Studie belegt: Menschen, die sich über alles den Kopf zerbrechen, leben länger

Foto: Alexandra Gavillet
Die meisten Leute verbinden mit „Neurotikern“ nicht unbedingt positive Eigenschaften: Man stellt sich jemanden vor, der vielleicht etwas cholerisch ist, depressive Tendenzen aufweist, möglicherweise unter Angstzuständen und Zwängen leidet – alles andere also als eine gesunde, ausgeglichene Persönlichkeit.
Doch eine Studie, die im vergangenen Juli im britischen Fachjournal Psychological Science veröffentlicht wurde, weist nun auf, dass gerade Personen mit neurotischen Wesensmerkmalen eine längere Lebenserwartung haben könnten.
In der Psychologie wird zwar nicht mehr von „Neurosen“, sondern mittlerweile von spezifischen Störungen und Krankheitsbildern, wie etwa Depressionen, Angst- oder Zwangsstörungen, gesprochen. Trotzdem gehört der Neurotizismus weiterhin zu den fünf Hauptmerkmalen des persönlichkeitspsychologischen Fünf-Faktoren-Modells (FFM). Die weiteren vier Wesenszüge, die im Rahmen des „Big Five“-Modells bezeichnet werden, sind Offenheit, Extraversion, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit.
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Universitätsprofessorin und Studienleiterin Catherine Gale von der University of Edinburgh wertete gemeinsam mit drei weiteren Forscher*innen die Daten von über 300.000 Menschen aus, die im Zeitraum von 2006 bis 2010 gesammelt wurden.
Zusätzlich zu den Persönlichkeitsmerkmalen wurden hier auch andere Kriterien, wie etwa der allgemein Gesundheitszustand, die körperliche Aktivität, der Body-Mass-Index in Betracht gezogen. Außerdem wurden die Teilnehmer*innen zu einer Einschätzung der eigenen Gesundheit befragt. Dabei kam heraus, dass Menschen, die laut FFM ausgeprägte neurotische Züge aufweisen, in Ernährung, Fitness und Lebensstil durchschnittlich schlechter abschnitten.
Und doch zeigte sich über die fünfjährige Periode ein Trend, der etwas paradox wirkt: Genau diejenigen, die klassisch betrachtet ein ungesünderes Leben führen – wenig Sport, wenig frische Ernährung, mehr Alkohol, mehr Nikotin und höhere Anfälligkeit für psychische Leiden –, wurden im Schnitt älter als jene, die eigentlich alles richtig machen.
„Das Ergebnis ist nur damit zu erklären, dass tendenziell neurotische Menschen oft auch zu Hypochondrie neigen oder allgemein kritischer sind, was ihr Umfeld angeht, und somit auch ihre eigene Gesundheit sehr genau im Blick haben“, so Gale zu CNN. „Somit gehen sie häufiger zum Arzt und lassen möglicherweise Symptome und entstehende Krankheiten schon früh genug diagnostizieren“, während rundum gesund lebende Menschen erste Anzeichen vielleicht gar nicht erst wahrnehmen.
Kurz erklärt: Während als neurotisch eingestufte Menschen zwar häufiger ein ungesundes Leben führen, gehen sie ähnlich besorgt und kritisch mit ihrem Gesundheitszustand um. Diese Charaktermerkmale führen zu einer erhöhten Wachsamkeit und folglich zum Beispiel zu regelmäßigeren Arztbesuchen.
Natürlich lässt sich ein gesunder Lebensstil nicht mit Zigaretten, Alkohol und Fast Food aufwiegen, nur weil man im Gegenzug auch häufiger zum Arzt geht. Aber es ist eben auch ein weiterer Beweis dafür, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt, um ein langes Leben zu leben.
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