10 Gründe, warum Frauen allein reisen sollten

Foto zur Verfügung gestellt von: Laurel Miller.
In den letzten Jahren gehörten Reiseunternehmen und Webseiten, die sich auf weibliche Urlauberinnen spezialisieren, zu den am schnellsten wachsenden Bereichen in der Tourismusbranche. Dabei sind allein reisende Frauen nichts Neues. Zu den berühmten weiblichen Globetrotterinnen gehören zum Beispiel Jeanne Baré, eine Forscherin aus dem 18. Jahrhundert, die (zugegebenermaßen als Mann verkleidet) den Erdball umrundete, sowie Amelia Earhart und die verstorbene Anthropologin Margaret Mead.

Der aktuelle Hype um Solo-Entdeckungsreisen spiegelt vielleicht unsere wachsende Unabhängigkeit sowie unseren größeren Einfluss in der Arbeitswelt wider und natürlich den kulturellen Trend, dass Frauen erst später heiraten und/oder Kinder haben (falls sie das überhaupt wollen).

Ich selbst reise seit fast 20 Jahren als Kochlehrerin und Autorin zu den Themen Essen und Reisen mit meinem Rucksack um die Welt und ich reise nach wie vor lieber allein. Die gute Nachricht für dich ist, dass es dank der sich rasant entwickelnden touristischen Infrastruktur und Technik für Solo-Frauen (was nicht unbedingt Single-Frauen heißen muss) nie eine bessere Zeit gegeben hat, sich im eigenen Lande oder auch im Ausland auf den Weg zu machen. Im Folgenden findest du 10 weitere Gründe, warum du vielleicht schon in diesem Sommer anfangen solltest, allein auf Reisen zu gehen. Außerdem ein paar Tipps, wie du das auf die richtige Art und Weise machen kannst.
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Foto zur Verfügung gestellt von: Laurel Miller.
Du lernst dich (wirklich, wirklich) kennen
Du kannst Tausende in eine Therapie investieren … oder du buchst einfach einen Flug nach Irgendwo, einem Ort außerhalb deiner Komfortzone (wo Deutsch oder Englisch vorzugsweise nicht die offiziellen Landessprachen sind). Allein zu reisen zwingt dich dazu, dich mit dir auseinanderzusetzen, und in diesem Prozess lernst du eine Menge darüber, wer du bist und was dich glücklich macht. Frei von den Ablenkungen des Alltags und diversen Geräten, kannst du dich auf deine Ziele, Themen, Beziehungen und persönlichen Stärken und Schwächen konzentrieren.

Ich zum Beispiel bin eine extrem ungeduldige Typ-A-Persönlichkeit. Reisen – vor allem weil ich schwierige Situationen mag und darin sogar aufblühe – hat mir geholfen, runterzukommen und mehr im Augenblick zu leben, statt mich auf meine To-do-Liste oder meine Pläne für den Tag zu fixieren. Wenn du ehrlich und introspektiv bist, kannst du eine Klarheit erreichen, die du in diesem Ausmaß in deinem gemütlichen Zuhause in der Regel nicht erreichst.

