloren. Dafür wurde ich als Kind gescholten.

Welche Aufnahme ihrer Arbeit ist für sie die Bedeutungsvollste?
Das ist ein Foto von meiner Tochter. Es heißt "Spaghetti Legs". Man sieht sie, wie sie in den Sommerferien auf einer Schaukel durch die Luft wirbelt mit ihren dünnen Beinchen. Das Bild symbolisiert für mich ein Gefühl von Freiheit, das ich sehr liebe. Und natürlich ist das Bild wunderschön, weil meine Tochter darauf zu sehen ist.

Wen hätten sie irgendwann noch gern vor ihrer Kamera?
Da gibt es viele. Zum Beispiel Angelina Jolie. Aber ich sehe auch jeden Tag Menschen auf der Straße oder in Restaurants, die ich gerne mal ablichten würde. Fotografieren ist einfach meine Passion.

Was würden sie einer jungen Frau raten, die heute Fotografin werden möchte?
Man muss wissen, was man mag und zeigen möchte. Man muss seinen eigenen Stil finden. Natürlich kann man sich beeinflussen lassen, aber man sollte nicht zu sehr darauf schauen, was schon gemacht wurde. Alle machen ständig Moodboards mit bereits Gesehenem und das kann die eigene Vision verwässern. Es ist viel schöner etwas Neues zu kreieren.

Was kann man tun, um sich vor der Kamera wohler zu fühlen?
Man muss einfach selbstbewusst auftreten und Vertrauen in den Fotografen haben. Wenn man ihn kennt und seine Arbeit mag, dann kann man sich auch gehen lassen.

Der Kalender wird übrigens Anfang 2017 mit einer Vernissage gefeiert, bei der alle Protagonisten der Kampagne anwesend sein werden. Wir halten euch auf dem Laufenden.
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