Wie Mode mein Leben verändert hat... mit Fanny Moizant von Vestiaire Collective

FOTO: Vestiaire Collective
Luxusstücke aus zweiter Hand und online zu kaufen ist gerade so angesagt wie nie zuvor und das ist zu einem großen Teil auch Vestiaire Collective zu verdanken. 2009 wurde die Shopping-Plattform von Sébastian Fabre, Fanny Moizant, Sophie Hersan, Alexandre Cognard, Henrique Fernandes und Christian Jorge gegründet. Mittlerweile zählt das Unternehmen 220 Mitarbeiter. Momentan sind ca. 400.000 gebrauchte Produkte - von der Chanel 2.55 über die Givenchy Boots bis hin zum Sandro Kleid - verfügbar. Täglich kommen 3000 bis 4000 Stücke dazu. Die Seite zählt 4 Millionen Nutzer aus 47 Ländern weltweit. Soviel zu den Zahlen.

Aber wie entstand die Idee zur Gründung der revolutionären Plattform? Das weiß Brand Director und Head of UK Fanny Moizant, denn sie war von Anfang an bei Vestiaire Collective dabei. Uns hat sie erzählt, wie alles entstanden ist, wie sich ihre Karriere entwickelt hat und wie Mode so ihr Leben verändert hat.
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Mein wichtigstes Kleidungsstück in meinem Schrank ist ein Rock meiner Mutter. Ich trage ihn nicht oft, aber er erinnert mich an sie. Sie hat einen starken Stil und ich denke immer gern an sie. Letztlich habe ich es auch ihr zu verdanken, dass ich heute in der Mode arbeite.

Ich bin im Süden Frankreichs in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen und hatte eine sehr glückliche Kindheit. Als ich zehn Jahre alt war, begann meine Mutter, verschiedene Geschäfte in Montpellier zu eröffnen. Dort bin ich wohl zum ersten Mal bewusst mit Mode in Kontakt gekommen. Meine Mutter verkaufte Verschiedenes; von Designobjekten über Merchandise von Tin Tin bis hin zu Mode von L’Equipe und DKNY. Als ich ein Teenager war, habe ich in ihren Läden immer wieder gearbeitet. Ich habe Geschenke verpackt, Kunden beraten und bei allem ausgeholfen, was so angefallen ist. Dashat mein Interesse für Mode ausgelöst. Ich habe es geliebt von schönen Kleidern umgeben zu sein. Außerdem hat mich die Business-Seite des Geschäfts immer gereizt, weil man sich genau überlegen muss, wie man ein Produkt verkauft. Bevor ich in den Läden meiner Mutter gearbeitet habe, hatte ich noch keine konkrete Vorstellung von meiner Zukunft. Das hat sich dann plötzlich geändert.

Meinen Stil hatte ich damals allerdings noch nicht gefunden. Ich war ein großer The Doors-Fan und habe mich am liebsten im Boho-Look gekleidet. Vanessa Paradis und Lenny Kravitz haben mich dazu inspiriert. Ich war nicht total wild, aber hatte schon einen bestimmten Look.

Als ich 25 war, bin ich zum Studium nach Paris gegangen. Ich war an einer Business School und mein Hauptfach war Marketing. Nebenbei habe ich mich im Studium engagiert und dabei auch meine Leidenschaft für Organisation und Business entdeckt. Meine Praktika habe ich dann aber im Bereich Mode gemacht. Ich war u.a. bei John Galliano. Das war eine tolle, sehr lehrreiche Zeit. Außerdem habe ich für die Unterwäschemarke DIM gearbeitet. Nachdem ich meinen Abschluss gemacht hatte, wollte ich dann unbedingt in der Mode arbeiten. Dadurch bin ich bei Mexx gelandet. Doch das war einfach nicht das Richtige für mich...
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Ich wusste immer, dass ich mir eine zweite Karriere in der Mode wünsche.


2001 war es nicht gerade einfach einen Job in der Modebranche zu finden, also bin ich dann bei einem Interiorbrand gelandet und war dort als Marketing Director und Einkäufer angestellt. In den sechs Jahren dort habe ich viel gelernt. Es war ein kleines Unternehmen und so war ich in viele Bereiche eingebunden. Nur das Produkt selbst hat mich weniger begeistert. Es handelte sich um Tischdecken. Als sich dann mein erstes Kind, meine Tochter Louise, ankündigte, entschied ich mich dazu, meine Karriere zu unterbrechen. Ich habe mich dann auf die Erziehung konzentriert und war bald wieder schwanger. Ich wusste aber immer, dass ich mir eine zweite Karriere in der Mode wünsche. Aber leider haben mir dazu die Erfahrungen gefehlt. Also hab ich während meiner zweiten Schwangerschaft einen Abschluss an der Modeschule in Paris gemacht.

