Meine beste Freundin hat mit mir Schluss gemacht

Partner kommen und gehen, aber Freunde bleiben für’s Leben. Oder? Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Nein! Ich selbst lernte in meinem Studium ein Mädchen kennen, mit dem ich mich anfreundete. Aus einer Bekanntschaft wurde eine enge Freundschaft mit täglichem Kontakt, Treffen und intimsten Gesprächen. Obwohl wir total gegensätzlich waren (Ich war in einer langjährigen Beziehung, sie Single mit ständig wechselnden Partnern, ich wollte lieber zu Hause chillen, sie machte lieber Party, ich kochte und backte gern, sie ging lieber zur Dönerbude um die Ecke, ich blieb lieber unauffällig, sie fiel lieber auf), verstanden wir uns blendend. Daher blieb die Freundschaft auch nach dem Studium bestehen. Jeder ging seinen beruflichen Weg. Alles war wie immer. Bis ich eines Tages bemerkte, dass das Interesse irgendwie nur noch einseitig ist. Es wurde sich nicht mehr gemeldet, bei Facebook kein Status mehr kommentiert, kein Bild geliked oder einen schönen Urlaub gewünscht. Als ich dann einmal meinen Schlüssel vergaß und Unterschlupf bei ihr suchte, bis mein Freund nach Hause kam, platzte mir der Kragen. Sie wimmelte mich ab!
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Ich verstand die Welt nicht mehr. Was zur Hölle war geschehen, dass sie mich so im Stich ließ? Mich plagten Selbstzweifel, ich suchte nach Gründen und fand einfach keine. Die einzige Lösung: ein Gespräch. Was ich dann zu hören bekam, zählt wohl zu den größten Enttäuschungen meines bisherigen Lebens.
An das Gespräch im Detail erinnere ich mich nicht mehr, aber der Konsens war unmissverständlich: Ich und meine Art sind scheiße und deshalb passt es nicht mehr. Manchmal würde man sich eben einfach in unterschiedliche Richtungen entwickeln und das wäre jetzt eben der Fall. Bam!
Prinzipiell kann ich mit Kritik leben und auch mit der Begründung, man lebe sich auseinander. Das Problem hier: Ich hab wirklich nichts gemacht! Ich war genauso wie immer, von daher konnte ich ihre Vorwürfe absolut nicht verstehen. Und ihre Art und Weise mir das mitzuteilen – erst nach unzähligen Nachfragen meinerseits – schon gar nicht.
Aber genauso ist es eben manchmal bei Freundschaften. Alles ist wie immer, aber irgendwie passt es nicht mehr. Oder nichts ist wie vorher und deshalb passt es nicht mehr. Deshalb ist es manchmal auch nötig, mit einer Freundin „Schluss zu machen“. Warum sollte man auch an einer Freundschaft festhalten, wenn diese einem überhaupt nichts mehr bringt? Ich selbst befinde mich gerade quasi in der gleichen Situation mit einer Freundin. Alles ist wie immer, nur irgendwie geht mir das auf die Nerven. Sie geht mir auf die Nerven, je länger ich sie kenne. Mit ihrer Art, ihrer Lebenseinstellung und ihrem Verhalten. Sie lässt sich von ihrem Ehemann aushalten und hat mit ihren 31 Jahren noch nie wirklich richtig gearbeitet. Ich arbeite seitdem ich 15 Jahre alt bin. Sie wollte ein Baby, hat ein Baby, aber zu 100 Prozent kümmern will sie sich nicht, denn ihr Privatvergnügen ist immer noch wichtiger. Ich wünsche mir ein Baby und würde, wenn es so weit ist, alles für das Kind tun. Ihr fehlt es an nichts – Prada-Tasche hier, Tiffany-Kette da, ein PS im Stall und 200 in der Garage – und trotzdem ist sie neidisch und missgünstig. Ich habe mir einen gewissen Luxus hart erarbeitet und bin zufrieden damit.
Jedes Mal wenn wir uns treffen, merke ich mittlerweile, wie wenig mir das bringt und dass ich eigentlich gar keine Lust mehr darauf habe. Sie scheint das allerdings anders zu sehen. Für nächsten Sommer hat sie bereits angefragt, gemeinsam einen Pärchenurlaub zu verbringen. Bitte nicht! Ich weiß, das klingt gemein, aber es ist, wie es ist. Deshalb beschäftige ich mich seit Wochen damit, ob und wie ich diese Freundschaft beende. Ist es notwendig, glasklar zu sagen, dass man an einer Bekanntschaft, Treffen und gemeinsamer Zeit kein Interesse mehr hat? Oder aber ist die beste Lösung vielleicht, es einfach auslaufen zu lassen? Einfach nicht mehr melden, keine Zeit haben und unerreichbar sein? Fakt ist: Schluss machen ist immer schwer - egal ob mit einem Partner oder einer Freundin. Doch genau wie in der Liebe trennen sich auch die Wege einer Freundschaft manchmal und das ist völlig ok – solange mit sich selbst und dem Gegenüber ehrlich ist.
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