Tipp: Ich empfehle dringend, alle elektronischen Geräte zu Hause zu lassen oder sie auszuschalten und nur für persönliche oder (legitime) Arbeitsnotfälle zu nutzen. Ich sehe zu viele Reisende, die die Naturwunder oder das, was sich kulturell direkt vor ihrer Nase abspielt, ausblenden und lieber mit ihrem Smartphone spielen oder durch Facebook-Feeds scrollen. Dafür kannst du auch zu Hause bleiben und dir das Geld sparen.
Es lohnt sich
Ich habe oft darüber gescherzt, dass ich „spirituell bankrott“ sei, deswegen benutze ich Worte wie „Erleuchtung“ oder „Ermächtigung“ nur zögerlich, aber Solo-Reisen geben mir tatsächlich das Gefühl, als könnte ich nahezu alles schaffen, was ich mir in den Kopf setze. Es ist so ein Schub fürs Selbstwertgefühl, ein richtiger Rausch, wenn du weißt, dass du dich in einem fremden Verkehrssystem zurecht finden oder nur in Zeichensprache einen Handel ausmachen kannst, dass du dich aus kulturellen Fettnäpfchen herauslavieren kannst oder dass du dich körperlich mit einer neuen Aktivität oder einem intensiven Outdoor-Abenteuer herausfordern kannst. Wanderungen mit einem Bergvolk, der Aufenthalt in einer Gastfamilie, Sprachkurse, all das sind lohnenswerte Erfahrungen – vor allem dann, wenn du sie ohne Begleitung als Sicherheitsnetz erlebst.
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Diese Ausbildung bekommst du nicht an der Uni oder im Berufsleben
Australier und Neuseeländer sehen das richtig: Nach der Schule ein Jahr auszusetzen, bevor man mit dem Studium anfängt, ist eine viel bessere Vorbereitung auf das Leben als ein Sommerurlaub nach der Highschool. Ich habe zwei Studienabschlüsse, aber ich habe auf meinen Reisen mehr über Geschichte, Anthropologie, Soziologie, Geographie und Politik gelernt, als ich jemals in der Schule allein hätte lernen können. Ich bin absolut für Fortbildung, aber manchmal lernt man die Dinge, die in der Welt passieren, nur dadurch, dass man in diese Welt hinausgeht. Und wenn du dabei zufällig noch allein bist, umso besser.
Es fordert dich heraus
Oft ist es schwierig, sich selbst zu fordern, wenn man in der Alltagsroutine gefangen ist. Reisen – vor allen in Entwicklungsländer – schubst dich von der Couch und aus deiner Komfortzone und zwingt dich, dich selbst und die verschiedenen Kulturen bewusster zu betrachten. Ich sage damit nicht, dass du deine Sicherheit aufs Spiel setzen sollst. Im Gegenteil, deine Sicherheit sollte immer deine oberste Priorität sein. Wenn man aber immer den sicheren und bequemen Weg geht, hilft das dem persönlichen Wachstum oder der Lebenserfahrung nicht wirklich. Wage den Sprung.

Tipp:
Informiere dich nicht nur über dein Reiseziel, sondern auch über die kulturellen und sozialen Gepflogenheiten, und wie man mit Belästigungen umgeht. Abhängig davon, welches Land oder welchen Teil der Erde du besuchst, wird deine Reaktion auf unerwünschte Annäherungsversuche anders ausfallen, und es ist wichtig, dass du angemessen reagierst, damit die Situation nicht eskaliert.
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Es ist bezahlbar
Natürlich hängt das von deinem Reiseziel und deinen Vorlieben ab, aber wenn du eine anspruchslose Touristin mit knappem Budget bist, kannst du Monate unterwegs sein, wenn du in kleinen Pensionen, Hostels oder bei Gastfamilien übernachtest. Außerdem zahlst du nicht nur die besseren Preise, wenn du auf regionalen Märkten einkaufst und dich an Straßenessen und Restaurants hältst, in denen auch die Einheimischen essen, du bekommst auf diese Weise auch das bessere Essen und machst bessere kulturelle Erfahrungen.

Tipp:
Die Preise variieren im Laufe des Jahres, wenn du also sparen musst, überlege dir, ob es sich für dich nicht eher lohnt, ein Reiseziel in der Nebensaison zu besuchen, wenn die Flüge, Unterkünfte und Preise für Aktivitäten deutlich niedriger sind. Der einzige Nachteil bei Solo-Reisen ist der, dass es manchmal nicht leicht ist, etwas zu unternehmen, weil das oft verboten teuer ist, wenn man sich die Kosten nicht mit anderen teilen kann. Aber oft kann man sich zu einer anderen Gruppe gesellen oder genug andere Urlauber zusammentrommeln, um einen Tagesausflug zu realisieren. (Bei einem Trip nach Laos konnte ich vor Kurzem genug Passanten zu einer Kajaktour überreden, die sich dadurch nicht nur für den Betreiber rentiert hat, sondern für uns alle bezahlbar war. Ein Gewinn für alle.)
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Es kann dich zu einem besseren Menschen machen
Wenn du ein miesepetriger Mensch bist, wird wohl auch ein Leben voller Reisen nichts daran ändern. Wenn du aber aufgeschlossen bist und neugierig auf die Welt da draußen, gibt es nichts, was in dir mehr Mitgefühl, Empathie und Verständnis für andere Kulturen fördert. Man muss nicht ehrenamtlich tätig sein, um etwas zu verändern. Sei als Reisende einfach aufnahmebereit, versuche dich kulturell zu integrieren (sei sensibel; viele Einheimische mögen es nicht, wenn, sagen wir mal, Westler sich ihre Art zu kleiden oder ihre religiösen Bräuche überstülpen), hinterlasse möglichst nur einen leichten ökologischen und sozialen Fußbadruck und suche Kontakt zu Einheimischen. All diese Punkte machen Reisen zu einer lebensverändernden Erfahrung.

