Was es wirklich bedeutet, wenn ich in meiner Beziehung Zeit für mich alleine will

Foto: Natalia Mantini.
Zu allererst: Wenn du jemanden datest ist es ganz wichtig sicher zu gehen, dass ihr so viel Zeit wie möglich mit einander verbringt. Hast du Zeit, heute Abend um 23 Uhr vorbeizukommen? Natürlich. Bist du interessiert daran einen richtig langweiligen Film zu gucken? Auf jeden Fall! Lust mit einem Haufen fremder Leute auf eine Party zu gehen? Mit dir, sicher.
Möglicherweise verschwindet dieser Durst irgendwann und das einzige, was noch schöner ist als zusammen zu sein, ist Zeit alleine zu verbringen. Du kannst deine*n Partner*in großartig finden, ohne jede wache oder schlafende Minute mit ihm*ihr zu verbringen, weil es so etwas wie „zu viel“ Zusammensein gibt, sagt Dr. Jessica Borelli, Professorin für Psychologie und soziales Verhalten an der University of California, Irvine. „Eines der schönsten Dinge an einer Beziehung ist, dass sie uns dabei helfen zu wachsen und uns weiterzuentwickeln, wie wir es ohne diese Verbindung niemals geschafft hätten,“ sagt Dr. Borelli. Aber wenn du und dein*e Partner*in den größten Teil eurer Erfahrungen zusammen erlebt (zum Beispiel wenn ihr zusammen arbeitet, zusammen lebt, zusammen Sport macht, und/oder euer Sozialleben zusammen gestaltet), habt ihr möglicherweise nicht die persönlichen Erfahrungen, die euch dabei helfen zu wachsen. Die Entscheidung etwas Zeit alleine zu verbringen – sei es für einen Tag, ein Wochenende, oder eine ganze Woche – kann eure Beziehung bereichern und dafür sorgen, dass du deinen Partner mehr zu schätzen weißt, sagt sie.
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Es gibt eine Praxis, genannt „relational savouring“, in der es darum geht „vorherige Momente einer engen Beziehung mit einem Partner zu reflektieren“, erklärt Dr. Borelli. „Relational Savouring“ kann verschiedene Formen haben und vermutlich wendest du es bereits an, ohne es zu merken. Im Prinzip geht es dabei darum, über all die Wege nachzudenken, auf die dein Partner dir in der Vergangenheit geholfen hat oder dich daran zu erinnern, wann du dich besonders wertgeschätzt oder verbunden gefühlt hast, sagt sie. Vielleicht erinnerst du dich daran, als dein Partner an einem besonders stressigen Tag für dich da war, was bedeutet, dass du in der Zukunft auf ihn zählen kannst, sagt Dr. Borelli.

Was eine zufriedene Balance in der Beziehung ausmacht, variiert von Paar zu Paar.

Dr. Jessica Borelli
Diese positiven Gedanken „unterstreichen Gefühle von Sicherheit innerhalb einer Beziehung“, sagt sie. Paare, die Fernbeziehungen führen, neigen eher dazu es zu tun, ganz einfach weil sie nicht die ganze Zeit beieinander sind und deshalb mehr Zeit damit verbringen über ihre Beziehung nachzudenken, als tatsächlich mit ihrem Partner zusammen zu sein, sagt Dr. Borelli. (Das bedeutet natürlich nicht, dass du deine ganze Zeit damit verbringst über deinen Partner nachzudenken, wenn ihr von einander getrennt seid – es ist nur eine Möglichkeit wie deine Beziehung von Zeit allein profitieren kann.)
Auf der anderen Seite kann es auch schlecht sein, mit deinen Gedanken alleine zu sein. „Wenn unsere Partner physisch nicht anwesend sind, sind wir mit unseren Gedanken alleine, und damit, wie wir unsere Partner und unsere Beziehung geistlich vor uns selbst vertreten“, sagt Dr. Borelli. Das klingt etwas düster, aber es bedeutet bloß, dass du, wenn ihr voneinander getrennt seid, in deinen eigenen Kopf schaust und negative Gedanken haben könntest, sagt sie. Du bist nur menschlich, es ist also ganz natürlich, wenn deine Ängste vor Untreue, Verlassenheit, und Eifersucht hochkommen, sagt sie.
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Glücklicherweise gibt es einen Weg, getrennt zu sein und sich trotzdem innerhalb der Beziehung sicher zu fühlen. „Ein glückliches Mittel zu finden ist wichtig, aber herausfordernd. Und was eine zufriedene Balance in der Beziehung ausmacht, variiert von Paar zu Paar und von Kultur zu Kultur“, sagt sie. Falls du Zeit alleine magst, aber dir nicht sicher bist, wie sie in deine Beziehung passt, empfiehlt Dr. Borelli dir darüber im Klaren zu sein was du brauchst. Du solltest dich hin und wieder dazu entscheiden, etwas Zeit ohne deinen Partner zu verbringen und etwas für dich zu tun.
Um sicher zu stellen, dass es passiert, mach einen Plan, wann du dir etwas Raum gibst, für wie lange und wie ihr währenddessen in Kontakt bleibt (falls es für einen längeren Zeitraum ist). Unternimm etwas mit deinen anderen Freunden, geh zum Sport oder einfach ein paar Stunden shoppen. Vermutlich machst du das ohnehin schon, aber es lohnt sich, das mit deinem Partner zu besprechen, damit er nicht das Gefühl hat, dass du vor ihm wegläufst oder verschwindest. Du musst deinem Partner nicht jedes Mal sagen, was du tust, aber zu kommunizieren und in Kontakt zu bleiben hilft dabei, die „Beziehungs-Dämonen“ fernzuhalten, sagt Dr. Borelli. Dein Partner wird sich in der Regel nicht angegriffen fühlen, oder es persönlich nehmen, wenn du etwas Zeit alleine verbringen möchtest – weil das bedeutet, dass sie auch an der Reihe sind.
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