#FragR29: Sind Rebounds wirklich eine gute Idee?

Foto: Nicolas Bloise
Laut heulend stand ich vor der Liebe meines Lebens, mit der ich nur drei Monate zuvor zusammengezogen war, und brüllte ihn an, dass er das ja nicht mit mir machen könne, dass ich ihn doch lieben würde, dass wir perfekt füreinander wären – Spoiler: waren wir nicht. Das alles ist mittlerweile exakt 6 Jahre her und trotzdem ist die Erinnerung an den Schmerz, der mich in diesem Moment durchfuhr, so heftig, dass ich heute noch Herzrasen bekomme. Was tat ich also nach diesem schrecklichen Tag? Ich flüchtete zu meiner Schwester, rief eine Freundin an, heulte drei Tage durch und dann war ich einfach nur leer. Mit jedem Tag wurde mir mehr bewusst, dass er weg und der Traum einer gemeinsamen Zukunft geplatzt war. Und dass ich ab sofort zu allem Überfluss nicht nur allein, sondern auch noch ohne Wohnung war. Höchste Zeit also, in Ruhe zu reflektieren, was alles schiefgelaufen ist und mein Leben neu zu ordnen, oder? Jein. Es fing vielversprechend an, denn innerhalb eines Monats suchte ich mir eine neue Wohnung und einen neuen Job – aber leider auch einen neuen Boy. Was ich mir nicht suchte: Heilung. Als der neue Boy keinen Bock mehr auf mich hatte, litt ich richtig. Über Monate. Obwohl er eigentlich völlig irrelevant für mein Leben war und ich, wenn ich heute an ihn zurückdenke, mich ernsthaft frage, was ich zur Hölle ich an dem eigentlich gefunden hatte. Das Ding ist aber, dass ich bisher bei jeder Trennung so gehandelt habe. Und meine Geschichte unterscheidet sich kaum von der Geschichte anderer Trennungen: Genau dasselbe kann ich nämlich auch immer wieder bei Freund*innen beobachten.
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Rebounds scheinen nach einer Trennung beinahe unumgänglich zu sein. Rebounds sind so alt wie die Liebe selbst. Oh, du süße Ablenkung, vorbei der Schmerz und das blöde Gefühl, das einen überkommt, wenn man abserviert wurde (oder selbst Schluss gemacht hat). Die Frage ist nur, ob Rebounds prinzipiell eine gute Idee sind, oder ob wir es nicht einfach lassen sollten, denn eine Rebound-Beziehung radiert den Schmerz nicht aus, sie verschiebt ihn nur nach hinten.

Es ist vorbei, bye, bye Junimond

Eine Beziehung ist in die Brüche gegangen. Vielleicht hast du selbst Schluss gemacht, weil es einfach nicht mehr ging, vielleicht wurdest du auch verlassen. Eigentlich solltest du jetzt mindestens eine Woche durchheulen, Filme gucken, feiern, Freunde treffen, dir einen Pony schneiden und ernsthaft darüber nachdenken, ob du eine Katze adoptieren willst. Stattdessen wirst du dir wahrscheinlich relativ zügig Tinder oder eine andere Dating-App auf dein Handy laden und drauf los flirten, was das Zeug hält. Endlich wieder ein kleiner Egoschmeichler. Höchstwahrscheinlich wird dich das Geflirte schon sehr bald vollkommen in Beschlag nehmen und du wirst dich viel zu früh in eine neue Sache stürzen. Hauptsache nicht über den Schmerz nachdenken, Hauptsache Ablenkung. Das Ding ist aber, dass jede*r durch den Schmerz gehen muss. Es gibt keine Alternative. Manchmal wartet der Schmerz mehrere Jahrzehnte, bis er plötzlich und völlig unerwartet um die Ecke kommt und dir den Boden unter den Füßen wegreißt.
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Projektionsfläche einer Liebe

