#DirtyThirty: Wieso Weihnachten zu Hause auch Teamwork heißt

DirtyThirty: Maren Aline Merken ist 30 Jahre alt, Wahlberlinerin mit Herz für die Hauptstadt und dennoch ständig unterwegs. Ob auf Recherchereise im kunterbunten Indien, auf der Suche nach den neusten Foodtrends im lebhaften Johannesburg oder beim leicht chaotischen Familien-Kaffeeklatsch in ihrer Geburtsstadt Düsseldorf – sie ist neugierig, begeisterungsfähig, wortverliebt und gar nicht mal so spießig, wie sie sich Ü30-Frauen als Teenager vorgestellt hatte. Immer hungrig auf Neues feiert sie das Leben mit der 3 vorne – und versteht bis heute nicht, wie man Angst vor dem 30. haben kann.
Es ist soweit. Heute ist Heiligabend und damit der Tag, an dem die meisten von uns Weihnachten feiern. Das heißt für viele von uns: Viel gutes Essen, noch mehr leckere Getränke und jede Menge Spaß mit der buckligen Verwandtschaft. Für die eine oder andere bedeutet es aber auch Stress pur – und das sind tendenziell die Frauen und Mütter der Familien. Das sind die, die den lieben langen Tag in der Küche stehen, vorher trotz Job durch die Gegend gerast sind, um für jeden aus der Familie ein Geschenk zu besorgen, die sich Gedanken gemacht haben, was es zu essen gibt und alles dafür besorgt und erledigt haben.
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Wir sind eine Familie, also helfen wir natürlich alle am Weihnachtsabend mit. Aber sind wir ehrlich, wir helfen doch tendenziell nur genau da, wo wir es wollen! Den Tisch schön decken und die innere Berufung der Interior-Designerin ausleben, den Baum mitschmücken, weil es Tradition ist und uns irgendwie ein wohlig-weihnachtliches Gefühl gibt oder den Sekt, Crémant oder Schampus einschenken – denn, hey, Gastgeber sein fühlt sich irgendwie so gut an.

Weihnachten ist auch irgendwie Teamwork oder sollte es auf jeden Fall sein, immerhin ist so eine Familie ja eigentlich immer auch ein Team, eins, auf das man sich auch oder gerade an Tagen wie dem heiligen Abend verlassen können sollte.

Bei uns daheim ist es jedes Jahr ähnlich: Am Vorabend ist das alljährliche Stufentreffen, das eigentlich immer – außer vielleicht bei den Schwangeren – in irgendeiner Spelunke oder auf einer der vielen Partys in der Stadt endet. Heißt im Umkehrschluss, dass der 24. Dezember tendenziell mit einem ausgewachsenen, knurrenden und fauchenden Kater startet. Ausschlafen kann ich persönlich in Gesellschaft dieses fluffigen Tierchens schon ewig nicht mehr, aber wenn man nicht allein aufwacht, dann kuschelt man sich noch ein bisschen an den Freund und lässt den Kopfschmerz Kopfschmerz sein und die Übelkeit Übelkeit. Nach dem Aufstehen hilft man dann schon irgendwie, aber für alles Anspruchsvolle ist der Kopf irgendwie zu matsche und zum freiwilligen Tischdecken brauche ich mindestens so lange, wie zum Lesen eines 500-Seiten-Fitzeks. Hach ja. Schnibbeln? Hat dann irgendwie keiner Lust zu und Mama steht allein in der Küche. DAS. MUSS. SICH. ÄNDERN.
Ich bin selbst Frau und merke schon jetzt wie Dinge grundsätzlich an mir hängenbleiben. Ich habe mich zum Beispiel immer gefragt, wieso in unserer Familie alle einen Adventskalender bekommen außer meiner Mutter. Heute weiß ich wieso: Ich sehe es bei all meinen Freundinnen, die jetzt Anfang 30 sind und Kinder haben. Die basteln plötzlich wie bekloppt, und wenn man schon mal dabei ist, na dann kann der Freund oder Mann doch auch noch einen bekommen. Alle bekommen einen, nur die Frau in der Regel nicht, weder als Freundin, Gattin und Mama. Letztens sprach ich mit einem Geschäftspartner, ob er denn schon alle Weihnachtsgeschenke habe. Und der antwortete nur, darum kümmert sich meine Schwester, die kann das eh viel besser und ich steuere nur Geld bei. Und irgendwie sind wir Kontrollfreak-Orga-Frauen daran auch selber Schuld. Natürlich ist die Einstellung vieler Männer, derlei Dinge auf die Frau abzuwälzen, auch nicht die feine Art, aber wie bei allen Dingen im Leben bin ich der Meinung dazu gehören immer zwei. Einer, der eine Erwartung hat, und der andere, der sie erfüllt.
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Studien haben ergeben, dass Frauen an Weihnachten deutlich gestresster als Männer sind, und ich kann das nur unterschreiben. Aber eben auch, weil mir meinen, wir müssten die Kontrolle über alles behalten: Wir packen schöner ein, wissen besser, was in die Hauptspeise gehört, können den Tisch perfekter decken. Vielleicht müssen wir auch einfach mal aufhören, alles an uns zu reißen und die anderen machen lassen. Aufgaben verteilen und uns sagen: Ich mische da jetzt nicht mit. Weihnachten ist auch irgendwie Teamwork oder sollte es auf jeden Fall sein, immerhin ist so eine Familie ja auch ein Team, auf das man sich gerade an Tagen wie dem Heiligenabend verlassen können sollte.

Das heißt, dass wir an Weihnachten, ob wir nun Zuhause sind oder nicht, die Ärmel hochkrempeln müssen, um derjenigen, die am Herd steht und nebenbei sonst noch alles hext, unter die Arme zu greifen. Und genau deswegen muss ich jetzt auch weg vom Schreibgerät!

Ich wünsche euch allen ein geruhsames Weihnachtsfest im Kreise eurer Lieben. Ihr wisst ja: With a little help from a friend geht alles viel schneller. #merrychristmas
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