Warum nach dem Absetzen der Pille eine Hautverschlechterung eintreten kann

Foto: Erin Yamagata
Viele Mädchen und Frauen nehmen die Antibabypille heutzutage nicht mehr nur aus verhütungstechnischen Gründen. Für einen Großteil ist sie beliebtes Mittel zur Bekämpfung von Akne und unreiner Haut geworden. Doch woher kommt eigentlich die hormonell bedingte Akne? Und was passiert mit der Haut sobald die Pille wieder abgesetzt wird? Frau Dr. Meike Schröder ist Dermatologin mit eigener Praxis für ästhetische und klassische Dermatologie in Berlin. Sie hat auf dem Gebiet der Akne-Erkrankungen promoviert und spezialisiert sich in ihrer Praxis und dem angegliederten Institut auf eine Vielzahl von dahingehenden Behandlungsmöglichkeiten.
Refinery 29: Frau Dr. Schröder, woher kommt die hormonell bedingte Akne eigentlich?
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Dr. Schröder: Hauptverantwortlich für die Entstehung von Akne sind Talgdrüsen, die mit sogenannten Hormonrezeptoren versehen sind. Hormone, egal ob synthetisch oder natürlich, wirken an diesen Rezeptoren. Grundsätzlich können alle Faktoren, die Einfluss auf die Talgdrüse nehmen, eine Akneerkrankung verschlechtern oder verbessern. Zu diesen Faktoren zählen sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtshormone. In der Regel kann man sagen, dass die weiblichen Geschlechtshormone, die sogenannten Östrogene, einen eher positiven Einfluss auf die Haut haben, während sich die männlichen Hormone, die Androgene, eher negativ auf das Hautbild auswirken.
Und in der Pubertät nehmen die männlichen Hormone zu?
In der Pubertät entsteht im weiblichen Körper ein Ungleichgewicht von männlichen und weiblichen Hormonen. Der Körper befindet sich in einer extremen Umstellungsphase und man nimmt an, dass diese mit einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber der Androgene einhergeht. Daraus resultiert eine verstärkte Talgdrüsenaktivität, eine Art Fehlregulation. Man muss sich so eine Drüse wie ein Organ vorstellen, bei der in diesem Fall oben der Talgdrüsenausgang nicht mehr funktioniert. Stattdessen entsteht dort so etwas wie ein Staudamm, der für den Talg, der in der Drüse produziert wird, wie eine Barriere wirkt. Aus dem angestauten Talg werden wiederum Mitesser und aus diesen Mitessern, den Komedonen, entwickeln sich dann die entzündlichen Effloreszenzen – also das, was die meisten als Akne bezeichnen.
Und die Antibabypille kann den Hormonhaushalt im Gegenzug wieder regulieren?
Genau. Wenn man zum Beispiel eine Pille mit einer Pro-Akne Wirkung nimmt, wird die Talgdrüse im positiven Sinne reguliert. Dadurch kommt die Akne zum Stillstand.
Kriegen Frauen, die in der Pubertät Akne hatten, auch nach dem Absetzen der Pille automatisch wieder einen Akneschub?
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Nicht zwangsläufig. Es gibt allerdings viele Frauen, die in der Pubertät gar keine Hautprobleme hatten, die dann die Pille zu Verhütungszwecken einsetzen und nach dem Absetzen plötzlich Akne bekommen, obwohl sie damit früher nichts zu tun hatten. Das ist damit zu erklären, dass es im Körper durch das Weglassen der synthetischen Hormone zu einer erheblichen Umstellung kommt. Und durch die plötzlich fehlenden Östrogene entsteht eben die Akne.
Wann kann es nach dem Absetzen der Pille im Zweifelsfall zum ersten Akneschub kommen?
Meist zeitlich versetzt, in der Regel erst nach drei bis sechs Monaten. Und diese Phase kann durchaus auch ein bis zwei Jahre anhalten. Es ist überhaupt nicht ungewöhnlich, dass der Körper so lange braucht, um sich wieder einzupendeln. Da muss man teilweise sehr geduldig sein.
Aber er reguliert sich dann irgendwann von selbst?