Rebounds sind ja in erster Linie aus zwei Gründen ziemlich problematisch. Erstens, weil man damit den Schmerz betäubt und zweitens, weil man alle Gefühle und Bedürfnisse, die in der alten Beziehung erfüllt wurden, jetzt in einem neuen Partner oder einer neuen Partnerin sucht. Ich rede hier nicht vom guten alten One-Night-Stand, der ja durchaus eine gute Idee sein kann, wenn man gerade abserviert wurde. Ich rede davon, sich sofort wieder zu verlieben, die neue Person total zu idealisieren und gleich wieder etwas Ernstes dort zu sehen, wo nichts ist. Weil man selbst noch gar nicht bereit dazu ist oder weil die andere Person eher was Lockeres möchte oder weil man eben viel zu schnell viel zu viel will. Nach einer Trennung ist man wie auf Entzug, die Zuneigung und Aufmerksamkeit fehlt schmerzlich und dieses Verlust versucht man jetzt mit dieser neuen Person zu füllen.
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Ja, das kann erst mal heilend sein, oder sich zumindest heilend anfühlen. Blöd nur, wenn sich die neue Person dann auch verabschiedet, weil er*sie keinen Bock hat, so mit Liebe oder Erwartungen überschüttet zu werden. Dann kommt der Schmerz nämlich doppelt und dreifach, denn jetzt wurde man von zwei Leuten verlassen, was sich tendenziell noch blöder anfühlt.
Stell dich dem Schmerz
Gefühle wegzudrücken kann in vielerlei Hinsicht krank machen. Manche bekommen psychosomatische körperliche Beschwerden, andere eine Angststörung oder Depressionen. Es gibt diesen doofen Spruch, der bei genauerem Hinsehen gar nicht so doof ist: Du kannst nur eine glückliche Beziehung führen, wenn du mit dir alleine glücklich bist. Auch wenn das erst mal nach Postkartenromantik klingt, ist doch ein wahrer Kern darin, denn du kannst nicht von einer anderen, neuen Person erwarten, dass sie die Lösung und Heilung für den eigenen Herzschmerz ist. Es gibt Menschen, die sind lieber in Beziehungen als alleine und das ist okay. Trotzdem sollte man sich die Zeit nach einer gescheiterten Beziehung nehmen, diese in Ruhe zu verarbeiten. Hier ein paar Dinge, die besser als jede Rebound-Beziehung sind:
1. Heule, und das bitte ordentlich laut und mit voller Inbrunst. Heule den Schmerz raus, geh da durch und versuche, dich nicht mit neuen Leuten abzulenken. Was erst mal wie die absolute Hölle klingt, fühlt sich, wenn man mitten drin ist, auch so an, aber glaube mir, du wirst dich danach besser fühlen. Viel besser, weil du nicht mehr so tust, als sei alles okay, wenn eigentlich gar nichts okay ist.
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2. Lerne dich wieder selbst kennen. Verbringe Zeit mit dir und nur mit dir und mache eine zeitlang nur das, worauf du Lust hast. Du wurdest gerade verlassen, es ist also höchste Zeit, dass du dich mal um dich kümmerst und dich auf dich zurückbesinnst.
3. Sei gut zu dir. Die meisten verfallen ehe rin destruktives Verhalten, wenn sie verlassen wurden, was ehrlich gesagt vieles nur schlimmer macht. Sei lieber gut zu dir. Gönne dir einen Tag im Spa oder mache zu Hause einen Spa-Tag mit ein paar Freund*innen. Esse gut und ausreichend. Gönne dir auch mal Junk Food oder SÜßigkeiten, aber versuche, möglichst gesund zu bleiben. Geh raus an die frische Luft und bewege dich etwas. Dabei kann man nämlich gut nachdenken und Dinge reflektieren.
4. Schäme dich nicht für deinen Kummer. Wir leben in einer Gesellschaft, in der man zwar Gefühle zeigen und auch mal traurig sein darf, aber bitte nicht zu doll und nicht zu lange. Auch wenn's schwer fällt, du darfst auch etwas länger traurig sein. Es gibt keine feste Regel, wie lange man leidet, wann man wieder daten sollte.
5. Reflektiere dich und dein Verhalten. Verguckst du dich nach einer Trennung ständig und neigst dazu dich an andere zu klammern? Was steckt dahinter und wieso kannst du nicht alleine sein? Verknallt sein ist super, allerdings solltest du die ersten Verknalltheiten kurz nach einer gescheiterten Beziehung wirklich mit Vorsicht und Abstand genießen.
6. Du musst es nicht alleine schaffen. Wenn das Tief nicht zum Hoch wird und du dich dauerhaft depressiv fühlst, dann gibt es durchaus Möglichkeiten, sich Hilfe zu holen und das ist vollkommen okay. Freund*innen können ja nur in einem bestimmten Maß helfen. Bei der Telefonseelsorge findest du mehr Informationen zum Thema Depressionen. Wenn du nicht mehr weiter weißt, kannst du die Telefonseelsorge auch hier anrufen: 0800/111 0 111.
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