„Ich kann nicht tatenlos zusehen, wie unerschöpft das Potenzial von Frauen bleibt!”

Foto: Toni Garrn Foundation
Shoppen und dabei Gutes tun – ein Konzept, das sicherlich bei vielen großen Anklang findet. Wenn das noch mit dem Traum, einmal die Kleidung der großen Supermodels kaufen zu können, verbunden wird, ist das Shopping-Highlight perfekt!
Das deutsche Supermodel Toni Garrn hat sich für eben dieses Highlight mit dem Luxus-Second-Hand-Portal Vestiaire Collective zusammen getan und bringt ihre bereits in New York sehr erfolgreichen „Supermodel Charity Sales” nach Deutschland. Ab dem 02. November wird man online sowie einen Tag später in Berlin die Möglichkeit haben, nicht nur die Kleidung und Accessoires von Toni Garrn, sonder auch ihrer Supermodel-Freundinnen Gisele Bündchen, Kate Moss, Poppy Delevingne und Co. zu shoppen. Der gesamte Erlös des Luxus-Second-Hand-Verkaufs wird an die Toni Garrn Foundation gespendet.
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Seit zehn Jahren unterstützt und arbeitet Toni Garrn mit Plan International zusammen und leistet damit einen Beitrag zu der langjährigen Tradition der Organisation, den Schutz und die Förderung der Rechte von Kindern zu unterstützen. Schon seit ihrem 15. Lebensjahr spendet Toni für Kinder und ist seit 2014 Botschafterin für die weltweite Bewegung „Because I am a Girl“ von Plan International. Die Verteidigung und der Schutz der Rechte von Kindern, insbesondere von Mädchen, ist Toni Garrn eine besondere Herzensangelegenheit. Um ihr Engagement zu verstärken und mehr zu bewirken gründete sie 2016 die Toni Garrn Foundation mit dem konkreten Ziel, Mädchen zu fördern und zu stärken.
Gemeinsam mit Plan International Deutschland hat Toni ein neues Projekt in Simbabwe ins Leben gerufen, welches Mädchen dabei unterstützt, ihr Recht auf hochwertige Bildung durchzusetzen und die Gleichstellung der Geschlechter in den jeweiligen Dorfgemeinden der Mädchen fördert. Dieses Projekt ist das erste eigene Projekt der Toni Garrn Foundation und ein persönliches Anliegen der Gründerin, die 2015 und erneut 2017 direkt vor Ort war. Die Erlöse aus den Pop-up Stores ermöglichen es der Toni Garrn Foundation, zwei weitere Schulwohnheime für Mädchen zu bauen.
Im Interview spricht das Supermodel über ihre Pop Up Sales, ihr Leben als Model, ihr neues Hobby (Stichwort: Kino!) und über die Gleichberechtigung der Frau. Wo und wann die Pop Up Sales stattfinden, erfahrt ihr am Ende des Interviews!
Foto: Giles Bensimon, Toni Garrn x Vestiaire Collective
Die Charity-Sales machst du in New York schon länger, wie kam es zu dieser Idee?
Toni Garrn: Mit den Charity-Flohmärkten habe ich vor drei Jahren in New York angefangen. Meine Freundinnen und ich fanden es einfach schade, dass wir so viele schöne Kleidungsstücke und Accessoires in unseren Schränken haben, die aber manchmal nur einmal getragen werden können. Da ich ständig überlege wie ich Spenden für meine Foundation generieren kann, lag die Idee nahe, die Teile für den guten Zweck zu verkaufen.
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Ich habe die Sales immer während der Fashion Week in NY veranstaltet und sich um alles selbst zu kümmern, war einfach ein wahnsinniger organisatorischer Aufwand. Ich bin selbst auf Schauen gelaufen, war abends auf Events unterwegs und musste dann zwischendurch zu meinen Freundinnen um die Kleidung einzusammeln und Preisschildchen zu schreiben. Mit Vestiaire Collective heben wir meinen Supermodel Charity Sale auf ein neues Level und man kann weltweit online und in Berlin, London und Paris shoppen.
Wie reagieren deine Freundinnen wie Kate Moss, Gisele Bündchen und Co. darauf, wenn du sie nach Teilen für den Sale fragst?
Die finden es super dabei zu sein! Sie unterstützen mich gerne, weil sie wissen, dass alles für einen guten Zweck ist und 100% der Erlöse gespendet werden. Nicht nur die Käufer der Teile freuen sich über die neuen Errungenschaften, sondern auch die Begünstigten der Projekte in Afrika. Somit haben am Ende alle etwas davon.
Wie schaffst du es, neben deinem schon strengen Pensum als Topmodel, noch so eine Aktion auf die Beine zu stellen?
Ehrlich gesagt waren die Sales in New York irgendwann tatsächlich zu viel Arbeit für mich, ich habe das neben meinem regulären Pensum im Job nicht mehr geschafft. Deshalb habe ich mich auf die Suche nach Unterstützern begeben, die vom Mindset passten und so bin ich auf Vestiaire Collective gestoßen. Ich finde es großartig, jetzt einen Partner an meiner Seite zu haben, der auch meine Charity-Organisation unterstützt.
