Sexuelle Belästigung – Lass dir nicht gefallen, dass dir einer in den Po kneift

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Es passiert immer noch und immer wieder: Du gehst an einer Gruppe Kerle vorbei, und einer hat plötzlich seine Hand an deinem Hintern. Eine Berlinerin hat sich gewehrt und ihr Erlebnis bei Facebook erzählt. Das kam gut an.
Eigentlich sollten Männer inzwischen dafür sensibilisiert sein, dass es weder lustig noch in Ordnung ist, einer fremden Frau mal eben an den Po zu fassen. Während es früher durchaus üblich war, der Frau dafür den schwarzen Peter zuzuschieben, sollte spätestens seit Jonathan Kaplans „Angeklagt“ bekannt sein, dass diese Ausrede nicht gilt: Jodie Foster hat darin 1988 die Hauptrolle gespielt, eine junge Frau mit nicht allzu gutem Ruf, die eine Gruppenvergewaltigung erlebte – sie hatte einen Minirock an. Damals herrschte oftmals noch die irrige Annahme, eine Frau sei „selber schuld“, denn sie habe durch ihr Aussehen das sexistische Verhalten eines oder mehrerer Männer „provoziert“. 2017 müsste aber jedem klar sein, dass das bullshit ist. Es reicht schon, weiblichen Geschlechts zu sein. Solche „Anmachen“ finden weiterhin täglich statt.
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Die Berlinerin Pina Charlotte, so lautet ihr Facebook-Name, hat es gerade erst erlebt. Mitten in der Stadt, am S-Bahnhof Treptower Park, mitten unter Leuten. Sie war unterwegs, um sich mit Freunden zum Klettern zu treffen, als ihr an der Haltestelle ein junger Mann auf den Hintern haut und zukneift. Unter „Gelächter und Gejohle“ gesellt er sich zu seinen Kumpels, wie Pina in ihrem Facebook-Posting berichtet, in dem sie den exakten Hergang wiedergibt. Doch dann erhält sie unverhofft die Möglichkeit für eine Konfrontation und nutzt das lautstark. Elftausend Reaktionen, mehr als zweitausend Shares und 800 fast ausschließlich positive Kommentare sprechen ihr dafür Anerkennung aus.
Pina führt zwei mögliche Gründe für das Verhalten des jungen Mannes an, sein Alter und falsche Erziehung: testosterongeschwängert in den Endzügen der Pubertät (18 bis 21 Jahre alt) und möglicherweise zu einem respektlosen Umgang mit Frauen erzogen (wie kleine Paschaprinzen). Dass der junge Mann einem anderen Kulturkreis angehörte, könnte man als „voll ins Klischee passend“ verstehen – in einigen islamischen Ländern werden Frauen unterdrückt, das ist hinlänglich bekannt. Doch heißt das natürlich nicht, dass eine Integration in die westliche Gesellschaft unmöglich ist. Sie muss nur aktiv unterstützt werden, und dass kann auch so aussehen wie bei Pina: Wer es selbst in der (deutschen) Schule nicht gelernt hat, dass ein solches Verhalten falsch ist, muss es von den Frauen selbst lernen.
Pinas Forderungen, „MACHT DEN MUND AUF“ und „tut etwas, wenn ihr das seht“ beschreiben einen möglichen Weg: Sie hat den jungen Macho in der Bahn coram publico zur Schnecke gemacht und dafür von den Anwesenden den Respekt erhalten, den er ihr versagt hatte. Die offene Auseinandersetzung miteinander ist konstruktiv im Hinblick auf das Zusammenleben. Rassismus, Pöbeleien in den sozialen Medien oder gar nationalistische Fremdenfeindlichkeit hingegen sind menschenunwürdig und feige.
Mit Männern aus unserem Kulturkreis kann einem das nämlich ebensogut passieren.
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