Vanessa Low: „Meine Behinderung ist Teil des Lebens, aber nicht mein Lebensmittelpunkt"

FOTO: Getty Images
Ihre Geschichte ist filmreif, berührend und stark: Die Lübeckerin Vanessa Low wird mit 15 Jahren vom Zug erfasst. Sie überlebt, doch als sie aus dem Koma erwacht, hat sie keine Beine mehr. Zehn Jahre nach der Amputation, gut vor einem Monat, holt sie mit schwarzen Oberschenkelhüllen aus Karbon und den L-förmige Silikon-Federn Gold bei den Paralympics im Weitsprung. Weltrekord-Weite 4,93 Meter.

Wir treffen die Leichtathletin im Behindertensport am Rande des Videodrehs zu Jennifer Rostocks Song „Hengstin" in Berlin Kreuzberg. Vanessa ist eine der Protagonistinnen in dem Musikclip, der Frauen in allen ihren Facetten und ihrer Power feiert. Zur Videopremiere am 28.10 hat Refinery29 gefragt:Was ist die wahre Stärke einer Hengstin? Und wie behauptet sich eine Frau in Männerdomänen heute?

„Meiner Meinung nach ist eine Hengstin eine starke Frau, die weiß, was sie möchte und das auch durchsetzt. Das Lied und der Titel machen klar, dass es gar nicht mal einen wirklichen Unterschied gibt zwischen Männern und Frauen", erklärt Low. „Bei uns im Training war es immer so, dass Männer und Frauen gemischt trainiert haben. Unser Trainer auch uns immer gleich behandelt."

Während des Interviews trägt sie eine Sporthose, die bis auf Höhe des Knies reicht. Die Prothese mit dezenter Blumengravur ist sichtbar. „Mittlerweile habe ich eigentlich immer kurze Sachen an. Es gibt viele Firmen, die tolle Designs machen. Man kann die Prothesen als Teil der Mode inszenieren oder wenn man möchte, kann man sie verstecken. Ich finde sie wunderschöne."

Mit einem Lächeln auf den Lippen erzählt sie, dass ihr der Beinersatz alles ermöglicht: „Meine Behinderung ist natürlich Teil meines Lebens. Sie hat mir die sportliche Zukunft zwar ermöglicht, trotzdem sehe ich es eigentlich nicht mehr als etwas Besonderes. Für mich ist das Normalität. Meine Prothesen bedeuten für mich Mobilität. Meine Lebensqualität. Sie ermöglichen das alltägliche Leben. Deswegen ist meine Behinderung Teil des Lebens, aber nicht meine Lebensmittelpunkt."

Vanessa ist die einzige doppelt oberschenkelamputierte deutsche Leichtathletin. Acht Jahre hat sie auf ihre erste Goldmedaille hingearbeitet, stand dreißig Stunden die Woche im Training. „Ich würde schon sagen, dass ich eine Hengstin bin. In dem was ich mache, bin ich sehr fokussiert und sehr gut. Ich arbeite genauso hart wie jede andere auch."

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