Skateboard-Fashionbrand Supreme: Das ist keine Mode mehr, das ist Schwachsinn

Foto: Raven Ishak.
„Supreme launcht Michael Jackson Collection“ – Diese Worte flimmerten mir vor zirka einer Woche auf dem Computerbildschirm entgegen und ich war null interessiert an dem, was sich hinter dieser Kollektion verbarg. Denn wenn es für mich eine Marke gibt, die es geschafft hat, aus Schrott Geld zu machen, ist es Supreme. Supreme bedeutet auf Deutsch soviel wie „höchst“ oder „absolut“ und es scheint wirklich so, als hätte die Skateboardmarke aus den Vereinigten Staaten jeglichen Bezug zur Realität verloren. Gepusht wird der absurde Größenwahn nur noch von immer wieder applaudierenden und konsumierenden Fans, die vermutlich auch für eine Klobürste mit dem rot-weißen Logo ihr Konto leer räumen würden.
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Natürlich habe ich dennoch auf die News geklickt und mich fast an meinem Kaffee verschluckt. Die sogenannte „Capsule Collection“ besteht aus T-Shirts, Hoodies und einem Skateboard, alles bedruckt mit einem (einem!) Bild des King of Pop anno Billy Jean.
Freunde, das ist keine Capsule Collection, das sind bedruckte T-Shirts und Hoodies. Wie soll ich darüber mit journalistischem Ernst berichten? Ich habe in meiner Jugend auch T-Shirts bedrucken lassen, hat mich auch nicht zum Designer gemacht. Als die Gerüchte um eine mögliche Kollaboration von Supreme und Louis Vuitton die Runde machten und alle furchtbar aufgeregt waren, fragte ich mich ebenfalls, warum? Schließlich war doch von vornherein klar, wie diese Kollaboration aussehen würde: Es wird einfach das Supreme-Logo auf Louis Vuitton Artikel gedruckt und vice versa. Wahnsinn, da muss man erst mal drauf kommen.
Supreme ist der Pierre Cardin unserer Generation. Mit dem einzigen Unterschied, dass anscheinend kein Produkt zu lächerlich ist, um die Marke ernsthaft zu Fall zu bringen. Pierre Cardin hat in seinem Lizenzwahn bekanntlich selbst vor Kloschüsseln nicht Halt gemacht – was ihm reihenweise Spott aus den eigenen Reihen einbrachte. Würde Supreme heute eine Kloschüssel in Rot-Weiß herausbringen, sie wäre innerhalb von 24 Stunden ausverkauft und Instagram überschwemmt mit Toilettenbildern. Vermutlich würde sich selbst dann niemand ernsthaft fragen, ob der ganze Labelwahnsinn, für den meines Erachtens Supreme wie keine andere Marke steht, inzwischen nicht schon zu weit gegangen ist.
Jede Generation bekommt den Hype, den sie verdient und ich muss mir leider eingestehen, dass ich anscheinend Teil einer Generation bin, für die Besitztümer, Markennamen, Trends und das schlichte Haben so wichtig sind, dass ihr das Hinterfragen komplett abhanden gekommen ist. Wir tragen sinnfreie Botschaften auf T-Shirts umher (“It‘s a good happy day!“), weil wir gar nicht mehr wahrnehmen, mit was wir uns umgeben. Hauptsache Farbe und Brand stimmen. Der Rest ist eigentlich egal.
Wenn Supreme in einigen Monaten also eine neue Capsule Collection launcht, vielleicht dieses mal mit einem (einem!) Bild von sagen wir, Steve Jobs und einem Apfel, werden wieder alle darüber schreiben, es werden alle kaufen und ihre Bilder auf Instagram hochladen, um zu zeigen, dass sie es besitzen. Und irgendwo in New York sitzt jemand und badet in seinem Geld und lacht sich kaputt.
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