Was können die Besucher des Supermodel Charity Sales erwarten?
Wir werden jeweils zwei Tage Pop-up Stores in London, Paris und Berlin öffnen, aber die besten Teile und das exklusive T-Shirt von Bella Freud werden auch online erhältlich sein. Also kann die ganze Welt mitshoppen, das war mir besonders wichtig. Durch Social Media habe ich schon immer sehr viel Aufmerksamkeit auf meine Charity-Aktionen lenken können, habe mich aber immer geärgert, dass nicht viel mehr Menschen Zugang hatten. Berlin ist die erste Stadt in der unser Pop-Up Halt machen wird, das heißt die besten Teile werden in Berlin noch alle da sein – und ich bin auch vor Ort, in allen drei Städten.
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Kaufst du selbst gerne Second Hand?
Ich reise sehr viel und freue mich, wenn ich von meinen Reisen etwas mitbringen kann. Meistens sind das dann aber Accessoires. Eine coole Tasche aus den 80ern beispielsweise oder einen ausgefallenen Ledergürtel. In London habe ich mal eine großartige Levis-Jacke mit Lederdetails gefunden, die ist so einzigartig, solche besonderen Pieces findet man nur Vintage.
Das Konzept des Teilens – die sogenannte Sharing-Community – liegt ja voll im Zeitgeist. Teilst du auch gerne?
Ja sehr! Bei meinen letzten Sales sind viele meiner Freundinnen gekommen und auch die, die eigentlich nur im Verkauf helfen wollten, konnten sich irgendwann nicht zurück halten und haben selbst geshoppt. Irgendwann war es dann so, dass wir uns gegenseitig die Teile abgekauft haben. Das ist so schön! Und weil es einem wohltätigen Zweck zugute kommt, sind alle nochmal mehr gewillt, zu shoppen.
Toni Garrn Foundation
Toni Garrn Foundation
Gehst du selbst überhaupt noch shoppen?
Wenig. Aber das liegt auch daran, dass ich oft auf Events gehe, bei denen die Outfits nach verschiedenen Kriterien ausgewählt werden müssen und oft auch extra angefertigt werden. Diese Looks kann ich nicht einfach im Laden shoppen. Privat mag ich es dann oft auch einfach bequem.
Hast du Shopping-Regel, die du befolgst? Viele Frauen lassen ja beispielsweise ein Teil aus ihrem Kleiderschrank gehen, wenn ein neues kommt.
Solche Regeln brauche ich nicht, der Platz in meinem Kleiderschrank in New York ist automatisch begrenzt. Ich habe aber auch gelernt nicht mehr so viel zu horten. Neulich war ich, gefühlt ewig auf Reisen und dann nur einen Tag zuhause in meinem New Yorker Apartment. Dort habe ich dann den ganzen Tag lang ausgemistet für den Sale mit Vestiaire Collective und am Ende des Tages hatte ich ein unglaublich befreiendes Gefühl in mir. Einfach, weil meine Kleidung wieder luftig im Schrank hing und mehr Platz hatte - auch das erleichtert! Vermissen tut man nach solch einer Aktion meistens nichts.
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Wenn ich eine Regel habe, dann diese: Was man länger als ein Jahr nicht getragen hat, wird man auch nicht mehr tragen!
Und: Man wird nicht größer oder kleiner und die Figur ändert sich – meist - nicht gravierend. Also weg mit Teilen, bei denen man sich schon beim Kauf dachte: „Wenn ich mehr Sport mache, dann wird das sicherlich super sitzen.” Das ist Quatsch! Kleidung ist dafür da, getragen zu werden. Jetzt.
Bei deinem Arbeitspensum und deiner Foundation und den Sales: Hast du noch Zeit für andere Hobbies?
Wenig leider, vor allem weil mir meine Afrika-Projekte sehr am Herzen liegen und ich dafür viel Zeit und Energie investiere. Aber seit ein paar Jahren nehme ich wann immer möglich Schauspielunterricht. Außerdem gehört Tanzen zu meinen größten Hobbies! Das kann ich überall und jederzeit machen. Zu Hause, nachts im Club oder aber am Set.
Das mit dem Schauspielunterricht ist ja großartig! Werden wir dich dann bald auf der großen Kinoleinwand sehen?
Ja, ich habe dieses Jahr sogar meine erste Hauptrolle gedreht. Ich spiele Reeva Steenkamp, die Südafrikanerin die auf so tragische Art von ihrem Freund Oscar Pistorius, dem bekannten Blade Runner erschossen wurde. Eine Rolle die mir extrem nahe ging. Es gab noch andere Schauspiel-Projekte, aber ich mag noch nicht zu viel verraten.
Was gefällt dir an der Schauspielerei?
Vielleicht, dass sie das Gegenteil vom Modeln ist und somit eine große, neue Herausforderung für mich. Schauspielerei ist sehr tiefgründig, man muss sich mit der Materie und den Charakteren beschäftigen, wirklich ins Detail gehen.
