3 Dinge, die ich gelernt habe, nachdem ich zu früh mit jemandem zusammenzog

Photographed by Winnie Au.
Wenn es darum geht, schicke, dekorative Lieblingseinrichtungsgegenstände zu finden, seid ihr bei mir an der richtigen Adresse. Ich bin Expertin darin, welche Kissenfarbe am besten zu welchem Sofastoff passt oder welche Töpfe sich am besten in den neuen Küchenschubladen stapeln lassen.
In den Monaten der Vorbereitung auf das Zusammenziehen mit meinem Freund verbrachte ich unendlich viele Stunden damit, die passende Tagesdecke zu finden, Geschirrtücher mit den sarkastischsten Prints zu erstöbern oder auch niedliche Zahnbürstenhalter nach Anleitung selbst zu basteln. Etwas weniger Zeit, vielleicht sogar etwas zu wenig, nahm ich mir, um darüber nachzudenken, was das Zusammenziehen für uns als Paar bedeuten würde bzw. was sich dadurch alles verändern sollte.
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Damals fühlte sich der Schritt zusammenzuziehen für meinen Freund und mich absolut richtig an. Wir waren beide 26 Jahre alt und verbrachten gerne und vor allem viel Zeit miteinander. Gab es Streit, so konnten wir diesen meist schnell aus der Welt schaffen, außerdem hatte jeder von uns endlich einen Job mit solidem Einkommen. Ich ging davon aus, dass sich alles Weitere schon mit der Zeit ergeben würde, was sollte also dagegen sprechen, sich eine gemeinsame Wohnung zu suchen?
Heute, sieben Monate später, scheint es fast, als ob die sorgfältig ausgesuchte Tagesdecke aufgrund der zahllosen Konflikte, die sie als stille Beobachterin miterleben musste, etwas an Farbe verloren hat. Wir drei (mein Partner, die Tagesdecke und ich) mussten uns in den letzten Monaten des Zusammenlebens Auseinandersetzungen stellen, die wir uns im Vorfeld niemals hätten träumen lassen. Angefangen von kleinen Nörgeleien über den obligatorischen, nicht raus gebrachten Müll, bis hin zu ernsthaften Zweifeln an einer gemeinsamen Zukunft. Vorläufig haben wir uns erstmal nur von der Tagesdecke getrennt und beschlossen, unserer Beziehung noch eine Chance zu geben.
Wenn mich die letzten Monate etwas gelehrt haben, dann auf jeden Fall, dass ich mir wesentlichen Kummer hätte ersparen können, wenn ich mir im Vorfeld ausführlichere Gedanken über meine ganz persönlichen und finanziellen Lebensziele gemacht hätte. Als junge Frau, der ihre eigene finanzielle Unabhängigkeit enorm wichtig ist, hätte ich besser abwägen sollen und mich nicht von der aufregenden, verklärten Aussicht auf das Zusammenleben blenden lassen dürfen.
Ich habe mich schließlich auf den Weg gemacht, das nachzuholen und langsam aber sicher zeigt sich ein erster Fortschritt. Die folgenden 3 Tipps sind meine ganz persönliche Empfehlung an euch, wenn ihr demnächst vor habt, mit eurem*r Partner*in zusammenzuziehen!
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1. Sprecht offen und ehrlich über die Erwartungen an eure Beziehung
„Was wären die grundsätzlichen Voraussetzungen dafür, dass ihr mit eurem Partner bzw. eurer Partnerin zusammenziehen würdet?“ … diese Frage stellte ich meinen Followern kürzlich in den sozialen Medien und ich war ziemlich überrascht von den Antworten:
[...] bevor ich mit jemandem Zusammenziehe, möchte ich verlobt sein.“
[…] eine Grundvoraussetzung ist die Übereinkunft darüber, gemeinsam das Leben miteinander verbringen zu wollen. Dazu ist es nicht nötig, dass die Beziehung unbedingt in eine Ehe mündet.“
[...] die Miete auf zwei Personen verteilen zu können, wäre für mich schon Grund genug.“
[...] Es leitet sozusagen den nächsten Schritt ein.“
[...] Wenn er mich nur endlich fragt.“
[...] Wir ziehen erst nach der Hochzeit zusammen.“
[...] Wir haben es einfach gemacht. Heute sind wir glücklich verheiratet und haben ein Baby.“
Mit den Pro's und Con's des Zusammenziehens könnte man wohl ganze Bücher füllen. Am Wichtigsten ist aber, dass, egal ob man traditionelle Werte pflegt oder eher unkonventionelle Überzeugungen hat, man sich offen und ehrlich, ohne die eigenen Bedürfnisse zu verstecken, im Vorfeld darüber austauscht, ob sich die Vorstellungen vereinbaren lassen. Übereinstimmungen in grundsätzlichen Fragen und Bedürfnissen sind unverzichtbar, wenn es um das Zusammenleben geht.
