Wie gefährlich ist Soja wirklich? Eine Expertin klärt auf

Bislang galt Soja als gesunde Alternative zu tierischen Milchprodukten: Wer empfindlich auf Milch reagiert, den Geschmack nicht mag oder auch einfach vegan leben will, findet in Soja die perfekte Lösung. Oder? Denn immer öfter kursieren erschreckende Schlagzeilen: Soja sorge für Verdauungsprobleme, Immunschwäche, Unfruchtbarkeit und begünstige sogar Krebs. Wie ungesund und gefährlich Soja wirklich ist, erklärt Ernährungsberaterin Caroline Bienert.
„Die Wahrheit liegt wie immer in der Mitte“, erklärt Bienert im Gespräch. Die Dosis macht also das Gift. Auch wenn sie selbst kein Fan von Soja ist – verteufeln will Bienert es nicht. Aber Fakt ist: Mit Soja tut sich unser Körper schwer. Zum einen ist die Sojabohne durch ihren Anbau oft soweit modifiziert, dass sie unserem Körper nicht zuträglich ist. Die enthaltenen Gifte sorgen für Entzündungszeichen wie zum Beispiel Verdauungsprobleme. Die Darmwände werden angegriffen, die Nährstoffe, die über den Darm aufgenommen und weiterverwertet werden, kommen nicht mehr durch. Wer also viele Sojaprodukte zu sich nimmt, beeinträchtigt die Nährstoffaufnahme erheblich, der ständige Kampf gegen die Entzündungen schwächt die Abwehrkräfte.
Werbung
Auch die enthaltenen Phytoöstrogene können sich geringfügig auf den Hormonhaushalt auswirken. Wer bereits mit Brustkrebs diagnostiziert ist, sollte laut Bienert dringend auf Soja verzichten. Die Gefahr einer Unfruchtbarkeit stellt sie allerdings deutlich in Frage. Zum einen würden die meisten medizinischen Studien mit Männern durchgeführt – zum anderen spielten bei Unfruchtbarkeit immer mehrere Faktoren mit rein.
Nicht die Lebensmittel sind ungesund, sondern unsere Einstellung zum Essen
Das Problem mit Soja ist aber ein weiterreichendes: Nicht das Lebensmittel allein ist schuld, vielmehr sind es die Essgewohnheiten, unter denen unsere Gesundheit leidet. Dabei geht es nicht einmal um Fastfood oder zu viel Zucker. Es geht um eine viel grundlegendere Einstellung zum Essen. Was Bienert in ihren 30 Jahren Berufserfahrung als Ernährungsexpertin festgestellt hat, ist, dass die Deutschen eine sehr einseitige Ernährung pflegen. In keinem anderen europäischen Land sind die Essgewohnheiten so festgefahren wie hier. Ob es der morgendliche Besuch beim Bäcker ist oder die Liebe zu Nudeln – was der Deutsche kennt, daran hält er fest. Haben wir also erst einmal gelernt, dass Soja gesund ist, wird nur noch Soja gegessen, „in einem Ausmaß, das nicht mehr wünschenswert ist“, sagt Bienert.
Wie viel Soja ist also zu viel? Laut Bienert ist schon der tägliche Cappuccino mit Sojamilch zu viel – zumal die Größenordnung von durchschnittlich 0,3 Litern weit über dem liegt, was die Italiener unter einem Cappuccino verstehen. Bleibt es nicht bei einem Kaffee am Tag, sind schnell bis zu einem Liter Sojamilch konsumiert.
„Nicht die Lebensmittel sind problematisch“, fast Bienert zusammen, „der Mensch ist schwierig. Anstatt sich zu fragen, was man selbst falsch macht, verteufelt man die Lebensmittel per se.“ Es sei wie mit dem Zucker, der wäre an sich auch nicht schlecht, wir essen nur die zehnfache Menge der empfohlenen Dosis – und das mache ihn ungesund.
Werbung
Um die Vorgänge im Körper und die Bedeutung eines abwechslungsreichen Speiseplans besser zu verstehen, bietet Caroline Bienert mittlerweile Nutrition Classes und Koch-Workshops an und hat ihr Buch Detox Body Book veröffentlicht: „Wir wissen, wie unsere Autos, Laptops und iPhones funktionieren, aber die unglaubliche Maschine unseres eigenen Körpers verstehen wir nicht. Das muss sich ändern.“
Diese Artikel könnten dich auch interessieren:

Mehr aus Essen und Trinken

Watch

R29 Originals

Jetzt Ansehen
Fashion
Der Weg des Styles von der Subkultur auf die Weltbühne
Jetzt Ansehen
Queer Voices
Mitglieder der LGBTQIA-Community wenden sich in bewegend ehrlichen Briefen an ihr jüngeres Ich
Jetzt Ansehen
Lifestyle
5 Tage, 1 Experiment – Lifestyle-Redakteurin Lucie Fink stellt ihr Leben 5 Tage am Stück auf den Kopf!
Jetzt Ansehen
Musik
Frech und unkonventionell Musikerinnen.