Studie: Pessimisten sind keine Schwarzmaler, sondern einfach nur die wahren Realisten

Man kann Pessimisten als negativ eingestellte Zeitgenossen betrachten – oder einfach als Menschen, die gerne positiv überrascht werden. Der innere Monolog würde dabei in etwa so ablaufen: „Hey, das Nutellabrot ist doch nicht auf die beschmierte Seite gefallen? Läuft!“

Ist das dann noch Pessismus oder einfach nur Realismus? Der Antwort auf diese Frage wollen Forscher der Universität London jetzt ein gutes Stück näher gekommen sein, berichtet der Tagesspiegel.

Aktuell liegt der Ball wissenschaftlich betrachtet in der Spielhälfte von Team Glas Halbvoll: Man geht von einem sogenannten Optimismus-Bias aus. Soll heißen? Der Mensch ist von Grund auf optimistisch und schätzt die Zukunft deshalb positiv verzerrt ein. Vom Lottogewinn bis zum Nutellabrot-Fallbeispiel: Alles wird gut, vor allem für einen selbst. Ob die Wahrscheinlichkeit ziemlich gering ist, spielt dabei keine große Rolle.

Genau das bezweifelt eine neue Studie, die im August im Fachmagazin Cognitive Psychology erschienen ist. Dass der Mensch als unerschütterlicher Optimist gilt, der mit einer„Mir wird das schon nicht passieren!“-Einstellung durchs Leben geht, läge vor allem an der Methodik bisheriger Studien.

Oftmals würden laut Tagesspiegel in früheren Studien zum Beispiel schon Leute, die ihr Risiko, von einem negativen Ereignis betroffen zu sein, mit weniger als 50% bewerten, zu den Optimisten gezählt.

Dazu zeigen die Forscher der Universität London, dass Menschen in der Regel ihr zukünftiges Verhalten bei guten Nachrichten – zum Beispiel, wenn ihnen erzählt wurde, dass sie eine viel höhere Chance haben, 90 Jahre alt zu werden als gedacht – ebensowenig ändern wie bei schlechten. Es würde in der Forschung nur einfach seltener danach gefragt werden.

Computersimulationen, in denen für die neue Veröffentlichung dieselben psychologischen Tests durchgeführt wurden wie bei den Teilnehmern, bestätigen, dass tendenziell stärker auf positive Nachrichten reagiert wird. Das wurde bisher als klares Signal für den sogenannten Optimismus-Bias betrachtet. Wahrscheinlicher ist aber, dass der Aufbau der früheren Studien und Faktoren wie die verhältnismäßig geringe Häufigkeit eines betreffenden Ereignisses – zum Beispiel vom Blitz getroffen zu werden – dazu geführt haben.

Eine komplette Absage an den Optimismus soll die neue Studie aber nicht sein: Die Forscher erklären zwar, dass es berechtigte Zweifel an einer generell positiv verzerrten Einstellung des Menschen gibt, sich im Alltag aber durchaus Anzeichen für Optimismus finden lassen: „Da wären zum Beispiel Englands Fußball-Fans“, so Forscher Punit Shah bei ScienceDaily.
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