Die zusätzliche Ausbildung hat mir dann endgültig die Gewissheit geliefert, dass ich in der Mode tätig sein wollte. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich für mich selbst arbeiten will, um mein Leben so gestalten zu können, wie ich mir das vorstelle. Es fehlte also nur noch die Idee. Einer unserer Lehrer gab uns damals den Tipp, jede Frustration in ein Notizbuch zu schreiben, denn hinter diesen Problemen könnte sich eine Businessidee verstecken. In einem Magazin habe ich dann von Modebloggern gelesen, die ihre Kleidung über ihren Blog weiterverkaufen. Das fand ich spannend, weil sie das komplett allein machten, so ganz ohne Service. Ich konnte mir das selbst nicht vorstellen. Also habe ich es mir zum Ziel gemacht, all diese Frauen auf eine Plattform zu bringen und ihnen all den Service und die Sicherheit zu bieten, die man für solche Geschäfte braucht.
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FOTO: Vestiaire Collective
Als ich meinem Bruder, der wie meine Mutter Unternehmer ist, davon erzählt habe, hat er kurz danach eine Email von einem Freund bekommen, der genau die gleiche Idee hatte. Was für ein Zufall! Dann kamen noch vier weitere Gründer dazu und wir haben das Konzept von Luxus auf Contemporary erweitert. 2009 haben wir dann Vestiaire Collective gelauncht.

Wir waren mit der Idee zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Außerdem hatten wir das Glück, dass wir bei einer großen TV-Show vorgestellt wurden, die 6 Millionen Menschen in Frankreich schauen. Das war großartig, aber wir waren immer noch ein rein französisches Unternehmen. Das hat sich nach und nach verändert. 2012 haben wir unser London Office eröffnet. Es folgten Berlin, New York und Mailand. 2013 bin ich dann nach England gezogen, um den Markt dort zu überschauen und das Business auszubauen.

Ich weiß jetzt, dass alles möglich ist.


Der Umzug war anfangs eine Herausforderung. Es hat mir schon Angst gemacht, aber ich habe meinen Weg gefunden. Die Umstellung hat mich viel gelehrt. So habe ich mich zum Beispiel weg von einer sehr französischen, manchmal etwas negativen Haltung hin zu einem positiveren Blickgewandelt. Das hat mich total motiviert. Ich weiß jetzt, dass alles möglich ist. Es gibt nichts, was man nicht erreichen kann. Auf lange Sicht wollen wir der Weltmarktführer im Bereich Resale werden. Das sind wir bereits in Europa, aber wir wollen auch in den USA wachsen. Dann nehmen wir uns Asien, den mittlerer Osten und Australien vor.

Ich shoppe selbst fast jeden Tag bei Vestiaire und schaue mir immer die Neuheiten an. Ich bin quasi die perfekte Kundin. Ich verkaufe auch viel weiter. Immer wenn ich etwas Neues will, verkaufe ich vorher ein Teil aus meinem Kleiderschrank. Das macht auch meinen Ehemann glücklich. Immerhin verdiene ich so vorher etwas Geld, bevor ich es wieder ausgebe. Deswegen ist mein Kleiderschrank auch nicht riesig. Als wir umgezogen sind, habe ich versucht mich einzuschränken. Eine Redakteurin hat mich mal besucht und war ganz überrascht, dass mein Kleiderschrank so klein ist. Es klingt vielleicht langweilig, aber ich habe meine Uniform einfach gefunden. Ich trage fast jeden Tag das Gleiche. Meistens ist das eine Jeans, dazu ein Pullover oder Shirts und Flats. Fertig. Wenn man weiß, was man gerne trägt, dann braucht man nicht tausende Optionen jeden Morgen. Ich habe keine Zeit mir lange Gedanken darüber zu machen, was ich anziehen soll. Es muss schnell gehen. Und wenn ich doch mal wieder etwas Neues brauche, dann schaue ich bei Vestiaire...

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