„Hidden Figures": Warum ihr die Hommage an die vergessenen Heldinnen lieben werdet

Photo: 20th Century Fox
Es ist ein bisschen so, wie wenn man sein Lieblingsgericht zubereitet: Es duftet bereits, man hat so Lust drauf und weiß genau, dass einem unglaublich schmecken wird – aber es ist eben noch nicht fertig. So ähnlich gestaltet es sich gerade mit dem Film Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen. In Amerika läuft der Film nämlich bereits und es erreichen uns immer wieder News, wie erfolgreich und großartig das Kinospektakel sein muss (Zwei Golden-Globe-Nominierungen) – und doch müssen wir uns in Deutschland bis zum 02. Februar gedulden.

„Man kommt aus dem Kino und feiert all diese Frauen, ohne allzu wütend auf die Männer zu sein“, urteilt Schauspielerin Octavia Spencer und tatsächlich – Refinery29 durfte den Film vorab gucken – verlässt man den Kinosessel mit einem Gefühl von Stärke, Schwesternschaft, Female Empowerment. Der Film macht Mut und inspiriert. Ihr werdet ihn lieben, genau wie wir:

Es geht um die bisher noch nicht erzählte Geschichte von drei einzigartigen Frauen, die sich gegen Diskriminierung in einer weißen und männerdominierten Gesellschaft der frühen sechziger Jahren behaupteten: Katherine Johnson, Dorothy Vaughan und Mary Jackson (Taraji P. Henson, Octavia Spencer und Janelle Monae). Die drei hochbegabten Mathematikerinnen stehen im Dienste der NASA und sind maßgeblich daran beteiligt, die Wende im Wettrennen um die Eroberung des Alls herbeizuführen. Leicht hatten sie es allerdings nie: „Die Einstellung von Frauen bei der Regierung war gesetzlich vorgeschrieben, und die NASA musste sich daran anpassen; Männer wollten diese Jobs nicht, die sie für Büroarbeit hielten. Die Frauen waren unterbezahlt und Vorurteilen ausgesetzt“, so Regisseur Ted Melfi.
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Photo: 20th Century Fox

„Es ist eine aufbauende Geschichte“, so Produzentin Donna Gigliotti. „Es geht um weibliche Selbstbehauptung und um die Porträts von Frauen, die Wissenschaftlerinnen, Ingenieurinnen und Mathematikerinnen waren. Sie sind einfach tolle Vorbilder. Wenn auch nur ein Mädchen nach dem Film sagt ‘Ich dachte immer, Mathematikerinnen seien Nerds - aber hey, Taraji Henson spielt diese Rolle, ich bin gut in Mathe, ich kann auch Mathematikerin werden’ – dann habe ich meinen Job gut gemacht. Was mich interessierte, war die Geschichte von Frauen, die um ihren Platz in der Welt kämpfen und diese Frauen speziell haben Herausragendes geleistet.“

Vor dem Hintergrund der Bürgerrechtsbewegung und des Kalten Krieges ist Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen ein aufwühlendes Drama über Freundschaft, Familie, Mut und Selbstbehauptung einer Frau.

Diese Frauen waren nicht nur an einem richtungsweisenden globalen Durchbruch beteiligt, sondern rissen gesellschaftliche Barrieren ein und zerschmetterten Klischees. Johnson, Vaughan und Jackson machten sich in der kühlen und komplexen männerdominierten Welt der Mathematik und Raumfahrttechnik unentbehrlich. Johnsons Berechnungen waren wesentlich für John Glenns historische „Friendship 7“-Mission, in der ihm als erstem amerikanischen Astronauten 1962 die Erdumrundung gelang – ein bahnbrechendes Ereignis, das viele inspirierte. Dennoch ist ihre Pionierarbeit bis heute nie gewürdigt worden.

Frauenpower – die Protagonistinnen stützen sich: „Man sieht, wie diese starken Frauen aufeinander aufpassen und untereinander Luft ablassen“, sagt Janelle Monae. „Sie reden über ihre Ehemänner und ihre Kinder. Katherine ist eine Witwe, und wir sind für sie da. Wir ermutigen sie zu einem Date. Dorothy und ihr Ehemann machen Zeiten durch, in denen sie deprimiert oder wütend sind, und zwischen Mary und ihrem Ehemann findet ein Machtkampf statt. Im wahren Leben lieben wir einander“, so Monae.
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Und was wäre ein Film über diese Zeit ohne Motown-Feeling? One and only Pharrell Williams, mehrfacher Grammy-Gewinner und Koproduzent des Films, ist verantwortlich für den Soundtrack und alle musikalischen Highlights mit Blues, Jazz, Soul, R'n'B. „Pharrell liebt diese Geschichte“, so Regisseur Ted Melfi, „tatsächlich ist er sogar in Virginia, wo der Film spielt, geboren. Deshalb wusste er alles über die NASA und war inspiriert von der Musik der Sechziger… Er verliebte sich in das Filmprojekt, es war also eine perfekte Synergie.“ (Übrigens gibt es den Soundtrack bereits bei Amazon zu kaufen und bei Spotify zu hören.)

