Warum Frauen weniger rechts wählen

Illustriert von Elliot Salazar
Das Wahlergebnis von Mecklenburg-Vorpommern ist für viele nicht überraschend, die AfD rauschte wie erwartet nach vorne – interessant ist allerdings, dass es in Deutschland noch nie so eine große Gender-Gap bei Wahlen gab wie diesen Sonntag: Die Wähler der AfD sind überwiegend Männer. 25 Prozent der männlichen Wähler gaben laut Infratest dimap der Partei ihre Stimme. Unter den Frauen machten nur 16 Prozent ihr Kreuz bei der AfD. Also neun Prozent weniger.

Und woran liegt's? Um es mit den Worten von Jennifer Rostock zu sagen: „Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber“. Die Band hat letzte Woche mit ihrem Anti-AfD-Song für Schlagzeilen gesorgt. Und der Satz hat es in sich, denn bezieht man ihn auf das Wahlverhalten der Frauen, sieht es doch so aus: Die AfD strebt ein Frauenbild an, das für viele von uns nicht mehr funktioniert. Viel mehr noch sorgt die konservativ nationalistische Politik für den Rückschritt in Sachen Gleichberechtigung.
Feminismus bedeutet Gleichstellung von Mann und Frau. Alle die für Gerechtigkeit sind, können Frauke Petry & Co nicht unterstützen: „Die Alternative für Deutschland bekennt sich zur traditionellen Familie als Leitbild", heißt es in ihrem Grundsatzprogramm. Dass eine Partei definieren darf, wie eine Familie und die Geschlechterordnung auszusehen hat, ist so gar nicht 2016. Auch nicht die Angst davor, Genderaspekte in Kita und Schulen zu berücksichtigen. Laut der Pressemitteilung der hessischen AfD sorge dies für die Konfrontation von „Kleinstkindern mit sexuellen Methoden und Praktiken“.

Punktet Hetze gegen Andersdenkende oder Ausgrenzung von Minderheiten ebenso weniger bei Frauen? Die Universität Leipzig hat gerade erst eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass Frauen fast so ausländerfeindlich sind wie Männer (18,9 zu 22,2 Prozent), aber nur halb so viele Frauen wie Männer sind antisemitisch (3,3 zu 6,6 Prozent). 3,3 wichtige Prozent.

Übrigens: Auch in Österreich wählen mehr Männer als Frauen die FPÖ. Bei der für ungültig erklärten Bundespräsidentenwahl in Österreich wählten 60 Prozent der Frauen den Ex-Grünen-Chef Alexander van der Bellen und 40 Prozent den FPÖ-Politiker Norbert Hofer. Bei den Herren war es genau umgekehrt. Und auch in den USA zeigen die Hochrechnungen, dass Donald Trump wesentlich besser bei den Männern ankommt.
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