Was Milchprodukte wirklich mit deinem Körper anstellen

Vivian Goldschmidt, Ernährungsberaterin und Gründerin von Save Our Bones, zufolge, beginnt die Konversation über Milchprodukte in menschlichen Speiseplänen mit dem Verständnis dessen, was die eigentliche Aufgabe von Kuhmilch eigentlich ist, nämlich Kälber zu mästen. „Kuhmilch ist eine exzellente Ernährung für Kälber und jede Säugetierart hat dementsprechend eine eigene "Designermilch". Milch von einer anderen Spezies zu trinken ist nicht in unserem genetischen Code verankert.” Eigentlich ist die Fähigkeit, Milchprodukte über das Alter von etwa drei Jahren hinaus zu verdauen, eine genetische Mutation, wie Goldschmidt hier erklärt. Im Falle der meisten Menschen wird das Enzym Laktase (das benötigt wird um Laktose, der natürlich in der Milch enthaltene Zucker, zu spalten) nicht über das Kindesalter hinaus produziert. Dementsprechend ist eher die Fähigkeit, Milchprodukte verdauen zu können und weniger die Unfähigkeit die Ausnahme der Regel – wie Corinne Goff, erklärt: „75 Prozent der Weltbevölkerung kann Milchprodukte nicht verdauen.”
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75 Prozent der Weltbevölkerung kann Milchprodukte nicht verdauen

Corinne Goff
Milchprodukte über das Kindesalter hinaus zu konsumieren, kann sogar einen negativen Einfluss auf die Gesundheit haben – dementsprechend sind sie weit davon entfernt, Mutter Natur's perfekte Nahrung zu sein. Goldschmidt sagt: „Da über die Hälfte der Erwachsenen Milchprodukte nicht verdauen kann, kann der Verzehr von Milchprodukten eine Menge unliebsamer Nebeneffekte wie Durchfall, Blähungen und Krämpfe hervorrufen.” Das Fehlen einer richtigen Verdauung kann ernstzunehmenden Konsequenzen haben: „ [Ein entzündetes Verdauungssystem] kann zu anderen gesundheitlichen Problemen führen, möglicherweise das kardiovaskulare System, die Haut und vieles mehr beeinflussen,” sagt sie.
Noch angsteinflößender sind laut Lauren Slayton die Hormone in den Milchprodukten – ein Resultat dessen, dass Kühen genetisch modifizierte Hormone zugeführt werden, um die Milchproduktion anzuregen – was wiederum bedeutet, dass Frauen besonders vorsichtig mit dem Konsum von Milchprodukten sein sollten, da die Einnahme von modifizierten Hormonen von der Reinheit der Haut bis hin zur Furchtbarkeit alles beeinflussen kann. Zusätzlich, erklärt Slayton, wurden Hormone in Milchprodukten mit verschiedenen Formen von hormonabhängigen Krebsarten, wie Brust-, Prostata- und Hodenkrebs, in Verbindung gebracht. Während rohe oder Bio-Milch und Käse weniger schädigend sein könnten, da sie schonender verarbeitet sind und auf die Zugabe von Hormonen und Antibiotika verzichtet wird, gibt es in der Tat keine wirklichen Vorteile durch den Konsum von Milchprodukten, wie Goldschmidt erklärt: „Menschen haben keinen biologischen Bedarf an Milchprodukten nachdem sie von der Muttermilch abgestillt sind.”
Ebenfalls überzeugend: Während wir mit dem Glauben aufgewachsen sind, Milchprodukte würden dabei helfen, starke Knochen zu bekommen, belegen jetzt Studien, dass sogar das Gegenteil der Fall ist, sagt Goldschmidt. „Gegensätzlich zum allgemeinen Glauben ist es in der Tat so, dass der hohe Proteingehalt in Milchprodukten den pH-Wert des Körpers versäuern, sodass Kalzium aus den Knochen sickert um das pH-Ungleichgewicht zu korrigieren – das wiederum schwächt die Knochen.” Goff schließt: „Milchprodukte sind eine reichhaltige Quelle an tierischem Protein, das zu einer negativen Kalziumbalance in unserem Körper und damit zu Osteoporosis führt.”
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Und was ist mit Joghurt, dem sogenannten "Wunderessen", das konstant Frauen als die perfekte Low-Fat Quelle an Proteinen und Probiotika aufgedrückt wird? Slayton zufolge, können fermentierte Milchprodukte einfacher für dein System sein – aber nur, wenn sie von qualitativ hochwertigen Quellen kommen. „Fermentierte, biologische und lokale Milchprodukte sind einfacher zu verdauen [als übliche Milchprodukte] und fermentierte Produkte können positive Einflüsse auf das Immunsystem, das Gewicht und die Stimmung haben.” Goldschmitt stimmt hier zu: „Joghurt beinhaltet immun-ankurbelnde Probiotika und biologische Vitamine und Mineralien. Außerdem kurbelt das Laktoferrin in der Molke des Joghurts die Fähigkeit des Körpers Knochen zu bauen an.” Wenn man also darauf bedacht ist, ein wenig Milchprodukte in seinem Speiseplan beizubehalten, könnten einige wenige Rationen von lokalem, organischem Joghurt eine Idee sein.
Wenn man beschließt, Milchprodukte komplett aus seiner Ernährung zu streichen, empfiehlt Slayton Sardinen, grünes Gemüse und Bohne zu essen, da diese Nahrungsmittel einen hohen Kalziumgehalt haben. Als Milchersatz im Kaffe oder Müsli empfehlen alle drei Ernährungsexperten Nussmilch (Slayton teilt ihr Rezept für selbstgemachte Mandelmilch hier – sie empfiehlt die Mandelmilch selbst zu machen um schädliche Zusätze wie Carrageenan zu vermeiden).
Unter dem Strich: Goff erklärt gut: „Milchprodukte sind nicht in der Ernährung von jedem oder jeder nötig, aber moderate Mengen von Milchprodukten werden einen auch nicht umbringen – ein bewusster Verzehr kann zu einer gesunden Ernährung passen.” Deshalb wird eine Pizza oder ein Joghurt ein paar Mal in der Woche wohlmöglich keinen großen Schaden anrichten, insofern man eine gesunde, ausgewogene Ernährung verfolgt.
Denke daran auf deinen Köper zu hören um herauszufinden, wie sensibel du auf Milchprodukte reagierst. Wie Slayton anmerkt: „Unsere Fähigkeit, Milchprodukte zu verdauen, nimmt mit dem Alter ab. Was also mit Anfang 20 funktioniert, kann mit 50 Jahren nicht mehr passend sein.” The Botschaft ist schlichtweg zu wissen, wo das Essen herkommt, das man isst, und sich darauf einzulassen, so viel wie möglich an nährstoffreiches Essen zu sich zu nehmen – niemand ist perfekt, wenn also Käse oder Eiscreme dein liebster Gaumenschmaus sind, dann genieße das in vollmoderaten Zügen.
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