Louis Vuitton x Supreme bringt eine Traditionsmarke in junge Köpfe

Ich bin kein Skater-Girl. Ja, ich hatte den Traum von mir in kurzen Shorts auf einem Skateboard irgendwo in Kalifornien unzählige Male. Aber bis heute habe ich zu große Angst vor dem Sturz. Dabei gilt gerade bei den Skatern: Hinfallen und wieder aufstehen. Ich blieb trotzdem immer distanzierter Fan statt integrierter Anhänger des Skater-Kults und als das Trasher-Shirt alle Street-Style-Blogs stürmte, ahnte ich nicht, welche Bedeutung die plötzliche Massentauglichkeit eines T-Shirts mit Aufdruck für die Skater haben würde.
Einige von ihnen lachten, einige fluchten andere verbrannten ihre Ausgaben. Denn ja, Trasher ist eigentlich ein Magazin. Aus Papier und Druckerschwärze. Das älteste noch bestehende Skateboard-Magazin der Welt, sagt Google. Celebrities und Models machten den Anfang, Teenager überall auf der Welt folgten und bestellten sich für weniger als 30 € ein Shirt, ohne sich mit dem Hintergrund des Logos beschäftigt zu haben. Ist das schlimm? Genau darüber diskutierte ich einige Monate später mit meinem einzigen Freund aus der Skater-Szene, als er mir den Link zur Kollektion von Supreme x Louis Vuitton schickte. „Na, schon alles bestellt?“
Seine Frage war nicht nett gemeint. Er wollte mich aufziehen und war sich sicher, ich würde Supreme nur für ein weiteres Modelabel halten. „Ich finde diese Supreme-Geschichte nur Schrott! Vor 10 Jahren war es ein reiner Skateshop – das war super. Hinter der Kollektion steht nun aber ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Kein Sinn für Werte. Nur geniales Marketing“ waren seine Worte. Ich erschrak, hatte ich mir doch insgeheim schon zwei Teile auf die Wunschliste gesetzt. Den restlichen Abend recherchierte ich die Geschichte und fand heraus, dass Supreme und Louis Vuitton schon vor 17 Jahren in einem Satz genannt wurden. Supreme ersetzte damals das „LV“-Monogramm durch den Buchstaben „S“ auf einem Skateboard und kassierte eine Urheberrechtsklage.
Kooperationen von Streetwear- und Luxus-Labels bringen alte Marken in junge Köpfe und Retro-Charme in eine „Alles-muss-neu-sein Gesellschaft”. Früher sagte man: Wer sich in Supreme kleiden will, muss es sich verdienen. Heute darf jeder Supreme und jeder Trasher. Und genau mit dieser Haltung bleiben die Labels selbstbewusst ihrem Motto treu: „We do what we fuckin’ want. And you should too!” Und als ich einen Skater am Jungfernstieg in Hamburg fragte, warum er skaten so liebe antwortete er: „Skateboarding steht für Toleranz und Respekt. Bei uns wird niemand ausgeschlossen wegen seinem Style, seiner Herkunft oder seinem Geld.” Für mich brachte er damit die Kooperation auf den Punkt. Die Grenzen verschwinden und genau so sollte es sein. In den Köpfen, in der Mode und auf der ganzen Welt. Und deshalb, liebes Louis Vuitton-Team: Überdenkt doch bitte nochmal die Preise für diese Kollektion!
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