Auch die Besetzung könnte nicht passender sein: „Ich fand die Geschichte fantastisch“, sagt Taraji P. Henson, die Johnson spielt, während einer Drehpause im historischen Morehouse College in Atlanta. „Wir haben Frauen in Spielfilmen als Politikerinnen, Anwältinnen und Ärztinnen gesehen. Ich glaube aber nicht, dass ich je eine schwarze Wissenschaftlerin oder Mathematikerin gesehen habe. Deshalb dachte ich ‚Wow, was für eine großartige Gelegenheit, jungen Mädchen ein Vorbild zu präsentieren’“.

Bei der Vorbereitung auf ihre Rolle hatte Henson die Ehre, Johnson treffen, die jetzt 97 Jahre alt ist und im vergangenen Jahr von Präsident Obama die Medal of Freedom überreicht bekam. „Sie ist brillant, und was mich vor allem faszinierte, ist diese ruhige Strenge, die sie ausstrahlt. Sie ist zurückhaltend. Ihr Hirn arbeitet ununterbrochen, deshalb redet sie nicht so viel – und wenn doch, dann hat sie etwas zu sagen“, erzählt die Schauspielerin, die zugibt, dass Mathematik nicht gerade zu ihren Stärken gehört! „Katherine wurde geboren mit dem gewissen Extra in den grauen Zellen… das mir fehlt“, lacht sie und gesteht, dass sie „wahnsinnig Angst“ vor dem Film hatte, „weil es um all das geht, was ich in der Schule nicht kapiert habe. Aber deshalb bin ich ja eine Schauspielerin; ich liebe die Herausforderung."
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Dorothy Vaughn, gespielt von Octavia Spencer, die mit einem Oscar® für ihre Rolle in THE HELP („The Help“, 2011) ausgezeichnet wurde, trägt die Verantwortung für die schwarzen Computer. „Diese Frauen waren Mütter, Lehrerinnen und Anführerinnen; sie wollten für ihre Kinder ein besseres Leben. Sie sind großartige Vorbilder. Dorothy, die sechs Kinder hatte, verrichtet die Arbeit eines Abteilungsleiters ohne jedoch den Titel und die entsprechende Bezahlung, und sie ist eine Macherin.“ In jener Zeit wurde der erste IBM Computer in der NASA installiert. Vaughn gehörte zu den wenigen, die die Bedeutung des Computers für die Zukunft erfassten, und die verstand, dass das Programmieren wichtig werden würde. „Dorothy brachte sich selbst bei, den IBM Computer zu programmieren, noch bevor es Programmierer gab, und deshalb ist diese Frau die eigentliche Urheberin“, sagt Spencer über Vaughns Pioniercharakter.

Die dritte im Trio, Mary Jackson (Musikerin Janelle Monae in ihrer ersten großen Filmrolle) ist eine ausgebildete Lehrerin und eine dynamische und unglaublich smarte junge Frau. Sie kämpft darum, einen Platz an der Schule und der Universität zu bekommen, um die Qualifikationen zu erwerben, die sie für ihre Arbeit als Ingenieur braucht. Rebellisch, zäh und furchtlos, schreibt die mit dem Freiheitskämpfer Levi Jackson verheiratete Jackson Geschichte: sie kämpft für ihre Rechte, überwindet das Protokoll, und es gelingt ihr, unabhängig von der Hautfarbe, die erste weibliche NASA-Ingenieurin zu werden.
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„Sie besitzt Leidenschaft und sie ist ein Energiebündel. Sie ist sehr ehrlich, ausgesprochen smart, und sie weiß, was sie wert ist“, sagt Monae. „Sie ist fest entschlossen ihre Ziele zu erreichen – für Frauen, für ihre Familie und für andere Minderheiten. Sie hat gegen so viele Hindernisse angekämpft. In dieser Zeit blieben Frauen zuhause, kochten Grütze und erzogen Kinder. Sie musste mit ihrem Ehemann zurechtkommen, der ihr vorsagte ‚du wirst nie Ingenieurin sein, hör auf, verrückt zu spielen’. Katherine und Dorothy waren älter; Mary war Teil einer neuen Generation von Schwarzen, die protestierten“, so Monae. „Sie sagte: ‚Wir möchten dieselben Toiletten benutzen wie Weiße’. Sie verlangte den Wandel und sie verlangte Gerechtigkeit.“

Der Film basiert übrigens in Auszügen auf Margot Lee Shetterlys Buch „Hidden Figures: The Story of the African-American Women Who Helped Win the Space Race".
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