Der wahre Grund, wieso keine*r UGG-Boots auf der Straße tragen sollte

Foto: UGG
Eines sei einmal vorweg gesagt: Generell bin ich der Auffassung, dass jede*r tragen und tun könnte, was er oder sie möchte. Deshalb finde ich eigentlich immer Gefallen an außergewöhnlichen Outfits, die mir auf der Straße, in Restaurants oder der U-Bahn entgegen laufen. Die kommentiere ich dann gerne mit einer bestätigend-nicken-und-anerkennend-lächen-Kombination und freue mich, dass sich andere Menschen mit ihrem Stil ausleben.
Eine Sache werde ich aber never, ever verstehen: Wieso tragen Menschen UGG Boots als wären sie ein normaler Schuh? Denn das kann ich hier gleich mal festhalten: UGG Boots sind keine normalen Straßenschuhe. Aber spulen wir erstmal zurück.
Vor einigen Jahren saß ich zusammen mit meiner Studienkommilitonin eines brühend heißen Augusttags im Flieger Richtung Australien. Dort landeten wir zwar auch in unserem persönlichen Wanderlust-Traum, aber auch mitten im australischen Winter. Heißt: tagsüber schöne, wohlige 20 Grad, ab 18 Uhr aber bittere Kälte. Die Tatsache, dass die Häuser dort keine Heizungen haben, hilft bei der Frostbeulenvorbeugung auch nicht wirklich. Meine Lösung war, drei Paar Socken übereinander zu ziehen und die Schnürsenkel meiner Stiefel so zu weiten, dass ich reinpasste – die Lösung meiner Freundin, ihre UGG Boots auszupacken. Wenn ihr hier von UGGs spreche, meine ich übrigens immer das klassische knöchelhohe Modell in hellbraun mit der pappigen Sohle.
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So stiefelten wir also los gen Club, denn wie könnte man seinen Einstand down under wohl besser feiern als mit einem shandy aka. Radler. Was soll ich sagen, der Abend hätte nicht eher enden können! Der Türsteher schaute erst an mir, dann an meiner Freundin herunter und blieb dort letztlich an den knautschigen hellbraunen Boots hängen, schüttelte den Kopf – und ließ wiederum uns mit unserer Abendplanung hängen. Lachend fragte er uns, wo wir denn herkämen, dass wir in Hausschuhen feiern gehen wollten. Und alle so: Hä?
Also erklärte uns der Türsteher und noch vier Mädchen und zwei Jungs, die ebenfalls in der Schlange standen, den Sachverhalt „UGG-Boots”: In ihrem Heimatland Australien werden sie ausschließlich als Hausschuhe genutzt, wenn es im Herbst und Winter zu kalt in den eigenen vier Wänden wird, oder als gemütliche Surferschuhe, die man nach der Session im Meer überstreift und die Füße vor dem Erfrieren rettet, während man mit der Karre nach Hause zum Duschen düst. Klang logisch, ist es auch. Denn in der Tat hat man nie eine*n echte*n Australier*in mit UGGs auf der Straße gesehen, schon gar nicht beim Ausgehen oder im Restaurant. Das höchste der Gefühle war nach dem Surfen kurz beim Café anzuhalten, um sich aus dem Take-Away-Fenster einen Juice reichen zu lassen. Die Message war also definitiv angekommen und wir selbst trugen fortan unsere UGGs nur Zuhause oder nach dem Surfen, so wie es die Australier selbst taten.

Full-on UGG get-up from our favorite @hanaleireponty. #UGGLife #repost

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So. Fast forward nach Deutschland, wo sich jedes Jahr aufs Neue Frauen jeglichen Alters in besagte UGGs werfen und damit munter und fröhlich nicht nur so gut wie immer ihr Outfit zerstören, sondern auch durch sämtliche Pfützen und Matschhaufen schlappen, bis die vollgesogenen und abgeranzten Lammfellboots nicht nur besonders schön aussehen, sondern auch einen besonders schönen Schlurfgang bei den Damen fördern. Sorry, aber in meinem Kopf ist das einfach so, als würde man in puscheligen Hausschuhen auf die Straße gehen – oder ins Restaurant, oder zum Meeting mit dem Chef, oder zum Date. Klar könnte man jetzt sagen, dass UGGs ja eine dickere Sohle haben und nicht aussehen wie Hausschuhe. Aber wie sehen „klassische” Hausschuhe schon aus? Außerdem bieten die Schuhe beim ausgiebigen Laufen kaum Halt und die Sohle rutscht bei den meisten so komisch „auf die Seite”, was man dann von hinten sieht und was wiedermal beweist, dass das einfach kein Straßenschuh ist.
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Wer also UGG Boots auf der Straße trägt, der soll doch bitte auch mal mit Hauspantoffeln zur Arbeit gehen – das wäre witzig! – oder zumindest den neuen „Kasen”-Boot wählen. Der Stiefel erinnert zwar an das klassische Original, hat aber eine echte Straßensohle mit Absatz und ist damit offensichtlich für den außerhäuslichen Gebrauch gefertigt. Dann saugt sich das ganze im deutschen Schmuddelwetter auch nicht so voll und man kann wieder ganz normal durch die Straßen laufen – ohne eine Matschspur hinter sich her zu ziehen und in einen Schluffigang zu verfallen. Das würden Orthopäden nämlich auch befürworten, da bin ich mir ganz sicher – und ich sowieso.
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