Milla Jovovich: „Man muss sich weiterbilden, denn Schönheit kommt und geht“

Foto: GettyImages/ Dominique Charriau
Wenn es einen Ausdruck gibt, der die Generation Z oder auch einfach alle Millennials mit gerade mal drei Buchstaben zusammenfassen könnte, dann ist es wohl „Wow!”. Je nach Zusammenhang, Betonung und Augenrollen kann man damit im Bruchteil einer Sekunde so viel kommunizieren, wie es ein halber Gedichtband von Rilke manchmal nicht schafft. Womöglich war das der Beweggrund für die Namensgebung des neuen Dufts von Joop, vielleicht war beim Brainstorming aber auch einfach nur jemand mit der Benutzung des Beamers überfordert.
Wir spekulieren gerne darüber, denn mit Milla Jovovich, dem Gesicht der neuen Kampagne von Joop, quatschen wir doch lieber über andere Dinge. Immerhin hat das Model bereits mit 11 Jahren mit Kultfotograf Herb Ritts geshootet und später Kino-Kracher wie Das fünfte Element oder Resident Evil geprägt. Heute engagiert sie sich u.a. für Respect, einem Programm, das die Arbeitsbedingungen in der Modelbranche verbessern will. Außerdem ist sie Mutter von einem Mädchen und einem Jungen, deren Entwicklung sie stolz bei Instagram mit 2,3 Millionen Followern teilt.
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Im Interview erzählt sie, warum sich ihre Branche endlich verändern muss, welchen Ratschlag sie ihren Kindern mit auf den Weg gibt und warum man ein Parfum nicht mehrmals am Tag auftragen sollte.
Refinery29: Was ist dir bei einem Duft wichtig?
Milla Jovovich: Dass er einzigartig ist! Außerdem muss die Mischung besonders sein. Einerseits wünsche ich mir, dass mein Parfum soft und blumig ist. Gleichzeitig sollte es eine gewisse Schwere haben. "Wow" hat das für mich und dadurch symbolisiert er die moderne Frau, die so viele Rollen einnimmt.
Hast du den Duft unterwegs immer dabei?
Nein, dafür ist meine Tasche viel zu klein. Es sollte ausreichen, wenn man den Duft morgens aufsprüht. Wenn man am Tag zu oft nachlegen muss, stimmt wohl etwas nicht. [Lacht]

Ich möchte meinen Kindern helfen, ihren eigenen Weg zu finden.

Wann hast du das letzte Mal Wow! gesagt?
Das passiert mir ständig, mehrmals am Tag. Allein schon weil ich Mutter und manchmal beeindruckt oder gar schockiert von meinen Kindern bin. Genauso denke ich "Wow", wenn ich über das Glück nachdenke, meinen Ehemann kennengelernt zu haben. Meine zehnjährige Tochter hat gerade Life on Mars von David Bowie gesungen. Das war so cool. Sie hat jetzt schon einen großartigen Musikgeschmack.
Du engagierst dich mit anderen berühmten Models in der Respect-Kampagne. Was wünschst du dir für die Branche?
So viele Menschen wurden bisher nicht gehört und falsch behandelt. Das passiert immer noch. Die Modebranche braucht Regulierungen. Das gilt genauso für Performer und Künstler*innen. Da sollte es Strukturen geben, die grundsätzliche Rechte durchsetzen. Ich habe mit zehn Jahren mit der Schauspielerei angefangen. Es gab einen Lehrer am Set und ganz klare Abläufe.
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Selbstgefälligkeit kann ich nicht ausstehen.

Als ich dann mit elf begonnen habe zu modeln, hatte ich plötzlich 14-Stunden-Tage. Das ist für viele Teenager heute immer noch so. Meine Mutter hat schnell verstanden, wie falsch das ist und hat meine Aufträge mitgeplant. Doch dadurch habe ich auch Jobs verloren. Auch das ist für viele Models immer noch so. Sie werden nicht beschützt und landen unvorbereitet in einer harten Branche. Das kann so nicht weitergehen.
Was ist der wichtigste Ratschlag, den du deinen Kindern mitgibst?
Der kommt schon von meiner Mutter. Sie hat immer betont, dass man sich weiterbilden muss. Man sollte interessiert sein an dem, was um einen herum passiert, ganz egal ob Kunst, Literatur, Fotografie oder Wissenschaft. Nur so wird man zu einer interessanten Person. Schönheit kommt und geht. Doch Menschen, die andauernd erfolgreich sind, sind so viel mehr als nur schön. Als ich aufgewachsen bin, ging es nicht nur um gute Noten in der Schule. Am Nachmittag wollte ich weiterlesen und -lernen.
Davon abgesehen ist eine gute Arbeitsmoral wichtig. Pünktlichkeit, Dankbarkeit und und eine gewisse Bescheidenheit sind die Grundlagen. Man sollte sich einfach nicht verwöhnt zeigen und Möglichkeiten zu schätzen wissen. Selbstgefälligkeit kann ich nicht ausstehen.
Mit 42 Jahren hast du schon wahnsinnig viel erreicht in deiner Karriere. Was sind deine nächsten Ziele?
Meine Träume sind alle mit meinen Kindern verknüpft. Ich möchte für sie da sein und ihnen eine großartige Mutter sein. Ich möchte, dass sie mich als verständnisvoll und aufmerksam wahrnehmen. Ich möchte meinen Kindern helfen, ihren eigenen Weg zu finden. Sie sollen sich nach ihren Vorstellungen entwickeln und ihre Leidenschaften entdecken. Das ist mein größtes Lebensziel.
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