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Beim Modeln geht es um das perfekte Bild. Um in eine Rolle zu schlüpfen und diese zu fühlen und zu leben, braucht es viel mehr Zeit und Geduld. Man muss sich nicht mehr nur mit sich selbst, sondern mit anderen Menschen ganz intensiv beschäftigen, sie beobachten. Eine gute Übung ist es beispielsweise sich einfach für ein paar Stunden auf eine Parkbank zu setzen und Leute zu beobachten.
Foto: Giles Bensimon, Toni Garrn x Vestiaire Collective
Denkst du jemals darüber nach, wieder nach Europa zurück zu kommen?
In New York wohne ich jetzt seit sechs Jahren, aber ich war noch nie in meinem Leben länger als zwei Wochen am Stück hier. Ich reise wirklich sehr viel und bin auch ständig in Europa. Deshalb ist es schon okay so, wie es ist. Meine Schauspielagenten sind in Los Angeles, viele Freunde und Kunden in NY. Meine Familie, meine Lieblingsorte und mein Herz sind in Europa.
Was bedeutet Heimat für dich?
Heimat ist für mich vor allem etwas Deutsches. Auch, weil es das Wort im Englischen nicht gibt. Es bedeutet für mich, „dort wo man herkommt”. Deshalb ist meine eigentliche Heimat wohl Hamburg, weil ich dort geboren bin.
Hast du jemals Heimweh?
Das hatte ich komischerweise noch nie. Ich denke aber gerne an meine Heimat, an meine Kindheit, an Hamburg.
Wieso ist es für dich so wichtig, dich zuengagieren?
In den Kontinent Afrika habe ich mich bereits sehr früh verliebt. Ich liebe die Musik, wie die Menschen tanzen und die offenen, fröhliche Mentalität in den meisten Regionen. Mein Bruder hat in Südafrika mal ein soziales Jahr in einem Behindertenheim gemacht und ich habe ihn dort besucht. Die Frauen in Afrika haben mich von Anfang an fasziniert, sie haben ein so großes Potential, das leider unausgeschöpft bleibt und da kann ich einfach nicht tatenlos zusehen. Die Menschen in Afrika haben mich sehr berührt und ich konnte einfach nicht mehr wegsehen.
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Die Mädchen in Zimbabwe, mit denen ich eine intensive und lange Zeit verbracht habe, sind so toll und klug. Sie strahlen eine unglaublich positive Energie aus, trotz oft schwerer Schicksalsschläge – und alles, was sie wollen ist zur Schule zu gehen. Wenn man hier helfen kann, jungen Mädchen eine Ausbildung zu ermöglichen, dann ist das doch etwas Großartiges! Bildung und Aufklärung sind der Schlüssel, um nachhaltig etwas zu verändern.
Die Gleichberechtigung der Frau ist derzeit auchgroßes Thema überall.
Zurecht! Weltweit gehen knapp 62 Millionen Mädchen im Grund- und unteren Sekundarschulalter nicht zur Schule. Noch immer ist in vielen Teilen der Welt die Ansicht fest verankert, dass Mädchen zuhause bleiben, putzen und im Haushalt mithelfen müssen. Oder Töchter werden verheiratet, weil die Familie kein Geld hat und somit einen Esser weniger am Tisch sitzt. Jedes dritte Mädchen in Entwicklungsländern ist bereits vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Dabei haben Frauen ein so großes Potential. Es muss noch viel mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. Die Länder, in denen Frauen bereits in Führungspositionen sind – in der Wirtschaft oder der Politik beispielsweise, sind ein großes Vorbild. In Afrika ist die Rollenverteilung sehr konservativ. Zuhause bei der Familie zu bleiben wird meist als minderwertig betrachtet, dabei arbeiten die Frauen und Mütter tagtäglich unfassbar viel. Oft reparieren sie sogar die Autos, tragen ihre Kinder kilometerweit um Essen und Wasser zu besorgen, reparieren die Hütten. Sie leisten jeden Tag so viel. Wenn sie jetzt auch noch Zugang zu Schulbildung hätten – man muss sich mal vorstellen, was sie dann alles auf die Beine stellen würden!
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Toni Garrn Foundation
Es gibt viele Menschen, die behaupten, sie würden gerne helfen, hätten aber keine Zeit.
Diesen Menschen antworte ich, dass schon etwa 50 Euro das Schuljahr eines Mädchens finanzieren können. Schon dieser Betrag kann das ganze Leben eines Mädchens verändern. Wenn das kein Anreiz zum Helfen ist, weiß ich auch nicht.
Daten des Supermodel Charity Sales:
Der Charity Sale startet am 2. Nov. 2017 online auf www.vestiairecollective.com sowie als großer Charity Pop-Up Sale in Berlin. Auch das von Bella Freud exklusiv entworfene T-Shirt, wird ab 2. Nov online über Vestiaire Collective zu kaufen sein.
Berlin: 03. + 04.11.2017, Appel Design Gallery, Torstraße 11410119 Berlin
Online Supermodel Charity Sale ab 2.11.2017 auf www.vestiairecollective.com
Weitere Pop-up Sales sind in Paris (16th - 18th November) und London (9th - 11th November) geplant.
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