Tipp:
Es ist toll, wenn man etwas zurückgeben kann, aber mache dich vorher in Reiseführern oder bei Händlern vor Ort schlau, wie man das am besten macht. Viele Länder wollen eine „Bettelkultur“ verhindern, deshalb werden Touristen gebeten, Kindern kein Geld, keine Süßigkeiten und noch nicht mal Kugelschreiber zu geben. Ich bringe meist alte Kleidung und Schuhe mit, die ich trage und dann am Ende der Reise spende, was den zusätzlichen Nutzen hat, dass mein Gepäck dadurch auf der Heimreise leichter ist.
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Gelegenheiten en masse
Am besten erlebt man ein Land oder eine Kultur, wenn man zu jemanden nach Hause eingeladen wird (vor allem zum Essen). Weil allein reisende Urlauberinnen in vielen Ländern ein Objekt der Neugier – und manchmal auch des Mitleids – sind, habe ich bereits viele Einladungen erhalten, zum Abendessen, zu Partys oder zu Zeremonien oder Events, an denen ich teilnehmen durfte oder bei denen ich zusehen konnte. Ich nehme fast immer an und einige meiner besten Reiseerinnerungen sind aus diesen Momenten entstanden. (Noch einmal: Deine Sicherheit geht vor! Das heißt, du musst auf dein Bauchgefühl hören und deinen gesunden Menschenverstand benutzen.)

Tipp:
Bring dich niemals in eine ausweglose Situation oder in Situation, in der du die einzige Frau bist oder dich in irgendeiner Weise Fremden gegenüber verpflichtet siehst. Ich finde es auch nützlich, ein paar Kernsätze in der Landessprache zu lernen, um höflich (oder bei Bedarf auch nicht so höflich) unerwünschte Annäherungsversuche abzuweisen, seien diese finanzieller oder körperlicher Art. Ich musste diese Sätze selten anwenden, aber allein das Wissen darum, wie man auf Spanisch oder Italienisch wie ein Kesselflicker flucht oder Banden umherstreifender Straßenkinder auf Portugiesisch und Arabisch verjagt, hat mir sehr geholfen. Davon abgesehen solltest du sowieso immer ein paar Sätze in der Sprache des Landes, das du besuchst, lernen, weil es die Logistik des Reisens leichter macht – und schon die Bemühung allein zaubert den meisten Einheimischen ein Lächeln aufs Gesicht. Zumindest „hallo/auf Wiedersehen“, „danke“, „das war köstlich“ und „wo ist die Toilette?“ solltest du draufhaben. Ich schwöre auf die Sprachführer von Lonely Planet, die es in geradezu jeder erdenklichen Sprache gibt.
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Das Leben ist kurz
Das hört sich vielleicht nach einem Klischee an, aber ich lebe nach dem Motto: „Du kannst morgen schon von einem Bus überfahren werden.“ Makaber? Vielleicht. Aber wir wissen nicht, wann unsere letzte Stunde schlägt. Und wenn du deine Traumreise nach Griechenland immer wieder aufschiebst oder mit der Wanderung durch die Anden, von der du schon so lange träumst, wartest, bis du endlich die Zeit oder den Freund dazu hast oder dir leichter freinehmen kannst, bedeutet das vielleicht, dass du diese Dinge niemals machst. Selbstverständlich sollst du dich finanziell nicht ruinieren oder dich verantwortungslos verhalten, aber vertraue mir, selbst mit dem kleinsten Budget findest du eine Möglichkeit, auf Reisen zu gehen. Das ist einfach eine Frage der Prioritäten.
Es ist entspannender
Weißt du, was so gar nicht entspannend ist? Wenn man ständig mit einer Freundin, einem Lebensgefährten, Eltern oder einem Reisepartner verhandeln oder sich zanken muss, wo du doch viel eher dein Reiseziel erkunden solltest.

Tipp:
Wenn du dich auf eigene Faust auf den Weg machst, versuche deinen Angehörigen zu Hause für den Notfall eine möglichst konkrete Reiseroute dazulassen.
Deine Zeit gehört dir
Nenne es selbstsüchtig, aber wenn ich reise – vor allem, weil ich nicht viel Geld verdiene – will ich alles so machen, wie ich es will. Für mich hat Essen immer Vorrang vor Museen und Denkmälern. Was auch immer dein Steckenpferd sein mag – wenn du allein reist, kannst du dich ihm ganz und ohne Schuldgefühle widmen.
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