Retro-Reise: Menschen der Mode, wie sie mal waren

Photo: Rose Hartman/Getty Images.
In The Beautiful Fall, Alicia Drakes post-Der Teufel Trägt Prada Einblick in die Leben von Karl Lagerfeld und Yves Saint Laurent im Paris der 1970er, hat die Autorin in Worte gefasst, was so viele von uns fühlen, wenn wir einer berühmten (Mode-) Persönlichkeit begegnen: „[Stylist] Corey [Tippin] saß mit Karl und [It Boy] Jacques [de Bascher] am Hafen als ein Bus amerikanischer Touristen vorbeifuhr und er plötzlich, in einem Moment der Klarheit, Karl im Licht der Realität anstatt durch das gewohnte Kaleidoskop der Modebranche gesehen hat: Touristen starrten aus den Fenstern, das Eis schmelzend in der Hand, Karl Lagerfeld anglotzend wie die transzendente Erscheinung, die er ist. Ich erinnere mich daran, dass ich dachte, Ich sitze hier mit diesem totalen Freak!“ Drake wurde nach der Veröffentlichung des Buchs von Lagerfeld wegen Verletzung der Privatsphäre angezeigt.

Aber so ist es eben wirklich. Einer Modeberühmtheit zu begegnen – ebenso wie berühmten Persönlichkeiten aus der Politik gegenüberzustehen – ist ein unvergesslicher Moment; einer, der festgehalten zu werden bedarf. Denn wider all unseres besseren Wissens mögen wir es eben doch Menschen zu treffen, die uns vorschreiben, was wir zu tun haben. Denn abgesehen von Aussetzern wie in Frankreich im Mai 1968 oder, sagen wir, gerade in den USA, verehren wir sie. Und wir berichten auch immer noch ekstatisch darüber, ihnen zum Greifen nah zu sein. Denk doch mal genau nach: wie viele Fotos von Grace Coddingtons Hinterkopf hast du schon gesehen?

Aber hast du dich je schon mal gefragt, warum sich niemand traut sie tatsächlich nach einem Bild zu fragen? Wir sind mutig genug um Filmstars nach Bildern zu fragen, nicht aber Moderedakteure, deshalb bleiben wir bei abstrakten Schnappschüssen ihrer kurzen Zwischenreise auf Bahnhöfen oder schnellen Abgängen von Modeschauen nur um sagen zu können, dass wir sie gesehen haben. Aber stell dich ihnen bloß nicht in den Weg, denn Modeleute sind in gleichem Maße New Yorker wie sie auch kategorisch überall etwas zu spät kommen, Timing ist eben alles.

Es wird jedoch immer faszinierend bleiben, eine Person der Modeindustrie außerhalb ihres gewöhnlichen Territoriums anzutreffen. In diesen kurzen Momenten können wir beobachten wie sie unbewaffnet, stoisch und unverfangen sie selbst sind. Wir haben eine einzigartige Auswahl an Bildern zusammengestellt, die Szenen aus dem Nachtleben und hinter den Kulissen des goldenen Zeitalters der Mode zeigen, um euch daran zu erinnern, dass hinter jeder Sonnenbrille ein Lachen steckt – und es war immer da.

Übersetzt von: Rea Mahrous