Das Berghain ist ihr Lieblingsclub & das sind ihre besten Looks

Berliner*innen von 14 bis 44 wollen in der Regel nichts mit Touristen und Touristinnen, die nur zu Gast in ihrer Haupstadt sind, gemein haben. Eine Frage haben sich die meisten von ihnen trotzdem bestimmt schon irgendwann mal in ihrem Leben gestellt: Wie komme ich ins Berghain, ohne unangenehm an der Tür abgewiesen zu werden, nachdem man sich etwa fünf Stunden die plateaubeschuhten Beine in den Bauch gestanden hat? 177.000 Google-Einträge versuchen eine Antwort zu geben. Noch besser weiß es Gabriela Gomez, denn sie ist noch nie nicht rein gekommen.
Seit zehn Jahren lebt und feiert die Wahlberlinerin bevorzugt im Berghain. Das Wochenende verlängert sie dementsprechend mit einem freien Montag, den sie sich gerne gönnt. Verwurzelt ist Gomez in Polen, ihre Religion ist der Buddhismus und als sie nach Berlin kam, hat sie an der Universität der Künste studiert. Heute lebt sie mit ihrem Mann in Friedrichshain, wo wir sie zu Hause besucht haben, um einen Blick in ihren Kleiderschrank zu werfen.
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Ich zeige viel Haut, weil ich mich in meinem Körper wohl fühle. Nicht um Frauen oder Männer anzuziehen.

Dort sind eigentlich nur die Regale Schwarz, denn Gomez liebt entgegen der üblichen All-Black-Everything-Klischees knallige Neon-Looks, Vintage-Longsleeves und Gucci-Heels. Wie lange sie braucht, um sich fürs Ausgehen zu stylen, warum sie die Longsleeves ihres Mannes liebt und was die Clubszene in Berlin für sie ausmacht, lest ihr im Interview! Für Gabrielas Make-Up war übrigens Paloma Brytzscha für Nude by Nature verantwortlich.
Foto: Alex Mader
Du lebst seit 10 Jahren in Berlin. Was hat dich bewegt hierher zu ziehen?
Berlin ist eine Stadt der Extreme im Land der Ordnung. Du kannst drei Tage durchfeiern und dich gleichzeitig darauf verlassen, dass der Bus pünktlich kommt, um dich nach Hause zu fahren. Ich liebe diesen Mix aus Disziplin und Wahnsinn.
Außerdem hat mich die tolerante, avantgardistische und dennoch entspannte Art der Menschen direkt angezogen. Das macht diese Stadt zu einem Ort der Inspiration, der gleichzeitig den nötigen Raum zur Entfaltung bietet. Eine geistig derart weit entwickelte, kollektiv wahrgenommene Lebenseinstellung ist einzigartig in Deutschland.
Warum wird die Clubszene hier nie langweilig?
Im Capital of Techno sind wir ziemlich verwöhnt, was Partys angeht. Ambitionierte Produzenten und visionäre Veranstalter bieten uns ständig erlesene Line-ups und neue Soundscapes, die wir an jedem Wochentag genießen dürfen. Außerdem ist die friedliche Gelöstheit der Szene weit über die Grenzen hinaus bekannt. Es kommen ständig neue Menschen mit frischen Impulsen hinzu, die den Fluss bewahren. Dabei ist diese Form des kreativen Eskapismus in weitaus mehr Clubs als den bekannten zu finden.
Foto: Alex Mader
Hat sich dein Stil seit dem ersten Berghain-Besuch verändert?
Das Berghain war der erste Club, den ich in Berlin besucht habe. Damals noch in Jogger, oversized T-shirt und vor allem nie mit Make-up. Ich habe primär die Ausgelassenheit an sich genossen und erst später angefangen, meinen Stil zu entwickeln und seitdem konstant zu ändern.
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Ohne welches Teil würdest du nie ausgehen?
Ohne eine meiner Bauchtaschen. Ich brauche die ultimative Bewegungsfreiheit und kann mir absolut nicht vorstellen mit irgendeinem Teil, das mich beim Tanzen behindert, feiern zu gehen. Das gilt für alles, was ich anziehe. Deswegen wird man mich zum Beispiel nie mit Kopfschmuck wie beim Coachella auf einem Festival sehen.

Buddhismus und Berghain passen hervorragend zusammen.

