Nach dem Shitstorm kam die öffentliche Entschuldigung. Aber reicht das?

Menschen machen Fehler. Idealerweise lernen sie aus ihnen und verändern sich. Von ihrem Umfeld erwarten sie, dass ihnen dann verziehen wird, und dass man ihre Bemühungen sich weiterzuentwickeln, anerkennt. So geht es wahrscheinlich gerade Miroslava Duma, die seit einer Woche den Shit Storm ihres Lebens abbekommt. Bei Insta-Stories hatte die Gründerin von Buro 24/7 und Fashion Tech Lab eine Karte der befreundeten Designerin Ulyana Sergeenko mit der Aufschrift ”To my N***** in Paris” mit einem Herzchen versehen und geteilt. Der Post nimmt auf einen Song von Jay-Z und Kanye West Bezug. Die Verwendung des N-Worts außerhalb dieses Kontexts ist aber mindestens unpassend bis rassistisch. Das sollten die beiden Streetstyle-Ikonen auf dem Schirm haben.
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Viele der 1,6 Millionen Follower von Duma reagierten empört. Denn das ist nicht der erste Zwischenfall, der Rassismus vermuten lässt. 2014 veröffentliche Duma auf Buro 24/7 ein Bild von Dasha Zhukova, das die russische Socialite auf einem Stuhl in Form einer gefesselten, dunkelhäutigen Frau zeigt. Nun tauchte außerdem ein Video auf, in dem Duma bei einem Vortrag vor sechs Jahren Bryanboy und Transgendermodel Andreja Pejic als „weird people“ bezeichnet und sich Zensur wünscht. In ihrer Heimat Russland steht das Reden über oder das Zeigen von Homosexualität in Anwesenheit von Minderjährigen seit 2013 unter Strafe. Auch für Duma scheint Anderssein ein Problem darzustellen, für das man sich im Zweifel einfach nur entschuldigen muss. Das hat zumindest 2014 funktioniert und die Fotostrecke mit dem Stuhl, der an die Arbeit des Künstlers Allen Jones erinnert, war schnell vergessen.
Doch diesmal zieht Dumas Post direkte Konsequenzen nach sich. Beim Label The Tot, das sie mitgegründet hat, wurde die Russin sofort entlassen. Die Beleidigungen und Anschuldigungen auf Social Media hören auch nach einer Woche nicht auf. Genügt Dumas ausführlich Entschuldigung und Stellungnahme nicht mehr?
Stylist und 032c-Fashion-Editor Marc Göhring postete vergangene Woche ein Bild auf Instagram, das Duma in einem Tshirt zeigt, das sie als rassistisch, homo- und transphob „entlarvt“. Und das ist noch eine der harmloseren Reaktionen. Die Modeszene ist wütend. Daran ändern auch zwei ausführliche Statements von Duma nichts, in denen sie sich demütig zeigt und sich von ihren Aussagen von 2012 distanziert. Eine öffentliche Diskussion ist unter ihren Posts nicht möglich. Sie findet jetzt unter allen anderen Bildern auf Dumas Accounts statt. Ist eine Entschuldigung diesmal also nicht genug? Oder vergisst das Internet ganz schnell wieder, weil es entweder vom nächsten Skandal oder vom nächsten Luxus-Look abgelenkt wird?
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Eigentlich hätte Duma so ein Fehler überhaupt nicht mehr passieren dürfen. Denn mit jeder Entschuldigung glaubt man der Unternehmerin ein bisschen weniger, dass sie sie ernst meint. Dass sie die Auseinandersetzung mit ihren enttäuschten Followern auf Instagram scheut, kommt erschwerend hinzu. Man geht schon fast davon aus, dass sie nach wenigen Monaten wieder auftaucht und hofft, dass alles vergessen ist. Dabei gibt es Möglichkeiten, die wirklich zeigen würden, dass sich Duma verändert hat. Wie wäre es zum Beispiel mit Taten statt Stillschweigen? Mit Positionierung statt Aussitzen?

Bye Gurl @miraduma 🚫

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Mira Duma hat immer noch 1,6 Millionen Follower, die sie jetzt mit einer positiven, weltoffenen Botschaft (zurück) gewinnen könnte. Das würde zeigen, dass sie sich wirklich verändert hat. Wir wollen ihre Weiterentwicklung sehen und nicht nur davon in Form eines PR-Texts lesen. Es scheint so, als wäre jetzt Dumas letzte Chance sich zu positionieren. Nicht nur um sich zu entschuldigen, sondern um wirkliche Veränderung mit voranzutreiben.
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