Kann zu viel Selfcare schädlich sein?

Illustration: Paola Delucca
Wellness ist gut für die Seele und ab und zu ein bisschen „Me-Time“ ist nicht nur wahnsinnig instagrammable und damit automatisch massentauglich, sondern bringt tatsächlich die nötige Abwechslung in unseren schnellen Alltag. Doch macht uns zu viel Selfcare womöglich egoistisch?
Eines vorweg, an einem gesunden(!) Egoismus ist nichts verwerflich. Eine Studie der Tamagawa University in Tokyo hat erst kürzlich ergeben, dass Menschen, die zu sehr auf andere und zu wenig auf sich achten, eher zu Depressionen neigen als Menschen, die auf sich selbst schauen. Und trotzdem wollen wir nicht einsam in unseren Schaumbädern ertrinken und unser Geld für teuren Detox-Saft statt für gesellige Weinabende ausgeben. Moderation is key.
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Tatsächlich ist Selfcare in Zeiten von Social Media politischer geworden: Wellness wurde in gewisser Weise zum Statussymbol erkoren. Überall sieht man Spas in den Bergen, Whirlpools vor Alpenpanorama, erholsame Getaways auf Bali mit Blick in den Regenwald, teure Tees und noch teurere Pflegeprodukte und Badezusätze. Aber wie erholsam war es, das richtige Foto zu schießen, um den Menschen da draußen zu zeigen, wie sehr man es sich gerade gut gehen lässt? Das bleibt ein Geheimnis. Allzu entspannend dürfte es aber nicht sein. Von dem Gefühl der Zuhausegebliebenen, die sich im Zweifel solch ein Wellness-Erlebnis gar nicht leisten können, mal ganz abgesehen.
Seit alle auf die Influencer schimpfen, wurde viel darüber geredet, wie lächerlich es ist, das Essen so lange perfekt in Szene zu setzen, bis es am Ende kalt ist. Immerhin muss man es dann ja auch noch hochladen und verhashtaggen. Ach, und wenn man schon mal gerade auf Instagram ist, kann man auch eben noch schauen, was die anderen so tun, liken und kommentieren, denn das bringt die beste Reaktionsquote auf den eigenen Post. Mit proklamierter Selfcare verhält es sich ähnlich, auch wenn man kaltes Badewasser einfacher wieder erhitzen kann als Essen.
Legen wir also kurz das Handy beiseite und denken nochmal über das Konzept Wellness nach. Selfcare und noch viel wichtiger Selflove sind Konzepte, die es vollkommen wert sind, gehegt und gepflegt zu werden. Ein gemütlicher Abend zu Hause, an dem man nur Dinge für sich tut, und sei es früh ins Bett zu gehen, ist ganz und gar nicht egoistisch. Sein gesundes, mit guten Zutaten kredenztes Frühstück ist durchaus teilenswert, so lange es einen Mehrwert für die anderen hat, andere inspiriert – nicht wegen der Likes. Wer sich selbst pflegt, sollte das gute Gefühl, das entsteht, teilen. Nicht nur in den Social Media – sondern auch direkt mit Freunden.
Also, einfach mal die Beste mit zum Yoga nehmen oder gemeinsam in die Sauna. Das schweißt mehr zusammen als jedes

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