Kann man zu viel pinkeln? Ja! Und das sind die Gründe dafür

Illustrated by Mary Galloway.
Auch wenn das Wasserlassen normal erscheint, kann sich die Beklemmung, mehrmals täglich an den gleichen Kollegen beim Gang zur Toilette vorbeizugehen, schnell steigern. Gibt es sowas wie „zuviel zu urinieren”?
„Ja, das gibt es.”, sagt Dr. Raquel B. Dardik, eine Gynäkologin am Medizinischen Zentrum Langone der Universität New York. Aber der ständige Harndrang ist kein Grund zur Sorge.
Wenn man sich Gedanken darüber macht, wie oft man den Drang hat, sollte man erstmal überdenken was „oft” wirklich für einen bedeutet. Dr. Dardik meint: "Einige Menschen urinieren wirklich öfter als Andere, aber es gibt keine festgelegte Einheit darüber, wie oft am Tag oder in der Stunde als „zu oft“ bezeichnet werden könnte.“ Das Gegenteil sei der Fall, sagt sie, „Ein plötzlicher Wechsel im Rhythmus der Toilettengänge ist eher ein sicheres Zeichen, dass etwas nicht in Ordnung ist.“
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Aber selbst dann ist der häufige Harndrang ein überraschend komplexer Prozess und kann einfach daran liegen, dass man seine Wasserzufuhr gesteigert hat. Wir nennen nun ein paar Möglichkeiten, warum man so viel pinkeln muss und was man vielleicht daran ändern kann.
Ständiges Nippen
Wenn man zu den Leuten gehört, die gewohnheitsgemäß immer eine Wasserflasche bei sich tragen, Kaffee trinken oder zur Happy-Hour ein oder zwei Cocktails genießen, ist einem vielleicht nicht bewusst, wie oft man seinen Tank auffüllt. „Einer der größten Schwachpunkte ist eigentlich die gute und gesunde Angewohnheit des Wassertrinkens." sagt Dr. Dardik. „Junge Frauen haben gesunde Nieren, die das Wasser schnell filtern." Ständiges Trinken ist also kein Schwachpunkt, aber der regelmäßige Toilettenbesuch ist der Preis den man dafür bezahlt. Am Besten sieht man es als kleine Erinnerung daran, dass man sich ab und zu vom Schreibtisch erheben sollte.
Eine Entzündung
Was könnte passiert sein, wenn man – wie befürchtet – besonders oft zur Toilette gehen muss? Der naheliegendste Grund, gerade bei sexuell aktiven Teenagern und jungen Frauen in den Zwanzigern ist die Harnwegsinfektion, die auch als Blasenentzündung bekannt ist. Dr. Dardik erklärt, dass diese normalerweise mit bekannten Symptomen wie Schmerzen oder einem Brennen beim Wasserlassen in Verbindung stehen. Die meisten Frauen kümmern sich also zügig um eine Behandlung.
„Wenn es sich aber um eine eher milde Blasenentzündung handelt,“ erläutert Dr. Dardik, „könnte es sein, dass man einfach nur einen Harndrang verspürt der öfter als normalerweise einsetzt und man das Gefühl hat, mehr zur Toilette gehen zu müssen als üblich. In dem Fall erkennt man nicht unbedingt den Grund, dass sich Bakterien eingeschlichen haben und die Blase irritieren."
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Glücklicherweise können diese Infektionen, seien sie nun mild oder ernst, mit dem entsprechenden Antibiotikum behandelt werden. Vorbeugend sollte man auch daran denken, direkt nach dem Sex zu urinieren.
Überaktive Blase
Normalerweise strecken sich die Muskeln, wenn sich die Blase füllt und der Harndrang wird dem Gehirn über entsprechende Rezeptoren gemeldet. In einer überaktiven Blase hingegen wird die kleinste Streckung bereits von den Rezeptoren registriert und die Meldung erfolgt, obwohl die Blase noch nicht voll ist. Dr. Dardik meint dazu: „Und das Frustrierende dabei ist meistens, dass man das Gefühl hat, sofort zur Toilette gehen zu müssen.".
Forscher ermitteln noch immer die Ursachen für eine derartige Reaktion der Blase. „Für manchen ist dies ein Dauerproblem," meint Dr. Dardik. „aber für Andere ist dies ein kleineres Problem, dass zum Beispiel von Stress überschattet wird."
Wenn ein Arzt glaubt, dass man eine überaktive Blase hat, könnte der einige Tests empfehlen, um andere Ursachen auszuschließen. Eine Behandlung umfasst Medikamente oder bestimmte Verhaltensveränderungen, wie zum Beispiel eine Überwachung der eingenommenen Flüssigkeiten oder das Anwenden von Kegel-Übungen, da ein starker Beckenboden wohl hilfreich ist. Diese Behandlungen richten sich nach der Stärke der Symptome. Bei Bedarf kann auch die Überweisung an einen Spezialisten erfolgen.

EINER DER VERMEINTLICH GRÖSSTEN SCHWACHPUNKTE IST EIGENTLICH DIE GUTE UND GESUNDE ANGEWOHNHEIT DES WASSERTRINKENS.

Hormone
Ach ja, noch so ein Ding was die Hormone betrifft! Die „Ebbe und Flut“ deiner reproduktiven Hormone kann ebenso die Funktion deiner Blase beeinflussen. Dies könnte sich bei der Häufigkeit der Toilettengänge widerspiegeln, wenn du deine Periode hast, auf die Menopause zusteuerst oder schwanger bist. Dr. Dardik erläutert, dass Forscher den wirklichen Grund hierfür noch nicht herausgefunden hätten, die Hormone bei einer Frau hier aber eine Rolle spielen.
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Weitere, seltene Ursachen
Eher selten sind Ursachen wie ein Uterusmyom, das auf die Blase drückt und einen Harndrang auslöst. Normalerweise verursachen solche Zysten keine entsprechenden Symptome und wachsen von selbst zurück. Sollte es aber trotzdem aufgrund einer außerordentlichen Größe zu Beschwerden kommen, hilft oft die Verhütungspille zum Einschrumpfen oder ein operativer Eingriff zum Entfernen.
Häufiges Urinieren könnte auch ein Symptom für ernsthafte Ursachen wie Diabetes oder multiple Sklerose sein. Darum sollte ein häufiger Drang zum Pinkeln auch nicht ignoriert werden. Es sei trotzdem nochmals erwähnt, dass diese Ursachen eher selten sind.
Was unternehmen?
Wenn man besorgt ist, empfiehlt Dr. Dardik die Aufzeichnung des Wasserlassens für den Zeitraum von zwei bis drei Tagen. Dies hilft bei der Erkenntnis eines Verhaltensmusters, welches sonst unerkannt bleiben würde. Pinkelst Du zwischen 10 Uhr morgens und 1 Uhr nachts gemäß deines Kaffeekonsums? Oder ergibt sich das Problem komplett in der Nacht oder am stressfreien Wochenende?
Diese Tipps helfen dabei, das Problem zu lokalisieren. Sei es nun in Bezug auf deine Blase, ein bestimmtes Umfeld oder etwas ganz Anderes. Und diese Daten helfen einem Arzt ungemein. Um diese Aufzeichnungen wird dich dein Arzt wahrscheinlich sowieso als erstes bitten. Dr. Dardik meint: „Also, mit diesen Daten beim Arztbesuch bewaffnet, kann man die Dinge nur beschleunigen.“
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