Ich habe Mitleid mit Kylie Jenner, weil sie kein selbstbestimmtes Leben führen kann

Foto: Instagram @kyliejenner
Ich habe Mitleid mit Kylie Jenner. Das mag sich für einige abwegig anhören, schließlich hat der „Keeping up with the Kardashians“-Star vermeintlich alles, was glücklich macht: Sie ist unfassbar reich, wahnsinnig erfolgreich, ausgesprochen hübsch (dank Hilfe des Chirurgen) und enorm berühmt. Ihre Beauty-Linie „Kylie Cosmetics“ macht Umsätze in Millionenhöhe und ihre neuen Lipkits sind innerhalb von wenigen Minuten ausverkauft. Es folgen ihr fast 100.000.000 Menschen auf Instagram und ihre aufgespritzten Lippen lösten einen weltweiten Trend aus. Trotzdem sagt die erst 20-Jährige in ihrer eigenen Soap „Life of Kylie“, dass sie „nicht für immer berühmt sein“ möchte. Ich kann’s verstehen!
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Aber von vorn: Als Kylie im Jahr 1997 auf die Welt kam, war ihre Schwester Kim, die für die Berühmtheit ihrer ganzen Familie verantwortlich ist, erst 17. Das einzig bekannte Familienmitglied war damals der 2003 verstorbene Robert Kardashian, Kims Vater, einer von O.J. Simpsons Anwälten. Es dauerte noch ein ganzes Jahrzehnt, bis die erste Folge „Keeping up with the Kardashians“ über die Bildschirme flatterte und die gesamte Familie in die Welt der Stars und Sternchen katapultierte. Als jüngstes Mitglied war Kylie da gerade einmal zehn Jahre alt und konnte nicht selbst mitbestimmen, ob sie sich mit dem regelmäßigen Besuch eines riesigen Kamerateams in ihrem Haus anfreunden könnte. Und selbst wenn sie Einwände gehabt hätte, was hätte Mama und Managerin Kris Jenner wohl dazu gesagt? Wahrscheinlich so etwas wie: „Liebling, wir machen eine Reality Show über unser Leben und du gehörst nun einmal zu unserer Familie.“ Pech gehabt! Also sah man der damals noch schmallippigen Kylie ab der ersten Staffel der Kultserie beim Aufwachsen zu.

Erster Skandal mit gerade einmal 10 Jahren

Sogar beim kindlichen An-der-Stange-tanzen wurde sie gefilmt. Es war ihr erster Skandal. Jedes Klatschblatt schrieb über die zu früh sexualisierte Kylie. Als Konsequenz musste sie erfahren, was es bedeutet, Opfer von Slutshaming zu werden. Andere verabreden sich in diesem Alter mit ihren Freundinnen und redeten stundenlang über den süßen neuen Jungen aus der Klasse (Kylie wurde privat zuhause unterrichtet) oder gehen zum Handballtraining. Meine größte Sorge war damals, ob ich bald eine feste Zahnspange tragen müsste und ob ich die Mathearbeit schon wieder versemmelt hatte. Der wohl größte Unterschied zwischen meiner und Kylie Jenners Kindheit? Ich konnte selbst bestimmen, was ich werden wollte und musste nicht dem Pfad meiner Familie folgen. Sonst wäre ich heute Cafébesitzerin und würde meinen Beruf wahrscheinlich allein aus dem Grund ablehnen, weil er mir auferlegt wurde.
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„Ich kann mich nicht daran erinnern, wie es sich anfühlt, nicht berühmt zu sein.“

„Ich kann mich nicht daran erinnern, wie es sich anfühlt, nicht berühmt zu sein.“ Mir zieht beim Lesen dieses Zitates ein kalter Schauer über den Rücken. Parallelen zu Kinderstars mit ähnlichen Karrieren wie Michael Jackson oder Britney Spears ziehen sich da wie von selbst. Der stätige Druck dem selbst auferlegten Ideal zu entsprechen, ständig präsent in den sozialen Medien sein zu müssen und immer wieder neue Projekte zu launchen, um noch mehr Geld zu verdienen, muss irgendwo abgelassen werden. Es ist ein Leben am Limit. Ich muss zugeben, dass ich die Flucht in die Drogen verstehen kann. Und wenn dann noch die Personen, die einen eigentlich erden und mit Ratschlägen zur Seite stehen sollen, daran interessiert sind, dass der Hype um die eigene Person immer weiterwächst, hat man eigentlich schon verloren. Was wohl die Antwort ihrer Managerin wäre, würde ihre Tochter ins hauseigene Büro kommen und sagen: „Ich kann nicht mehr, ich bin unglücklich, habe beim Gedanken an meine Bekanntheit Panikattacken (das thematisierte sie in einer Szene von „Life of Kylie“) und möchte mich aus der Öffentlichkeit herausziehen, um eine Familie zu gründen und ein halbwegs normales Leben zu führen.“? Mit aller Wahrscheinlichkeit würde Kris die Kinnlade herunterfallen oder sie würde anfangen zu lachen. Schließlich würde das für die 61-Jährige bedeuten, dass ihr eine ganze Menge Geld flöten ginge – als „Momanger“ bekommt sie immerhin 10% vom Kylie-Kuchen ab. Hätte ich meiner Mutter mit 20 Jahren gesagt, dass ich mein Leben verändern, meinen Studiengang wechseln oder auf eine Farm ins Nirgendwo ziehen möchte, hätten wir zusammen an einem Plan gearbeitet, um mir diesen Wunsch zu erfüllen.
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Aufs Land ziehen möchte Kylie übrigens auch. „Am liebsten würde ich mit meiner Familie auf einer Farm in Malibu wohnen, mich um meine Kinder kümmern und mein Handy wegwerfen. Wenn ich schwanger werde, werde ich wahrscheinlich meinen Instagram-Account löschen, einfach nur Leben und das alles hier nicht mehr machen “, sagte sie in einem Interview im Jahr 2015.
Jetzt ist Kylie, wenn auch noch unbestätigt, schwanger und soll mit ihrem Freund, dem Rapper Travis Scott, ihr erstes Kind erwarten. Ich wäre ihr definitiv nicht böse, wenn sie zum Ende des Monats ihre Kündigung bei Managerin Kris einreichen und mit dem Berühmtsein Schluss machen würde.
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