Rihannas superdünne Augenbrauen auf dem Vogue-Cover sind mehr als nur ein Look

@isamayaffrench
Rihanna also wieder. Kein Topmodel dieser Welt hätte es geschafft, mit nur einem Vogue-Cover für derartig viel Gesprächsstoff zu sorgen. Das vom britischen Starfotografen Nick Knight geschossene Portrait der Sängerin, dass die aktuelle Septemberausgabe der britischen Vogue ziert, zeigt eine gewohnt selbstbewusst in die Kamera blickende Rihanna. Soweit, so oft schon gesehen. Umrahmt wird ihr Gesicht von einer wahren Farbexplosion aus Blumen und Tüll. Die Lippen glänzen in einem satten Verlauf von Signal- zu tiefem Blutrot. Es passiert eine ganze Menge in diesem Bild und dennoch blieben alle Augen ab Veröffentlichung des Bildes nur an einem kleinen Detail hängen: den ultradünnen Augenbrauen der Sängerin.
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Gestylt wurde der Look vom Chefredakteur der britisch Vogue, Edward Enninful, das Make-up wurde, so die Legende, ausschließlich mit Produkten der Fenty Beauty gezaubert. Herausgekommen ist eine Art Techno-Geisha und nicht wenige Modegazetten beschwören nun schon den Untergang der Augenbraue, wenn nicht gar des guten Geschmacks. Ausgerechnet in dem Augenblick, als es sich die natürliche und buschige Augenbraue gerade auf unserer Stirn gemütlich gemacht hatte. All die Euros, die wir in Microblading investiert haben – umsonst? Mit nur einem schwungvollen Pinselstrich hat Rihanna die Karten neu gemischt.
Ich fühle mich erinnert an eine Zeit, in der hauchdünne, ausrasierte und nachgezogene Augenbrauen so normal waren, wie der Kaffee am Morgen. Meine nicht vorhandenen, beziehungsweise zu hellen Augenbrauen und mein Unvermögen, mit einem Augenbrauenstift umzugehen, gepaart mit jugendlicher Ungeduld, haben mich davon abgehalten damals mitzuziehen. Aber ich würde lügen, wenn ich sagte, dass ich nicht gerne auch mit diesem dramatischen, leicht zickigen Strich über den Augen zur Schule gegangen wäre. Die Weniger-ist-mehr-Augenbraue war ja irgendwie auch ein großartiges Statement – obwohl heutzutage alle diesen Look verteufeln.
Foto: Getty Images
Superdünne Augenbrauen. Diese Sau wurde schon mehrfach durchs Dorf gejagt: die zarte Linie trugen Frauen des Hofes bereits im Mittelalter. Im Elisabethanischen Zeitalter warst du nur cool, wenn du möglichst blass warst, fast keine Augenbrauen hattest und dir deinen Haaransatz fast bis zur Kopfmitte zurück rasiert hast. In den Zwanzigerjahren dann brachten Hollywood-Ikonen wie Anna May Wong oder Clara Bow die superdünne Augenbraue zurück. Mimenhaft und dramatisch war dieser Look und irgendwie auch sehr stark und powermäßig. Ich höre niemanden darüber herziehen?
Warum also hat die Minimal-Augenbraue der Neunziger diesen unglaublich schlechten Ruf? Mir geht diese „OMG, wenn dieser Trend zurück kommt, sterbe ich!”-Attitude mega auf den Senkel. So scheisse sah es nicht aus und Freunde, erstens hat die Häflte von euch sich munter sämtliche Haare aus dem Gesicht gerissen, bis euch die Tränen in die Augen schossen und ich möchte an einige modische Fehltritte gerade dieser Dekade erinnern, die gerade munter hoch und runter getragen werden. Blondierte, gegeelte Haare etwa, Buffalos oder geknöpfte Sporthosen; wo sind hier die Rächer*innen des guten Geschmacks? Wo ist überhaupt der Sinn, solche Phänomene im Nachhinein zu verteufeln und zu belächeln? Schließlich war es ja faktisch seinerzeit einfach angesagt. Geschmäcker ändern sich, Mode unterliegt einer ständigen Neudefinition des State of the Art, anders funktioniert die Kiste nämlich nicht.
Rihanna auf der September-Ausgabe der britischen Vogue erinnert mich schrecklich eindrücklich an meine damalige Religionslerhrerin Frau Auer. Keine Frau, die diesem harten, starken und eiskalt gezogenen Strich über den Augen jemals gerechter wurde. Gleichzeitig finde ich diesen Look ein so eindrückliches Statement, wie es auch die buschigste Augenbraue nicht hätte setzen können. Mir ist das alles immer zu hysterisch, es sind nur Augenbrauen, regt euch ab. Und es sind sogar sehr wenige Augenbrauen, also regt euch noch mehr ab. Ich sehe ein buntes Cover, gestylt vom ersten schwarzen Chefredakteur der britischen Vogue, das eine international erfolgreiche, barbadische Sängerin zeigt und das mit popkulturellen und gesellschaftlichen Referenzen spielt. Mit nur einem Strich.
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