Suzie Grime: Zufrieden mit neuen Brüsten trotz Korrektur-Op

@suzie_grime
Unter dem Youtube-Video über ihre Brust-Op beschreibt Suzie Grime den Eingriff als Body Modification. Das liest sich lustig, passt zu ihren vielen Tätowierungen und klingt auch nicht ganz so hart nach einer Operation mit Vollnarkose und möglichen Komplikationen. Schon in Teenagertagen hatte die Stylistin und Youtuberin eine klare Vorstellung, davon wie ihre Brüste aussehen sollen. Mittlerweile haben sie den Look, den sie sich damals schon gewünscht hat. Doch obwohl Grime vor ihrer Brust-Op sorgfältig recherchiert hat, um den passenden Arzt zu finden und alle Risiken zu minimieren, musste sie sich wenige Monate nach dem ersten Eingriff einer Korrekturoperation unterziehen. Warum sie ihre Entscheidung trotzdem nicht bereut, aber jeder Freundin davon abraten würde, erzählt sie R29 Germany im Interview.

Wann hast du zum ersten Mal überlegt deine Brüste machen zu lassen? Und wie viel Zeit ist vergangen, bis es dann wirklich passiert ist?


Meine Brust ist gewachsen, als ich 13 war. Da wusste ich sofort, dass ich sie irgendwann machen lassen würde, sobald ich das Geld dafür habe. Als Teenager habe ich meine Eltern angefleht, mir die Operation zu bezahlen, weil ich solche Komplexe hatte. Sie hatten allerdings die Hoffnung, dass sich das irgendwann „verwächst“. Hat es aber nicht.

Ich hatte schon immer eine sehr starke Idee davon, wie ich mal aussehen möchte. Auch was Tattoos angeht, habe ich meine Mutter angebettelt, seit ich 14 war. Aber auch das hat sie mir nicht erlaubt. Jetzt bin ich 25, habe gemachte Brüste und bin vom Hals bis zum Schienbein tätowiert. Es ist im Endeffekt alles so gekommen, wie ich mir es von Anfang an vorgestellt habe. Es war wirklich nur eine Frage der Zeit.

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Ich hatte schon immer eine sehr starke Idee davon, wie ich mal aussehen möchte.

Kannst du dich noch dran erinnern, wann du das erste Mal überhaupt davon gehört hast, dass es Brust-Ops gibt?

Das weiß ich gar nicht mehr genau. Ich glaube, als Kind der 90er wusste man einfach durch Pamela Anderson von Silikonbrüsten, da sie diesen Trend ja mit ausgelöst hat. Man wurde einfach direkt mit dem Wissen groß, dass manche Leute Dinge an sich machen lassen. Das Geheimnis der ganzen Menschen im Fernsehen oder in Zeitschriften ist zumindest nicht nur „Yoga, frische Luft und viel Wasser trinken“. Verarschen kann man sich auch selber.

Was genau hat dich an deinen Brüsten gestört?

Es ging mir gar nicht primär um die Größe meiner Brüste, wie es bei vielen Frauen der Fall ist. Ich war einfach mit der Form unzufrieden. Daran konnte auch ein Push-Up BH nichts ändern.

Wie war die Reaktion deiner Umgebung darauf, dass du dir die Brüste machen lassen willst?

Statt Schock kam da eher ein „Ja, herzlichen Glückwunsch“ – als hätte ich mein Erstgeborenes zur Welt gebracht. So nach dem Motto: wer lässt sich denn heute nicht die Brüste machen?! Schönheitsoperationen sind mittlerweile ganz alltäglich geworden. Was auf der einen Seite natürlich etwas fragwürdig ist, auf der anderen Seite aber auch zeigt, dass jeder mit seinem Körper machen kann, was er möchte. Tattoos werden ja auch immer mehr akzeptiert in unserer Gesellschaft. Und das ist auch gut so.

Ich bin dafür, dass jede Frau mit ihrem Körper tun kann, was sie möchte – egal ob es das Machen der Brüste oder das Wachsen der Beinhaare ist.


Wer wusste vorab von deinen Plänen?

Ich habe kein Blatt vor den Mund genommen und das sehr offen kommuniziert, sowohl privat als auch auf meiner Arbeit oder im Netz. Für mich ist das Thema nichts, was so nahe geht, dass es zu persönlich ist – auch wenn die Leute das bei mir als Influencerin automatisch so interpretieren. Sie denken, dass der Artikel über mein Muschi-Tattoo oder Videos über meine Brust-OP, die intimsten Einblicke in mein Leben sind. Für mich fühlt sich das gar nicht so an. Wenn irgendjemand da draußen jetzt weiß, dass ich gemachte Brüste und ein Tattoo im Intimbereich habe, dann sagt das trotzdem nichts über mich als Person. Das ist nur mein Aussehen, nur meine Hülle. Es gibt andere Dinge, die ich als viel intimer empfinde. Ich würde zum Beispiel niemals YouTube-Videos über die Details meiner Beziehung machen.
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Gab es Leute, die geschockt waren oder die dir die Brust-Op ausreden wollten?

