Jackpot eines 90er-Kindes: „Ich habe bei der Mini Playback Show gewonnen”

FOTO: Jessica Lange
Der Ohrwurm, der das Schreiben dieses Textes begleitet, ist klar. Der Refrain geht so: Kinder bringen volle Action in der Mini Playback Show. Kleine kommen ganz groß raus in der Mini Playback Show. Von 1990 bis '98 ließ RTL die Herzen der deutschen Kinder höher schlagen. 60 Minuten voller Glamour, Glitzer und Grundschüler. Vom Mini-Michael-Jackson bis zu den Wildecker Herzbuben in 1.20 Meter, die Musikidole in der XXS-Version waren alle vertreten.

1600 Kinder traten insgesamt bei der Unterhaltungsshow als Popstar-Doubles auf, eine davon ist Jessica Lange. Die heutige „KiKA LIVE“-Moderatorin hat genau vor 20 Jahren den Siegerpokal und das große Casio Keyboard mit den blinkenden Knöpfen abgeräumt. Ihre Schwester, die Tochter des Tanzlehrers und sie verwandelten sich ins Girlsgespann „Jade“, um den Song Don't Walk Away Boy zum Besten zu geben.

Wie nett war Marijke Amado wirklich, was passierte in der Zauberkugel und durften die Teilnehmer die funkelnden Kostüme aus dem Minilädchen nach dem Auftritt behalten? Tief durchatmen, Kinder der 90er, Jess erzählt Refinery29 die ganze Geschichte:
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FOTO: Jessica Lange

Es haben sich damals unfassbar viele Kids beworben. Ich glaube, jeder wollte einmal im Leben dort mitmachen und bei Marijke im Minilädchen stehen, durch die Zauberkugel gehen und im Fernsehen auftreten

Jess Lange
„Es fing alles damit an, dass ich wegen meiner Schwester angefangen habe, zu tanzen. Wir sind wie Zwillinge aufgewachsen und dass sie jede Woche immer wieder für eine Stunde von mir getrennt war, weil sie beim Tanzunterricht war, hat mir überhaupt nicht gepasst. Deshalb habe ich mit vier Jahren auch angefangen. Nur damit ich bei ihr sein kann", erzählt Jess lachend. „Die Idee bei der Mini Playback Show mitzumachen hatte mein ältester Bruder irgendwann: Er hat meinen Tanzlehrer angesprochen, ob er mit mir und meiner Schwester eine Perfomance einstudieren könnte und daraufhin meinte er, dass wir doch mit seiner Tochter zusammen ein Trio nachmachen könnten und so ging alles los...“

Die Unterhaltungsshow castete Kinder in ganz Deutschland. Es gab meistens drei Runden: Tausende Bewerber wurden auf eine Vorauswahl mit gerade einmal 75 möglichen Mini-Doubles reduziert, die anschließend nochmal auf 45 verkleinert wurde, um dann vor dem TV-Team vorab aufzutreten. „Die einzelnen Castingrunden in den verschiedenen Städten waren schon super aufregend. Ich kann mich noch erinnern, dass wir ein riesengroßes Telefon aus Pappe dabei hatten, weil unser Song mit einem Anrufbeantworter-Spruch losging. Als wir dann alle Runden überstanden hatten – und auch schon einiges an krasser Konkurrenz erlebt hatten – kam der Brief mit der Einladung nach Amsterdam“, so die Moderatorin. Die Sendung wurde in Amados Heimatland aufgezeichnet.
FOTO: Jessica Lange

Das ganze Prozedere mit Kameras und dem ganzen Licht war schon etwas Besonderes

Jess Lange
Jess erzählt uns mit nostalgischem Lächeln, dass sie damals mit einem ganzen Fanbus angereist sind. Die Jury, die für diese Aufzeichnung aus Deutschland anrollte, bestand aus Ralf Bauer, Hardy Krüger Jr. und Anja Freese. Nachhaltig beeindruckt ist die ehemalige Siegerin aber wirklich von Marijke Amado: „Sie war wundervoll. Ich habe sie als unfassbar liebe, nahbare Person in Erinnerung. Sie hat sich mit uns allen in Ruhe unterhalten und alles erklärt und dadurch auch die Nervösität ein bisschen genommen. Sie war wirklich die perfekte Moderatorin für diese Show."