Nichts bleibt immer so wie es war und eure Wünsche werden sich im Laufe der Zeit entwickeln und verändern. Es kommt dann darauf an, mit diesen Veränderungen in Kontakt zu bleiben und sie aktiv zu beobachten und offen anzusprechen. Dabei ist es wichtig, sich selbst und dem Gegenüber mit der größtmöglichen Klarheit zu begegnen. Wenn man das beherzigt, lassen sich viele Missverständnisse und unnötiger Stress schon von Anfang an umgehen.
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2. Übernehmt Verantwortung – für euch selbst und eure Beziehung
Egal, ob ihr euch für die Ehe entscheidet oder unverheiratet bleibt, ihr könnt nur dann finanzielle Unabhängigkeit gewährleisten, wenn ihr euch mit euren eigenen Finanzen auskennt. Wenn ihr euch schon vor dem Zusammenziehen mit eurer finanziellen Situation auseinandersetzt und genau wisst, was ihr wie verdienen wollt und für euch selbst haushalten könnt, seid ihr, unabhängig davon, ob eure Beziehung funktioniert oder nicht, in der Lage, für euch selbst zu sorgen.
Dabei geht es um mehr, als nur über eure momentanen Ausgaben Buch zu führen. Auch längerfristig solltet ihr planen, welche Zahlungen in der Zukunft auf euch zu kommen können. Dazu gehören z.B. das Abzahlen eines Studienkredits oder die private Rentenvorsorge.
Stellt euch selbst die Frage, wie eure Zukunft aussehen soll, vielleicht gehört es zu eurem Lebensplan einmal euer eigenes Haus zu besitzen. Dieser Weitblick kann euch davor bewahren, sich zu vorschnell in die Abhängigkeit zu begeben. Wenn sich in einer Beziehung, jede bzw. jeder für sich darüber im Klaren ist, welche finanziellen Verpflichtungen man eingehen kann und möchte, kann man schließlich gemeinsam dafür sorgen, dass sich die Pläne in die Tat umsetzen lassen.
3. Stellt euch auf die Veränderung schon im Vorfeld ein
Ihr solltet, schon vor dem geplanten Umzug, alles einmal durchdenken. Welche Folgen und welche Veränderungen wird der Umzug für euer Leben bedeuten? Mein Freund und ich müssen z.B. beide seit dem Umzug mehr als 1 1/2h zu unserer jeweiligen Arbeitsstelle pendeln. Das Zusammenzuziehen hat für uns beide auch Opfer bedeutet, die wir im Sinne unserer Beziehung gerne bereit sind zu erbringen. Aber natürlich hat diese Veränderung Einfluss auf mein tägliches Leben und somit auch auf unsere Beziehung. Wie häufig und vor allem wo man seine Freunde trifft sowie der Umgang mit der Familie sind sind plötzlich Thema. Der Entschluss, zusammenziehen hat auf im Grunde jeden Aspekt meines Lebens Einfluss gehabt.
Finanzielle sowie emotionale Unabhängigkeit sind meiner Meinung nach der Schlüssel zu einem glücklichen Leben. Nur wenn ich mit mir selbst und alleine zufrieden und gut leben kann, bin ich bereit,, meinen Alltag mit jemandem anderen zu teilen und mit den Problemen wie Freuden des Gegenübers anzureichern.
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