Ja, ich will… mich absichern! Warum Hochzeitsversicherungen boomen

ILLUSTRATION: Hass Sydney
Wir buchen Reiserücktrittsversicherungen, zahlen für XXL-Garantien bei Mixer bis Mac und checken erst mal die Foodblogger-Bewertungen des neuen Lokals um die Ecke, bevor wir eine Reservierung starten. Kurz: Wir gehen gern auf Nummer sicher. Nur in einer Sache verlassen wir uns auf das unsichtbare Versprechen des Gegenübers: beim Thema Hochzeit. Dabei kann auch die Traumtrauung ganz schön auf den Magen schlagen. Vor Nervosität, ja, aber vor allem auch wegen der saftigen Rechnungen von Couture-Papeterie bis Catering. Bisher gab es hier kein Sicherheitsnetz, keinen doppelten Boden, wenn sich die Liebe des Lebens plötzlich als Niete herausstellt oder die Schwiegermutter kurz vorher den Heiratsboykott probt. Wenn er der Partner oder die Partnerin den Verlobungsklunker plötzlich retournierte, blieb das gebrochene Herz – und die horrenden Stornogebühren. Cut!
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Versicherungsgesellschaften bieten nun einen Notausgang: die Hochzeitsversicherung. Damit ist wenigstens die Angst vor dem finanziellen Ruin nach der geplatzten Hochzeit Vergangenheit. Oder nimmt das etwa noch die letzten Hemmungen vor dem Ehekiller Nr. 1, der Torschlusspanik? Refinery29 hakt bei der Allianz und der Paartherapeutin Stefanie Stahl nach:

Wie kommt man auf die Idee einer Hochzeitsversicherung?

Allianz: Die Wurzeln der Hochzeitsversicherung sind in unserem Kerngeschäft, der Reiseversicherung, zu finden. Bislang haben wir nur die Flitterwochen unserer Kunden mit einem Reiseschutz versichert. Daraus entstand die Idee, nicht nur die Reise, sondern auch gleich das gesamte Hochzeitsarrangement zu versichern.

Welche „Schäden“ deckt die Versicherung in welchem Fall ab?

A: Wenn die Hochzeitsfeier wegen einer plötzlichen Krankheit, eines Unfalls oder eines Schicksalsschlags im Familienkreis ausfallen oder verschoben werden muss, übernehmen wir die Ausfallkosten. Selbst, wenn wichtige Personen wie Trauzeugen ausfallen, tritt die Versicherung ein. Die Spezialversicherung ist ein Kosten-Airbag mit Risikoübernahme. Ob Kosten für Saalmiete, DJ, Catering, Fahrdienst oder Fotograf. Mit der Hochzeitsversicherung werden europaweit alle veranstaltungsbezogenen Kosten ohne Selbstbehalt erstattet. Des Weiteren unterstützt das Serviceteam der Allianz Global Assistance bei der Suche nach einem passenden Ersatz, sollte ein gebuchter Dienstleister kurzfristig abspringen. Nur wenn Braut oder Bräutigam kurzfristig „kalte Füße“ bekommen, gilt das nicht als Stornogrund.

Können Sie schon einen Trend verzeichnen?

A: Als klarer Trend hat sich abgezeichnet, dass Brautpaare vor allem bei exklusiven Hochzeiten das Bedürfnis haben, sie mit unserer Hochzeitsversicherung zu schützen. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage aus dieser Zielgruppe haben wir die Versicherungsstaffel von 25.000 Euro auf 50.000 Euro pro Feier erhöht. Ein Interessent wollte sich zum Beispiel für eine einwöchige Feier auf einer Yacht mit seiner Familie absichern, ein anderes Paar wollte auf einem französischen Schloss mit bekanntem DJ heiraten.
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Was ist mit den Normalos: Gibt es viele Interessenten?

A: Zu den Abschlusszahlen können wir aus Wettbewerbsgründen keine genaue Auskunft geben. Obwohl das Produkt erst seit einem Jahr auf dem deutschen Markt ist und nicht aktiv in Verbrauchermedien beworben wird, hat es unsere Erwartungen schon übertroffen."

Ein Interessent wollte sich zum Beispiel für eine einwöchige Feier auf einer Yacht mit seiner Familie absichern

Allianz


Kein Wunder, gegen Hochzeitshypochondrie ist auch noch kein Matcha-Kraut gewachsen. Laut statistischem Bundesamt wurden 2014 in Deutschland rund 166 200 Ehen geschieden. 2012 enthüllte eine US-Studie der University of California im „Journal of Family Psychology“, dass 19 Prozent der Frauen, die sich vor der Heirat unsicher waren, ob die Ehe halten würde, auch vier Jahre später tatsächlich wieder geschieden waren. Den Ergebnissen nach erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung bei vorehelichen Zweiflern um das 2,5fache. Das Erschreckende: Unmittelbar nach der Eheschließung bejahten ganze 47 Prozent der befragten Männer und 38 Prozent der Frauen die Frage „Waren Sie je unsicher oder zögerlich, was die Hochzeit anging?“

Bleibt die Frage, ob Hochzeitsversicherungen dieser ganz normalen Pärchenpanik nicht noch mehr Raum geben? „Eine Hochzeitsversicherung besagt, dass mindestens einer der Partner der anstehenden Trauung zwiespältig gegenübersteht. Wären sich beide ganz sicher, dann bräuchten sie keine. Ist aber einer der Partner von inneren Zweifel geplagt, dann will entweder er selbst eine Versicherung oder seine Partnerin, weil sie dann das Gefühl hat, sich nicht ganz auf ihn verlassen zu können“, sagt die Psychologin Stefanie Stahl aus Trier, in ihrem Buch „Ja, nein, vielleicht: Nie mehr Angst vor Nähe“ beschäftigt sie sich mit Bindungsangst. "Ein Fundament für eine erschütterungsfeste Ehe ist das nicht."
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