Meine Tage auf der Sonnenbank ­– und warum ich nie wieder zurück möchte

FOTO: Jilly Wendell / Getty Images
Es war jahrelang der gleiche Gedanke: „Wow, die Leute am Strand werden von meinem Anblick geblendet werden!“ Hinter dieser imaginären Urlaubsszene steckt allerdings weniger Eitelkeit, als der Fakt, dass ich ungefähr überhaupt nicht braun werde. Wenn ich also behaupte, die Leute würden von mir geblendet, dann liegt es daran, dass ich so käseweiß am Strand liege, dass die Sonne schon reflektiert. Wären meine Urlaubsorte luxuriös genug für diese hollywoodesken weißen Strandliegen – mein Freund hätte mich wahrscheinlich irgendwann als vermisst gemeldet.

Die Sonne und ich, das ist so eine Sache. Als Kind war ich immer gut behütet, da ich wie mein Vater eher einer Kalksäule glich, die sich im Ernstfall nach wenigen Minuten rot färbt. Doch gegen mein dauerhaftes Unterwassersein konnte auch meine Mutter nicht ancremen. Die Diagnose Sonnenallergie war schnell gestellt. Und ja, es gibt nichts Schlimmeres, als abends nicht schlafen zu können, weil einen die Pusteln am ganzen Körper jucken.

Mein 18-jähriges Ich sagte sich also vor dem nächsten großen Sommerurlaub auf Malta (das immerhin schon auf der Höhe von Afrika liegt!): Vorbräunen wird helfen! Meine Mutter ging jahrelang auf die Sonnenbank, deswegen hatte ich eine seltsam sentimentale Beziehung zu diesen Räumlichkeiten. Bis heute, ich gebe es zu, liebe ich den Geruch, wenn ich an einer vorbei gehe. Es dauerte also nicht lang, bis ich im örtlichen Solarium stand und mich beraten ließ. Da ich von meiner Neigung zu Sonnenbrand so oft auf schmerzlichste Weise erfahren hatte, war ich natürlich vorsichtig. Doch ein spezielles Bräunungsprogramm versprach eine Anpassung an meinen Hauttypen: einfach die hellste zu bräunende Hautpartie mit einem Sensor scannen, fertig. Die UV-Lampen springen dann je nach Bedarf an, man liegt nie die ganze Zeit unter voller Bestrahlung. Dass es töricht war, mich auf dieses vermeintlich „sinnvolle“ Sonnenbaden zu verlassen, weiß ich mittlerweile auch.

Die Fakten sprechen für sich: Dermatologe Professor Dr. Breitbart erklärt mir im Gespräch, dass ein Solarium das Risiko für schwarzen Hautkrebs im Vergleich zum natürlichen Sonnenbaden um den Faktor 1,7 erhöht. Die langwelligen UV-A-Strahlen, die für die Mutation der Hautzellen verantwortlich sind, treffen im Solarium mit geballter Kraft auf die Haut. Der Körper kann die mutierten Zellen nicht mehr regenerieren, es entstehen Melanome. „Der Standard der Sonneneinstrahlung wird immer am Äquator gemessen – mittags bei wolkenlosem Himmel. Die UV-A-Strahlen eines Solariums sind etwa dreimal stärker“, erklärt Breitbart. Gemessen daran, wie viel schwächer die Sonne in unseren Breitengraden ist, kann man sich vorstellen, wie stark die Einstrahlung im Solarium wirklich ist. Schon eine sogenannte „intermittierende Bestrahlung“ kann die Risikofaktoren für schwarzen Hautkrebs erhöhen. Streng genommen reicht es laut Dr. Breitbart bereits, wenn man nur einmal im Monat ins Solarium geht, um seine Gesundheit zu gefährden.

Solarien bieten mittlerweile einen Selbsttest an, mit dem man vor dem Sonnenbaden seinen Hauttyp ungefähr ermitteln kann (denn den genauen Hauttyp kann nur ein Dermatologe ermitteln). Diesen Test habe ich nie vorgelegt bekommen – online kann man ihn aber machen. Zehn Fragen sind es, die man beantworten muss, laut Ergebnis bin ich Hauttyp 2, also empfindlich. „Hauttypen 1 und 2 müssen eigentlich direkt wieder nach Hause geschickt werden“, erklärt Dr. Breitbach. Mich hat damals niemand nach Hause geschickt. Dabei sollte es für die Solarienbetreiber keine wirtschaftlichen Einbußen bedeuten, wenn sie sich an diese Regelung halten; 70% der Bevölkerung in Deutschland sind Hauttyp 3 und dürften damit ins Solarium. Aber natürlich ist niemand, der an seinem Leben hängt, geeignet für Solarien.

Frauen im Alter zwischen 30 und 50 bekommen übrigens prozentual mehr schwarzen Hautkrebs als Männer – laut Dr. Breitbach eine Folge von übermäßiger UV-Einstrahlung im jungen Alter. Solche Statistiken können und dürfen gerne Angst machen. Eitelkeit nützt einem immerhin auch nichts mehr, wenn man ein paar Jahre später schwer krank wird.

Ich jedenfalls habe irgendeinen Frühling schlichtweg mal nicht die Zeit gehabt für’s Vorbräunen – und habe gemerkt, dass es gar nicht nötig ist. Von einer auf die andere Saison hatte sich das Thema Solarium für mich erledigt. Und seitdem ich nicht mehr versuche, braun zu werden, klappt es gefühlt wie von alleine. Ohne Sonnenschutz lege ich mich übrigens maximal 15 Minuten in die Sonne, danach wird brav gecremt. Immerhin möchte ich auch in sechzig Jahren noch entspannt am Strand liegen können.
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