Klar, abgesehen von meiner Mutter natürlich meine Freundin. Sie ist insgesamt nicht so ein großer Fan davon, wieviel Zeit ich meiner Eitelkeit widme. Sie fand meine Brust immer total ok und hat nicht verstanden, warum ich bereit bin, mein Leben aufs Spiel zu setzen, nur um etwas an ihr zu ändern. Man könnte ja sterben. Trotzdem hatte ich vor einer Woche meine zweite Brust-OP – es musste leider eine Korrektur vorgenommen werden, weil meine Implantate sich verdreht haben.

Wow, eine zweite Brust-OP! Bist du trotzdem noch froh, dass du es gemacht hast?

Ja, sehr! Bei beiden OPs gab es zum Glück keine Komplikationen und mein Schönheitschirurg hat wirklich krasse, handwerkliche Arbeit geleistet. Meine Brüste haben jetzt nicht nur die Form, die ich immer wollte, sondern sind auch wesentlich symmetrischer als vorher, was ein netter Nebeneffekt ist. Dass meine Implantate sich ein dreiviertel Jahr nach der ersten Operation verdreht haben, könnte rein theoretisch immer passieren. Wenn man einen Fremdkörper in seinem Körper hat, gibt es nun Mal die Möglichkeit, dass etwas verrutscht. Bei einer Arbeitskollegin von mir war es zum Beispiel die Verhütungsspirale.

Prinzipiell rate ich erst mal jedem davon ab. … Am Besten wäre es natürlich, wenn jeder komplett zufrieden mit seinem Körper ist.


Warum meine Implantate sich verdreht haben, kann man nicht genau sagen. Es ist über Nacht passiert – was sehr, sehr selten ist. Ich bin morgens aufgewacht, und mein Busen sah komisch aus. Klar, wenn tropfenförmige, also asymmetrische Implantate sich verdrehen. Es tut zwar überhaupt nicht weh, aber du hast halt auf einmal Dellen, wo vorher keine waren, da der voluminösere Teil an der falschen Stelle in der Brust sitzt. Zum Glück habe ich vor der OP eine Versicherung abgeschlossen. Vor einer Woche hatte ich meinen Korrektureingriff und die anatomischen Implantate wurden sicherheitshalber durch Runde ersetzt. Sollten diese sich wieder irgendwann drehen, kann man dann zumindest optisch keinen Unterschied erkennen.

Hast du dir Sorgen um die Risiken gemacht?

Angst zu sterben, hatte ich nicht. Ich habe mir eher Gedanken darum gemacht, wem ich meinen Körper anvertraue. Es ist wichtig, seinen Arzt so gut wie möglich einschätzen zu können – deswegen habe ich zwischen dem ersten Beratungsgespräch und dem finalen OP-Termin viel Zeit vergehen lassen, weil ich in der Zwischenzeit noch weiter recherchieren und sichergehen wollte, dass er auch wirklich der Richtige für mich ist.
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Zum Glück habe ich vor der OP eine Versicherung abgeschlossen.



Wie hast du deinen Arzt gefunden?

Witzigerweise scheinen die besten Chirurgen auf dem Schönheitsgebiet nicht unbedingt diejenigen zu sein, die man ab und zu in der Klatsch-Presse oder Werbeanzeigen sieht. Ich habe meinen Arzt über ein Internetportal gefunden, wo Patienten ihre OP-Verläufe und -Ergebnisse bewerten können. Dort kann man über Suchmasken den Schönheitschirurgen finden, der die persönlichen Kriterien am besten erfüllt. Über ein halbes Jahr lang habe ich immer wieder Rezensionen über meinen Arzt gelesen. In der ganzen Zeit konnte ich nicht eine einzige mittelmäßige Bewertung über ihn finden. Er hat überall als Streber abgeschlossen – weitaus besser, als die gängigen Ärzte aus TV & Co. Das hat mich überzeugt.

Wie viele Termine hattest du mit dem Arzt vor der OP?

Es waren drei oder vier Termine, beim ersten Beratungsgespräch ist eine Freundin mitgekommen. Ich habe meinem Chirurgen direkt gezeigt, was mich an der Form meiner Brust stört. Er hat mich nicht – wie meine Mutter oder meine Freundin – für verrückt erklärt, sondern sofort verstanden, was ich meine. Ich habe mir das „Problem“ also nicht die ganze Zeit eingebildet – mein Arzt hat mir gesagt, dass es sich dabei um eine genetisch veranlagte Fehlbildung handelt: eine tubuläre Brust ersten Grades.