Auf welchen Look wurdest du am meisten angesprochen?
Auf meinen Bodysuit, den ich auf der Venus gefunden habe. Mit den Patentboots von Demonia fanden einige, ich sähe aus wie aus einem japanischen Videogame.
Foto: Alex Mader
Wie lang dauert die Planung für dein Styling?
Ein Warm-up lang. Ich plane nie im Voraus, was ich anziehe und entscheide spontan, worauf ich Lust habe. Dazu hole ich mir einen Drink, mache ein Set an, gehe in meinen Kleiderschrank und beginne mit irgendeinem Teil ein Outfit zusammenzustellen. Das kann auch eine Brille, ein bestimmtes Make-up oder eine Frisur sein.
Welche Rolle spielt dein Outfit für dich beim Ausgehen?
Ich war mein gesamtes Leben lang künstlerisch aktiv und liebe es, Dinge ungeplant auf Leinwände zu bringen. Seitdem ich den Berliner Freizeitstress täglich hautnah erlebe, habe ich kaum noch Zeit für das alles. Der innere, kreative Impuls ist jedoch geblieben. Meine Outfits sind für mich mein kreativer Output geworden.
Foto: Alex Mader
Foto: Alex Mader
Wie unterscheiden sich deine Club- und Alltagslooks?
Meine Cluboutfits sind von Subszenen inspiriert. Sie sind schnelllebig und spontan. Im Gegenteil dazu investiere ich gerne in zeitlose Teile, die nicht unbedingt Basics sein müssen. Auf hochwertige Materialien und die Verarbeitung achte ich dabei genauso penibel wie darauf, ob mich das Teil auch wirklich wiederspiegelt und ich es in zehn Jahren noch tragen würde. Dabei reicht mein Repertoire von Sandro über Acne bis hin zu Gucci und Givenchy. Ich bin auf dieser Ebene sehr anspruchsvoll und möchte mir somit eine nachhaltige und dennoch nicht zwangsläufig langweilige Garderobe bewahren.
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Was ist das wertvollste Teil in deinem Kleiderschrank?
Neben einem flamingofarbenen Retro Maxikleid von Issa London, das ich zu unserer Hochzeit getragen habe, wäre da noch meine Panther Bomberjacke von Givenchy. Sie ist für meine Bedürfnisse vollkommen: funktional, klassisch und dennoch auffällig und außerdem perfekt für die sechs Monate Winter in Berlin.
Du sagst, du hast keinen bestimmten Stil. Wie würde dein Mann deinen Look in 5 Worten zusammen fassen?
Goa Goth Anime Punk Baywatch

Ich zeige viel Haut, weil ich mich in meinem Körper wohl fühle. Nicht um Frauen oder Männer anzuziehen.

Bist du schon mal nicht ins Berghain gekommen? Falls ja, was hattest du an?
Nein, ist nicht passiert.
Alte Frage: Aber was ist der beste Trick, um an der Tür nicht abgewiesen zu werden?
Sei eine Pizza.
Dein Leben ist sehr vielschichtig: Du bist gleichzeitig Buddhistin und gehst gern feiern. Wie passt das zusammen?
Im Dharma ist die Rede von den fünf Hauptstörgefühlen Stolz, Eifersucht, Zorn, Unwissenheit und Eifersucht, die in Tugenden umgewandelt werden sollen, die auf Liebe, Mitfreude, Gleichmut und Mitgefühl basieren. So eine – zumindest temporär – gelungene Umsetzung hiervon kann man im Berghain beobachten.
Das Bewusstsein, dass der Genuss ultimativer Freiheit nur durch die Befreiung der eigenen Gedanken von Voreingenommenheit (Stolz), Einengung (Eifersucht), Trennung von Du und Ich (Zorn, Unwissenheit) sowie maßloser Kontrolle anderen gegenüber (Eifersucht) gewonnen werden kann, herrscht in den Köpfen der meisten. Das passt also ganz hervorragend zusammen.
Foto: Alex Mader
Du kleidest dich sehr freizügig. War das jemals ein Problem im Club?
Nein, bisher hatte ich keine Probleme. Ich zeige viel Haut, weil ich mich in meinem Körper wohl fühle. Nicht um Frauen oder Männer anzuziehen. Im Berghain haben wir alle das Privileg, uns durch unseren Look so ausdrücken zu können, wie wir es wollen, ohne dabei negative Reaktionen befürchten zu müssen. Das funktioniert aber nur, weil jeder diese Einstellung auch dem anderen gegenüber wahrt. Der Respekt vor der Ausdruckswelt des anderen ist somit die Quintessenz des gesamten Vibes im Club.
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Foto: Alex Mader
Was liebst du besonders an den Longsleeves deines Mannes?
Mein Mann hat in ihnen die Geburt von Techno Anfang der 90er gefeiert und sie an mich weitervererbt. Heute feiere ich darin eine ganz neue Ära und zolle somit altehrwürdigen Labels wie Bonzai Tribut. Alte Trance- und Technoklassiker erleben seit einigen Jahren ein Revival. Es ist schön mit anzusehen, wie nach einer ganzen Zeit des Darktechno diese hellen, ekstatischen Sounds wieder aufleben, mit denen ich starke, emotionale Erinnerungen verbinde.
Foto: Alex Mader
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