Ja, in der Regel schon.
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Was halten Sie denn prinzipiell von der Antibabypille als Rezept gegen Akne?
In schweren Fällen ist sie Teil der Systemischen Therapie bei der Frau, aber eben nur in wirklich schweren Fällen einer Akne-Erkrankung. Ansonsten hilft meistens eine äußere Therapie am besten.
Viele Frauen haben Sorge aufgrund einer möglichen Verschlechterung der Haut die Pille abzusetzen. Was kann man tun, um die Haut in diesem Prozess begleitend zu unterstützen?
Da gibt es viele Möglichkeiten, die sich vor allem nach dem Schweregrad der Akne richten. Eine leichte Ausprägung lässt sich noch gut mit äußeren, lokalen Therapien behandeln. Ich empfehle an dieser Stelle eine pflegende Begleitung durch Cremes, die eine talgregulierende Wirkung haben. Dazu gehören Vitamin A-haltige Cremes, Azelainsäure oder Fruchtsäuren. Zu dieser äußeren Pflege kommt dann idealerweise noch die medizinische Kosmetik hinzu.
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Wie genau sieht eine solche Behandlung dann aus?
An erster Stelle steht eine Ausreinigung der Haut, die alle vier Wochen stattfinden sollte. Hierbei folgt nach einer gründlichen Reinigung der Haut je nach Hautzustand zunächst ein Peeling. Anschließend wird die Haut bedampft und dann ausgereinigt, so dass alle Unreinheiten sanft entfernt werden können. Als zusätzlichen Schritt bei einer Aknetherapie bieten wir außerdem eine LED-Behandlung an. Bei dieser Behandlung erfolgen 15-minütige Bestrahlungen der Haut mit Blaulicht. Das führt zu einer Verringerung der für die Akne verantwortlichen Corynebakterien. Ähnlich wie Sonne wirkt Blaulicht entzündungshemmend, was bedeutet, dass sich der Entzündungsherd unter der Haut gar nicht erst ausbreiten kann. Für ein optimales Ergebnis sind in der Regel zehn Sitzungen nötig. Außerdem haben wir zur Behandlung von Narbengewebe sehr gute Erfahrungen mit Microneedling oder der fraktionierten Lasertherapie gemacht.
Ab wann spricht man von einer mittelschweren bis schweren Akne?
Von einer mittelschweren bis schweren Erkrankung der Akne ist immer dann die Rede, wenn sie mit einer Vernarbung einhergeht. In diesem Fall käme zusätzlich zu den schon beschriebenen Behandlungsmethoden eine Systemische Therapie zum Einsatz. Dazu zählt in manchen Fällen auch die Antibabypille.
Was genau beinhaltet die Systemische Therapie, wenn man die Antibabypille abgesetzt hat oder umgehen will?
Neben der äußeren Anwendung nimmt die Patientin Medikamente ein, also Antibiotika, die die Entzündungen hemmen, die Größe der Talgdrüsen reduzieren und die Bildung von Mitessern vermindern. Allerdings sollte diese Therapieform immer zeitlich begrenzt sein, auf einen Rahmen von ein bis drei Monaten.
Was kann die Patientin selbst noch dafür tun, um ihre Haut während dem Absetzen der Pille zu unterstützen? Manch eine*r schwört zum Beispiel auf die regelmäßige Darmreinigung.
Davon halte ich nicht sonderlich viel. Was aber wissenschaftlich nachgewiesen ist, ist der Einfluss der Ernährung. Die Haut kann nämlich durch insulinotrope Ernährung verschlechtert werden. Dies bedeutet, dass vor allem Milch und Milchprodukte, raffinierte Getreide wie beispielsweise weißes Mehl und Zucker, insbesondere in Kombination miteinander, eine negative Wirkung auf Akne zu haben scheinen. Positiv auf die Haut wirkt sich unter anderem aus, viel Gemüse zu essen, Sport zu treiben und Omega-3-Fettsäuren zu sich zu nehmen, die vor allem in Seefisch vorhanden sind. Was man außerdem weiß, ist, dass Zink in Tablettenform einen positiven Einfluss auf Akne hat.
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