Meine Mum – die dieses Problem zum Glück nicht hat – meinte natürlich, dass er das sagen muss, um Geld zu verdienen. Ich schätze ihn aber nicht so ein. Anstatt mir das Blaue vom Himmel zu versprechen, hat er mich sehr kritisch beraten und mir gesagt, was seiner Meinung nach möglich, und was nicht realistisch ist. Das Ergebnis ist super natürlich geworden und ich bin sehr glücklich damit.

Hast du vorher mit anderen Frauen gesprochen, die sich die Brüste haben machen lassen?

Eine Bekannte von mir hat sich ganz klassische 90er-Jahre-Doppel-D-Brüste machen lassen. Da sie aber vorher keine deformierte Brust hatte, und sowas deine Auswahlmöglichkeiten einschränkt, was Implantate, Größe und OP-Technik angeht, konnte ihre Erfahrung mir leider nicht so weiterhelfen.
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Mein Arzt hat mich nicht – wie meine Mutter oder meine Freundin – für verrückt erklärt, sondern sofort verstanden, was ich meine.


Würdest du einer Freundin, die unzufrieden ist, empfehlen, sich die Brüste machen zu lassen?

Prinzipiell rate ich erst mal jedem davon ab. Es ist gefährlich, extrem teuer und schmerzhaft, sich die Brüste vergrößern zu lassen und du kannst nie zu 100% sicher sein, dass dir das Ergebnis am Ende gefällt. Am Besten wäre es natürlich, wenn jeder komplett zufrieden mit seinem Körper ist. Da bin auch auf jeden Fall pro Body Positivity! Aber wenn es etwas gibt, das dich so sehr an dir selbst stört, und du es leider nicht selbst verändern kannst – warum dann keine Operation!? Ich bin dafür, dass jede Frau mit ihrem Körper tun kann, was sie möchte – egal ob es das Machen der Brüste oder das Wachsenlassen der Beinhaare ist.

Mit meinen Tattoos und meinem Busen sehe ich heute genau so aus, wie ich es schon immer wollte. Das Wichtigste ist, dass man sowas für sich selbst und nicht für jemand anderen oder aus gesellschaftlichen Zwängen tut. Aus diesem Grund werde ich auch nie verraten, welche Körbchengröße ich vor dem Eingriff hatte, und welche ich jetzt habe. Auch wenn ich immer wieder danach gefragt werde: diese Information sollte für andere Leute überhaupt keine Rolle spielen. Die Implantatgröße war von meinen individuellen Körperproportionen abhängig – und die sind eben kein Richtwert. Jeder Mensch ist anders, und sollte herausfinden, was am Besten zu ihm passt und wie weit er für sein Aussehen gehen will.

Warum schließen sich Feminismus und ästhetische Chirurgie deiner Meinung nach nicht aus?

Schlicht und ergreifend, weil Feminismus Gleichberechtigung bedeutet. Und das heißt wiederum, dass jeder tun und lassen kann, was er möchte. Nur weil eine Frau eitel ist oder die Dinge attraktiv findet, die in der westlichen Welt als allgemeines Schönheitsideal gelten, heißt das nicht, dass sie über diese Dinge nicht reflektiert nachdenkt oder sich willenlos den vorherrschenden Standards beugt. Wenn eine Frau eine operierte Nase hat oder gerne Stunden damit verbringt, sich zu schminken und frisieren, hat sie dadurch als Mensch nicht weniger Respekt verdient. „Mein Körper, meine Regeln“ – das ist ein sehr wichtiger Grundsatz der Bewegung.

Es gibt heutzutage so viele verschiedenen Formen des Feminismus – unrasierte Beine und Birkenstocks sind schon lange keine Uniform mehr. Im Gegenteil: die Farbe Rosa, High Heels und insgesamt Symbole der Femininität werden wieder als etwas Positives besetzt. Und wenn ich meinen Busen zehn Mal machen lasse, ist das meine Entscheidung. Nur weil ich zwei Stücke Plastik in meiner Brust habe, heißt das nicht, dass du mir auf der Straße hinterher pfeifen darfst, um mir zu sagen, dass du Sex mit meinem Körper haben würdest. Ich bin Mensch – völlig egal, was ich an mir modifizieren lasse. Ich bin noch immer ein Mensch.

Nur weil ich zwei Stücke Plastik in meiner Brust habe, heißt das nicht, dass du mir auf der Straße hinterher pfeifen darfst, um mir zu sagen, dass du Sex mit meinem Körper haben würdest

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