Heute moderiert Jess ja selbst Wettberbe für Kids und betont immer wieder, wie wichtig es ist, dass sich die Kinder wohlfühlen und dass es um Spaß und nicht um Leistung geht. Fernsehen und Kinder – das zieht eine große Verantwortung mit sich. „Oft sind auch Eltern das Problem, die ihre Kids unter Druck setzen oder unbedingt wollen, dass sie gewinnen. Aber in dem Alter ist das genau der falsche Weg. Ich glaube, bei uns hat das damals so gut geklappt, weil wir wunderbare Eltern hatten, die das Ganze mit uns wie einen tollen Ausflug erlebt haben."

Und die waren am Ende dann vielleicht stolz auf ihre kleinen Popstars! „Sie wollten einfach, dass wir eine gute Zeit und vor allem sehr viel Spaß haben. Ich erinnere mich nur an ihr Lächeln während der gesamten Zeit, aber niemals an ernste Blicke."
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Zauberkugel und Minilädchen – wie war es wirklich?

Jess klärt auf: „Die Zauberkugel war bei mir ein Zaubertunnel. Das hat sich ja immer wieder verändert. Und was da drinnen abgeht, bleibt für immer ein Geheimnis der Teilnehmer. Das hat uns der beste Kinderbetreuer der Welt damals gesagt. Nur so viel: die Show wurde aufgezeichnet...“ Zauberarme oder Roboter-Griffe für die Verwandlung gab es darin also nicht, es war eine Produktion mit großem Team mit Maske und Requisite, und trotzdem waren die Kinder am Ende alle happy.

„Das Mini-Lädchen war total süß. So wie man es aus dem Fernsehen kennt. Ich habe mir große Sorgen gemacht, ob ich mein Outfit finden würde zwischen den ganzen Klamotten, die da hingen. Dazu kommt noch, dass ich im Minilädchen so damit beschäftigt war, die Schilder unserer Fans zu lesen, so dass ich den Einsatz verpasst habe und noch am Lesen war, während die anderen schon ihre Klamotten geholt haben. Die Kostüme hatten wir nur für die Show an und haben sie dann dort gelassen. Die wurden allerdings extra für uns angefertigt, damit sie uns genau passen. Ich war mit Abstand die pummligste von uns und daher hatte ich so meine Probleme in das Outfit zu passen“, sagt sie lachend während sie uns ihre alten Kinderfotos zeigt.

FOTO: Jessica Lange

Ich sehne mich oft nach der Mini Playback Show zurück, weil es damals nur darum ging, einen tollen Auftritt hinzulegen und einmal in die Klamotten und die Rolle der Stars zu schlüpfen

Jess Lange
Und was ging in der Schule nach der Show ab? Die Kleinen mussten ja berühmt sein! Im Jahr der Mini Playback Show ist die Familie Lange von Celle ins Saarland gezogen, dem Status als Neue half der Sieg bei der Unterhaltungsshow enorm. „Wir waren DAS Gesprächsthema schlechthin in der Schule. Und gerade als neu zugezogene Schülerin in der Klasse natürlich der perfekte Einstieg. Jeder hat damals die Mini Playback Show geguckt und natürlich war auch die saarländische Presse ganz erfreut darüber."

Zum 20. Jubiläum schenkte Jess ihrer Schwester gerade erst eine Reise nach New York. Die beiden sind auch heute noch ein Herz und eine Seele und mussten ihr schillerndstes Erlebnis von 1996 schließlich gebührend feiern. Herzlichen Glückwunsch, ihr habt den Traum eines jeden Kindes von damals gelebt!

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